Innere Medizin


Apotheken-Rezept (2), um 1700

Mittel gegen Gelbsucht 

Die Gelbesucht durch Göttlichen Sehgen zu curiren
Rp
Schöner und unverdorbener / pulverisirter Rebarber zi des / morgends nüchtern in 6 oder / 7 Löffelvol kalt Bir eingenom / men, und mit 2 od[er] 3 Löffelvol / selbigen Birs hinabgeflösset, / und bis umb ein oder zwey / Uhr darauf gefastet, noch / mals eine gute Suppe dar / auf gegossen, und nicht vil ge/ truncken.
Und dan nach Verfliessung zweyen / Tagen ein quenth Theriac in 5 / oder 6 Löffelvol kalt Bir morgends nüchtern im / Bette eingenommen, und / zum wenigsten 1½ Stunde wol darauf geschwitzet, / nochmals den Schweiss wol / abgetrucknet, und den / gantzen Tag sich der Luft und / kaltes getränkes enthal / ten.
NB Dis ist die gantze C[ura]M[edica] und darf nichts mehr gebraucht werden, denn es wird sich [verso] die gelbe farbe von Tage zu Tage verlihren.


1 Drachme Rhabarber, etwas Bier und Theriak, schon schwindet die Gelbsucht ...

Rhabarber war ein weit verbreitetes Medikament insbesondere gegen Gelbsucht. Jacobus-Theodorus TABERNAEMONTANUS (1525-1590) schreibt, dass die alten Ärzte den Erdrauch, mit Sennesblättern und Rhabarber gemischt gegen Leberstockungen und Gelbsucht mit Nutzen verordnet hätten.
"Aus den Wurzeln des chinesischen Rhabarbers wurden in unterschiedlicher Form Arzneimittel gegen Verstopfung, Durchfall, Gelbsucht und Nasenbluten hergestellt. Die Verabreichungsform aus geschnittenen Wurzeln, als Pulver, in Form von Trockenextrakten für Tees oder bereits in flüssiger Form als Elixier konnten je nach Dosierung durchaus gegensätzliche Wirkung zeigen. Er hatte durch den hohen Gehalt an Vitamin A, B, C und K, sowie Kalium, Phosphor und Eisen nicht nur blutreinigende und entschlackende Wirkung, sondern war durch seinen Calziumgehalt auch gut für den Knochenaufbau. Zusätzlich wirkt er entwässernd und fördert so den Nährstofftransport aus dem Blut in die Körperzellen" (http://www.rezepte-und-tipps.de/Gemuese/Rhabarber.html).

Dem Bier kam eine echte Heilwirkung zu. Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein (siehe Universallexikon von Johann Heinrich Zedler aus den 30er Jahren) war der Bereich Leber/Milz einschließlich Gelbsucht und Wassersucht, also schwere Stoffwechselstörungen bis hin zu Vergiftungen, eine Domäne des Bieres. Dabei half vermutlich die Beobachtung, dass unter dem Einfluss von Bier vermehrt Urin ausgeschieden wurde, und mit ihm der gelbe Farbstoff... Noch beliebter als Bier war sein Basisprodukt Hopfen.

Mit andern Behandlungsformen trieb man den Teufel sozusagen mit Belzebub aus - überwogen die Nebenwirkungen ! So bei der folgenden Therapie mit Tollkirsche:
"im 18. Jahrhundert fand die Tollkirsche häufig Einsatz zu Heilzwecken, beispielsweise zur Behandlung der Gelbsucht, Bauchwassersucht, des Keuchhustens, von Nervenkrankheiten, Scharlach und Epilepsie. Viele Rumänen glauben noch heute, dass eine Tollkirsch-Staude im Garten den Hausgeist beherbergt" (Gerhard Gensthaler, Schwarze Tollkirsche, Schöne Dame der Natur, in: www.pta-forum.de).

Vergleicht man diese Behandlung mit der folgenden, so spürt man, wie sich die Medizin allmählich von dem alten Prinzip der "similia similibus" entfernte und zu einer (fast) rational-empirischen Medizin avanciert war:
"In der Volksmedizin wird oft Gleiches mit Gleichem behandelt, und so wundert es nicht, dass der goldgelbe Vogel [Goldammer] bei der Behandlung der Gelbsucht eine Rolle gespielt hat. Caspar Schwenckfeld berichtet im 16. Jahrhundert von der Überzeugung, man brauche zur Heilung von der Gelbsucht nur eine Goldammer anzusehen. Diese übernehme dann mit der Farbe auch die Krankheit und müsse sterben, während der Mensch gesund werde" (Karl Wilhelm Beichert, Ausgesucht leckere Bissen. In früheren Jahrhunderten galt die Goldammer als Delikatesse, in: Naturschutz heute – Ausgabe 2/99 vom 2. Mai 1999).

"Cura Medica" war eine geläufige Bezeichnung für die ärztliche Behandlung; vgl.: "Cura Medica Animae" von P.Adalberto Tilkowski (Erstausgabe Wien 1702 ).