Innere Medizin


Traumdeutung: die erbgrossherzoglichen Schimmel

 

Auf ein Kapitel Psychiatrie müssen wir "mangels Masse" verzichten - daher diese Ansichtskarte (Nels, Metz n°2) im Kapitel "Innere Medizin" ...

Walferdingen blickt auf eine interessante Vergangenheit als fürstliches Gestüt zurück: 1817 wurde hier auf Order des Königs der Niederlande und Grossherzogs von Luxemburg das "Dépôt Royal d'étalons du Grand-Duché" geschaffen, dessen Zweck die Verbesserung des Ardenner Pferdes war. 1827 berichtete das "Journal de la Ville et du Grand-Duché de Luxembourg" über die Namen der vier im Großherzoglichen Gestüt von Walferdingen kastrierten Hengste (6.10.1827) ... Das Gestüt ging in den Wirren der belgischen Revolution 1830 unter. 1850 wurde das marode Gestüt zum Sommerschloss des Hofes ausgebaut. 1894 unterschrieb Grossherzog Adolph (1817-1905) hier mehrere Gesetze ...
Obwohl Adolph erst 1905 starb, war sein Sohn Wilhelm ab den 4. April 1902 mit der Ausübung der Amtsgeschäfte des Staatsoberhaupts beauftragt - bevor er 1905 selber Grossherzog wurde. Die Ansichtskarte mit der Kutsche des Erbgrossherzogs stammt also aus den Jahren vor 1905 ...

Das Vierergespann
Zwei Stangenpferde plus 2 Vorderpferde - fertig ist das Vierergespann. Vier Pferde vor einem "Omnibus", in dem 8 und mehr Personen Platz genommen hatten und Koffer sich auf dem Kutschendach türmten - eine alltäglicher Anblick auf unsern Überlandstrassen; eine kleine Kalesche, in der maximal zwei Personen Platz hatten ... als Vierspänner, das war Ausdruck von Protz und Prunksucht: viel zu viel PS im Verhältnis zur Last ! Wollte sich unser Hof so präsentieren? Nicht der alte Grossherzog, der ausgesprochen bescheiden lebte - offenbar aber der "Nachwuchs": ein "Wiener Coupé" als Vierspänner war gerade gut genug für den Erbgrossherzogs !
In Hohenburg hatte der rechte Flügel des Vorhofes als Unterkunft der eleganten Karossen und rassigen Pferde gedient, welche den Nassauern auf diesem Gebiete eine europaweite Reputation verschafft hatten.

Der Schimmel
Beim Camargue-Pferd gibt es nur Schimmel. Lipizzaner, Andalusier, Shagya-Araber und Boulonnais sind meist Schimmel: sie alle sind Träger des sog. "Grey-Gens", das zur Verschimmelung der dunkelhaarigen Pferde führt.
Schimmel führen uns - auf Umwegen - in die Viersäftelehre der griechischen Antike zurück: sie standen für das Phlegma und das Element Wasser, Rappen dagegen standen für Erde und Melancholie, Füchse für Feuer und das cholerische Temperament und Braune für Luft und das sanguinische Temperament. 


Schimmel und Rappen nahmen im Volksglauben einen besonderen Stellenwert ein. Die einen galten als Begleiter der Lichtgestalten, die anderen als Reittiere böser Geister. Wotan ritt auf einem Schimmel. Der wiederkommende Christus reitet in der Apokalypse auf einem "weißen Pferd" (Offenbarung 19,11). Der Schimmel wurde zum Reittier der christlichen Kaiser und der Päpste. Heilige werden häufig hoch zu Ross auf einem Schimmel dargestellt als Zeichen ihres Strebens "nach dem Guten". Auch Lancelot brach auf einem Schimmel zur Verwirklichung seines Traumes vom Ritter auf ... Aufrecht stehend oder auf einem Schimmel sitzend, versehen mit der Lilie als Symbol der Jungfräulichkeit und Unsterblichkeit führte Jeanne d'Arc das französische Heer zum Sieg.
In der Kunst ist der Schimmel häufig ein Symbol für das Gute.
Auch bei den Arabern war der Schimmel ein Symbol für Erfolg und Glück, weiße Pferde wurden häufig geopfert oder waren Teil feierlicher Zeremonien.

In der irisch-keltischen Mythologie aber war der Schimmel das Symbol für den Tod. Auch in der Traumdeutung kommt dem Schimmel eine wenig löbliche Rolle zu:

  • "Schimmel haben etwas Gespenstisches an sich, sie weisen auf mangelndes Gemeinschaftsgefühl, auf etwas Selbstzerstörerisches hin" (http://www.questico. de/Magazin/Aktuelle+Fragen/was-bedeuten-pferde-im-traum).
  • "Die Doppelbedeutung der weißen Farbe wird beim weißen Traum-Pferd deutlich: der Schimmel und der Schimmelreiter gelten als Todesbote; wo sie auftauchen, droht Tödliches" (http://www.deutung.com/lilith/index.php?symbol=Schimmel&keyword=s).
  • "Den Tod bedeutet es, wenn man von einem Schimmel träumt" (http://www. beepworld.de/members6/buffy2004/traumdeutung.htm).

    Auch in der 1888 verfassten Novelle "Der Schimmelreiter" stilisierte Theodor Strom (1817-1888) den Schimmel zum todbringenden Tier : Hauke setzte sich auf seinen Schimmel und ritt zu den Dorfbewohnern, die bereits ein Loch in den neuen Deich gegraben hatten, um den alten zu retten. Doch Hauke konnte den Untergang nicht aufhalten. Das Wasser nahm sich seinen Weg und der Deich brach unter den Hufen des Pferdes zusammen. Hauke sah noch, wie seine Frau mit Kind den sicheren Hof verliessen und zu flüchten versuchten, jedoch zogen sie in die falsche Richtung. Das Dorf wurde überschwemmt. Hauke flehte, dass Gott ihn nehme und seine Familie verschone und gab dem Schimmel die Sporen. Hauke und seine Familie wurden vom Meer weggerissen und nicht mehr gesehen.