Innere Medizin


Aerztekammer Moselland

abb1324
1944

Luxemburg wurde im Mai 1940 von deutschen Truppen besetzt, allmählich wurde das Land in die Staatsstrukturen des Reiches integriert.

Noch im Herbst 1940 wurde das reichsdeutsche Krankenkassenwesen eingeführt. Zur Eindeutschung Luxemburgs gehörte auch, die Ärzte weichzuklopfen und sie für die medizinischen Ziele des Führers gefügig zu machen.

  • Im Februar 1941 wurden alle Diplome einer nachträglichen Zustimmung durch den CdZ unterworfen. Eine Reihe von Kollegen verloren nun "wegen deutschfeindlichen Verhaltens" ihre Arbeit, da sie "die Gewähr nicht boten".
  • Umerziehung der Ärzte in Alt Rhese. Es war das erklärte Ziel der „Führerschule“, in Alt Rehse die medizinische Elite des „Dritten Reichs“ auszubilden. Die Kurse bereiteten die teilnehmenden Ärzte, Ärztinnen und Hebammen ideologisch auf Verbrechen wie Zwangssterilisationen und -abtreibungen, Menschenversuche, Euthanasie und die Selektionen in den Konzentrationslagern vor, indem ihnen die vermeintliche Sinnhaftigkeit und Legalität dieses Tuns intensiv nahegebracht wurde.
  • Plumpe Versuche der Verkumpelung; am 6.6.1942 wurde die Ärzteschaft der Stadt Luxemburg von Dr. Reinhold DAUM, Gauamtsleiter der Ärzteschaft Moselgau, zu einem "gemütlichen Abend" im Bürgerkasino von Luxemburg eingeladen.
  • Vorträge vor Ort. Am 1. Dezember 1940 wurde die Ärzteschaft im Kasino in der Hauptstadt zusammengetrommelt zu einer Hirnwäsche "Die Gesundheitsbetreuung des schaffenden Menschen". Am 28.7.1942 übersandte DAUM aus seinem "Amt für Volksgesundheit" in Koblenz eine Liste der vom Oberbürgermeister von Luxemburg zum Dr. CONTI-Abend im Hotel Brauer in Luxemburg einzuladenden Gäste.
  • Zum Knackpunkt für viele Luxemburger wurde die Migliedschaft im VdB. Im Herbst 1940 wurden die Ärzte aufgefordert, dieser Bewegung beizutreten.
  • Aufnahme in die deutschen Standesorganisation, die "Ärztekammer".


    Schliesslich waren die Luxemburger Ärzte soweit indoktriniert, dass man ihnen Auftrtäge im Altreich übertragen konnte, man ihnen Posten anvertrauen konnte, die zuvor von Deutschen besetzt waren, bevor diese an die Front geschickt und als williges Kanonenfutter verfeuert wurden ... Bei den zu Hause gebliebenen regte sich Widerstand. Der Generalstreik am 30. und 31.8.1942 wurde auch für die Ärzte Anlass zur Bekundung ihres Missmutes. Anlässlich der nach Kriegsende geführten Prozesse lesen wir von einer Protestaktion grösseren Ausmasses. Dreizehn Kollegen gaben die Parteimitgliedskarte zurück - Helden, die man vergessen hat!

    Als die Ärztekammer des Gaues Moselland im Sommer 1942 gegründet wurde , trat am 22.8.1942 in Luxemburg Reichsgesundheitsführer Dr. CONTI auf:
    "Die Reichsärztekammer ist keine Einrichtung zur Verfolgung einer etwaigen Standespolitik. Sie hat vielmehr den Zweck, die Ärzte heranzubilden, die das deutsche Volk zur Durchführung seiner großen Aufgaben braucht. Im nationalsozialistischen Staat kann ein unpolitischer Arzt nicht mehr bestehen. In der Ärztekammer ist uns ein weiteres Mittel der politischen Führung gegeben, Unsre Ärzte müssen sich für diese Führung begeistern und sich dafür einsetzen" (zit;: Fr. DELVAUX, Luxemburg im 2. Weltkrieg, S. 91).

    Vorgestellt wird das "Rundschreiben Nr. 4/44" des Leiters der Arztekammer Moselland Dr. Reinhold DAUM vom 26.7.1944, das sich ausdrücklich auch an die Kassenärzte im "luxemburger Gebiete" wandte. In verschiedenen Arztbezirken wurde die freie Arztwahl aufgehoben, Erholungsreisen und Heilkuren wurden eingeschränkt, die Ärzte wurden aufgefordert, Benzin zu sparen. Kranken sollten mit Weizenvollkornbrot anstelle von Weissbrot ernährt werden ...


© 2008 Dr. André Kugener
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