Chirurgie


Kryotherapie

Kryokauter, um 1930 

"Kryotherapie und kühlende Mittel kannte man schon im Altertum, Schmerzleitungs-blockade durch Kälte wurde wahrscheinlich erstmals 1812 von Larrey bei Amputationen angewendet. Kryochirurgie im heutigen Sinne beginnt jedoch erst mit Sir James Arnott. Dieser erreichte Mitte des 19. Jahrhundert mit einem Eis-Salzgemisch, wie es früher zur Sorbetbereitung benutzt wurde, Temperaturen unter -20 °C und Nekrosen bei Geschwülsten. Weitere Fortschritte wurden möglich, als Verflüssigung und Trennung von Gasen mit dem Linde-Verfahren in industriellem Maßstab gelang und Dewar sowie Weinhold geeignete Isolierbehälter entwickelten. 1899 propagierte White die Anwendung flüssiger Luft als Spray und mit Watteträgern, 1910 Gold diejenige flüssigen Sauerstoffs. Beides wurde trotz Warnungen vor Explosionsgefahr bis in die 1930er-Jahre benutzt" (M. Hundeiker, Geschichte und Zukunft der Kryochirurgie in der Dermatologie, in: Akt. Dermatol. 2009; 35(7): 279-282).

Der Arzt füllte den kälteisolierten Handgriff mit Eisschnee, wählte eine der zu behandelnden Laesion angepasste Hohlsonde, stellte den Druck ein, mit dem er die Sonde auf die Laesion aufdrücken wollte, informierte sich in der Literatur über die adäquate Behandlungsdauer – und warnte den Patienten vor dem zu erwartenden leichten Schmerz.

Es gab den Kauter in unterschiedlichen Packungen: mit 2, 5, 8 oder 10 Hohlsonden, immer zusammen mit einem Adapter, mit dem der Handgriff aus einer, von der Fa. Drapier gelieferten, Original-Eisbombe nachgefüllt werden konnte. Eine Klinikpackung enthielt zusätzlich zu 10 Hautsonden noch 3 gynäkologische Sonden nach Bizard und Rabut, mit denen Gebärmutterinnenhaut- und Zervixentzündungen behandelt werden konnten.

Wir stellen ein Vereisungsgerät nach Léon LORTAT-JACOB (1873-1931) vor aus dem Besitz des in Diekirch etablierten Arztes Paul HETTO (1895-1979).

Lit.:

  • Lortat-Jacob L, Solente G. La cryothérapie, Masson, Paris, 1930.
  • Jean-Pierre Martin, Le cryocautère du Dr. Lortat-Jacob, in: Clystère n°8, mars 2012