Amulette


Schluckbild

Essbildchen
 

 

    Schluckbilder sind keine Erscheinung des Mittelalters, erst ab der Mitte des 18. Jahrhunderts sind sie nachweisbar! Barocke Hausmedizin, zur gleichen Zeit entstanden wie die Drecksapotheken …

Das Essen, Verschlucken resp. Sich-Einverleiben von Bildchen lässt sich als eine urtümliche, unmittelbare Form des Inbesitznehmens deuten, bei der das Bild einer Heilsperson dauerhaft in sich aufbewahrt wird. Wie die Bezeichnungen „Schluckbildchen“ und „Esszettel“ nahelegen, war die Hauptfunktion die einer "geistlichen Medizin", in der Barockzeit sprach man auch von „gratia medicinalis“. Als „papierne Pille“ wurden die Zettelchen in Wasser eingeweicht, aufgelöst oder Speisen beigegeben, um anschließend vom Kranken (Mensch/ Tier) verschluckt zu werden.

Gegen Fieber und andere innere Krankheiten verschluckte man kleine Bildchen von Heiligen, die früher an vielen Wallfahrtsorten gekauft werden konnten. Das Pharmaziehistorische Museum in Basel besitzt ein Schluckbild aus Salzburg (18.Jahrhundert). Auch in Einsiedeln wurden solche Schluckbilder gedruckt. Besonders eifrig wurden die Bildchen im Kärntischen Maria Zell gedruckt

 

Exponat

Streifen von 3 Schluckbildern aus dem späten 18. Jhdt. Betitelt "M. Schatzkam(mer)" und "Maria Zell", mit den jeweiligen Gnadenbildern:

- die Gnadenstatue, eine schlichte, spätromanische (13. Jhdt), 48 cm hohe Statuette aus Lindenholz, zeigt Maria, hier verehrt als "Magna Mater Austriæ", wie sie auf ihr Kind zeigt.

- das Schatzkammerbild aus dem 14. Jhdt ist das neben der Gnadenstatue meistverehrte Gnadenbild von Mariazell. Das Bild wird dem Sieneser Künstler Andrea Vanni um 1360 zugeschrieben.

 

Lit.:

Ch. Schneegass, Schluckbildchen, in: Volkskunst, Zeitschrift für volkstümliche Sachkultur 6, 1983, S. 27-32.