Geburtshilfe


Aortenkompressorium

Kompressorium n. HASELHORST, um 1930 

Immer wieder treten während oder nach Geburten lebensbedrohliche Blutungen auf, die zu beherrschen, früher wie heute, den Geburtshelfer vor schwerwiegende Probleme stellt.
Die Idee lag nahe, das klassische, bei EIngriffen an Arm und Bein bewährte TOURNIQUET der Situation anzupassen.

Die Erfindung des Tourniquets wird dem französischen Wundarzt Etienne J. MORELL zugeschrieben, der 1674 bei der Schlacht von Besançon ein Knebel-Tourniquet verwendet haben soll. Von dem französischen Chirurgen Jean Louis PETIT wurde 1718 die Abbildung eines Schrauben-Tourniquets publiziert, mit dessen Hilfe man stufenweise die zu amputierende Extremität komprimieren konnte.

Die Kompression der Bauchschlagader wurde um 1834 von BAUDELOCQUE dem "Neffen" und TRECHAN eingeführt. Billiger und leichter war die Kompression mittels Gummischlauch (in der Not tat es auch der Schlauch, der zum Gasherd führte) - die Methode trägt den Namen des Bielefelder Chirurgen Friedrich A. MOMBURG (1870–1939) oder Johann Friedrich August v. ESMARCH (1823-1908). Die MOMBURG'sche Taillenschnürung barg die Gefahr der Thrombenbildung und Embolie. Bei krankem Herzen war die plötzliche Lösung der Schlauchtour gefährlich (Zbl.Gyn. 1910 nr. 32 S. 1091).

Paul RISSMANN (1867–1932), Frauenarzt in Hamburg, gab einen lederbezogenen Holzblock an, dessen konkave Krümmung exakt der Wölbung eines Wirbels entsprach - wodurch die Aorta anatomiegerecht gegen den Wirbel gepresst werden konnte...

Gustav HASELHORST (1893-1953) gab ein kompliziertes Kompressorium an , mit dem man die Aorta so zuquetschen konnte, dass der Operateur die erforderliche Zeit gewann, um geeignete Massnahmen zu ergreifen, z.B. die Mannschaft zusammenzutrommeln zur Hysterectomie.

HASELHORST ging nach dem Studium in Kiel, Freiburg und Göttingen zur praktischen Ausbildung nach Hamburg-Eppendorf: zuerst in die innere Medizin zu Ludolf BRAUER, dann zur Chirurgie zu SUDECK, worauf er 1920 an die Frauenklinik übersiedelte. Durch seine fleissigen und wohlfundierten Arbeiten konnte er sich 1926 habilitieren, wurde Oberarzt und erhielt 1933 den Ruf nach Rostock als Nachfolger von SARWEY. Er blieb bis 1945 als ordentlicher Professor in Rostock, musste aber bei Kriegsende die Klinik verlassen und kam 1947 nach Wiesbaden. Hier versuchte er mit Erfolg die veraltete Klinik um- und auszubauen. Wissenschaftlich beschäftigte er sich besonders mit der Physiologie der Plazenta und der kindlichen Asphyxie, mit der Endometriose und der Pyelitis gravidarum. Er war ein aufrechter Mann, der keine grossen Worte liebte. Neben seiner klinisch-wissenschaftlichen Tätigkeit war die Freude an der Natur seine hervorstechende Eigenschaft.

HASELHORST erfand das nach ihm benannte Kompressorium 1923 während seiner Assistenzzeit an der UFK Hamburg-Eppendorf unter Direktor Theodor HEYNEMANN (*1878) und stellte es auf der 18. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie in Heidelberg vor. Das Gerät bestand aus zwei über eine Längsachse beweglich miteinander verbundenen und endständig pelottenarmierten Auslegern, deren Abstand zueinander durch eine Flügelschraube fixiert werden konnte (zit. n. Anton Schaller, Instrumentarium obst. Viennense, Wien 2002 S. 110). Die Methode der Kompression barg grobe Gefahren: Blutungen ins Retroperitonäum, Darmlähmungen, Verstärkungen der Blutungen, wenn die venöse Komponente aus der nicht komprimierten Vena cava und vv. ilacae nicht berücksichtigt wurde….

Lit.:
H. Naujoks, Professor Dr. Gustav Haselhorst +. DMW 81 (1956) 106-107.