Zahnheilkunde


Geissfuss

Geissfuss 1
 

Der Geißfuß ist ein Hebel, mit dem die Wurzel der Schneide- und Eckzähne aus dem Kiefer gehoben wurde. "Wenn der Geißfuß gebraucht werden soll, so muß sich der Kranke auf einen niedrigen Sessel setzen, um den Kopf und Rücken anlehnen zu können. Dabey öffnet er den Mund so weitals möglich, um den Wundarzt Platz und Licht genug zu verschaffen. Wenn der Kranke auf der Erde sitzt, steht der Wundarzt mit etwas ausgespreitzten Füßen hinter dem Kranken auf der Erde, und läßt gegen seine Schenkel den Kopf des Kranken, etwas zurück gebeugt, fest anlehnen" (Joh. Gottlob Bernstein, Handbuch für Wundärzte, Leipzig 1818, S.783)

 

Er war ein sehr gefährliches Instrument. Schwere Verletzungen des Gaumens, des Mundbodens, der Zunge oder der Wange waren nicht selten. Und dennoch schwärmten die Chirurgen von ihm: "Eins der vorzüglichsten Instrumente ist unstreitig der Geißfuß, weil derselbe den Zahn gerade aufwärts aushebt, folglich den Zahnhöhlenfortsatz nie spaltet, das Zahnfleisch nie quetscht, und mithin by seiner Anwendung mehr Sicherheit und weniger Gefahr ist. Da aber der gewöhnliche Geißfuß nicht wohl bey den hintern Backenzähnen angewendet werden kann, und an den vordern leicht abglitscht, so hat GOERG diesen Mängeln dadurch abzuhelfen gesucht, daß er dem Geßfuß einen Haken gegeben, und zwar ein Instrument für die vordern, und ein anderes für die hintern Zähne bestimmt. Indem man einen solchen Geißfuß ansetzt, faßt der Haken den Zahn von der hintern Seite, und hindert, daß das Instrument nicht abglitscht" (Joh. Gottlob Bernstein, Handbuch für Wundärzte, Leipzig 1818, S.788).

"Der Geißfuß, der den Zahn gerade aufwärts aufhebt, und bey dessen Gebrauche man folglich nie Gefahr läuft, den Zahnhöhlenfortsatz zu spalten, der über dem nie das Zahnfleisch quetscht, wie die beyden eben genannten Instrumente, bey dessen Anwendung also mehr Sicherheit und weniger Schmerz ist, als bey der Anwendung des Pelikans und englischen Schlüssels, verdient also wohl ohne Zweifel f´den Vorzug vor diesen beyden Instrumenten" (August Gottlieb Richter, Anfangsgründe der Wundarzneykunst, Wien 1831).

 

Exponat

Geißfuß (frz. élévateur) mit 6-kantigem Holzgriff. Hebel gepunzt COLLIN – das gleiche gab es auch von CHARRIERE. Um 1880.

 

Herkunft: Carrère in den Pyrénées-Atlantiques, Frankreich.

 

Lit.: http://www.biusante.parisdescartes.fr/aspad/expo75.htm