Chirurgie


Beinschiene (2)

Drahtschiene n. MAYOR-ESMARCH

 

 

"Einen Fortschritt auf dem Gebiet der schmiegsamen Schienen bedeutete das 1836 von dem Schweizer Chirurgen Mathias Louis MAYOR (1775-1847) eingeführte Drahtgeflecht sowie die Telegraphendrahtschiene v. ESMARCH, welche das Urbild unserer "Leerschienen" darstellt. Die Cramerschiene wurde in den 80er Jahren von dem Wiesbadener Chirurgen CRAMER (gest.1903) angegeben" (Fr. Härtel,Fr. Loeffler Der Verband: Lehrbuch der Chirurgischen und Orthopädischen Verbandbehandlung, Berlin 1922 S. 74).

 

Exponat

Die hier vorgestellte MAYOR-Schiene stammt, wie die vorhergehende, aus dem Nachlass des ab 1925 in Diekirch etablierten Arztes Paul HETTO.

Chirurgie


Beinschiene, hölzerne

Hölzerne Fußschiene
 

 

Hatte sich ein Bergsteiger den Fuß gebrochen – die Tiroler sagen "an Hax åkrissn" – so mußte er auf dem Buckel eines Helfers oder im Tragekorb ins Tal gebracht werden. Noch heute muß ein Fuß oder ein Bein ruhiggestellt werden, wenn der Transport nicht zum Alptraum ausarten und die Schäden an Bändern und Gefäßen noch größer werden sollen als sie ohnehin sind.

 

Exponat

Aus dem Fundus des in Mayrhofen / Zillertal praktizierenden Arztes Armin ZUMTOBEL stammt die hier vorgestellte hölzerne Schiene, die leicht genug war (190 g), um auf oder im Rucksack zur Unfallstelle mitgenommen zu werden - ein echt tirolerisches Produkt: sparsam, in der dörflichen, Holzwerkstatt jederzeit aus lokalem Holz neu herzustellen.

Chirurgie


Chirurgenbesteck (1)

Tasche, um 1880 

 

Pinzette

Obschon die alten Römer schon Pinzetten kannten, insbesondere solche zum Epilieren, wurde das Instrument später verlassen. FALLOPIUS, EUSTACHIUS, vielleich auch VESAL müssten sich ihrer dann wieder bedient haben, wenn sie auch erst bei VIDIUS dargestellt ist (Adam Politzer, Geschichte der Ohrenheilkunde, Stuttgart 1907 S. 123).

 

  Mitte des sechzehnten Jahrhunderts tauchte die Pinzette auf dem von Francesco Salviati gezeichneten Instrumententisch des Florentiners Vidus VIDIUS (1509-1569) – auch bekannt als Guido GUIDI – auf (Chirurgia e Greco in Latinum conversa, 1544).

 

Bistouri

Der Name "bistouri" für das chirurgische Skalpell leitet sich ab von der norditalienischen Stadt Pistoia, wo man von alters her Pistoia's, kleine Degen herstellte. PARÉ (1510-1590) sprach ein allererstes Mal vom "Bistorie".

Der Name "scalpel" leitet sich vom lateinischen "scalpere", schneiden, kratzen, schaben ab und ist verwandt mit dem Begriff "Skulptur". Das deutsche Wort "Skalp" für die behaarte Kopfhaut hingegen leitet sich ab vom altnordischen "skalli" für die Glatze.

 

Exponat

Kleine Tasche (frz. giberne de chirurgien)], angerissen:

2 Rasiermesser MONGIN/ Marseille
1 Pinzette MONGIN
1 Klemme (kein Fabrikat)
_________________________

Sondenhalter (kein Fabrikat)
3 Sonden
2 Scheren (gebogen, gerade), MONGIN
1 Haarpinzette (kein Fabrikat)
__________________________

2 Skalpelle, (ausklappbar, mit Arrêtierung) MONGIN
1 Höllensteinstift
1 „Schweizermesser“ mit 4 Messern: 2 abgerundeten, 2 spitzen.


  Ein Henri Mongin (*nach 1766 in Crepey; gest. vor 1843), Sohn eines Henri Mongin und Cathérine Perdouche, heiratete 1791 in Saint Benoît eine M.-Antoinette Naze. Ob er der gesuchte Firmengründer ist, kann ich nicht sagen. Die Firma Mongin wurde jedenfalls 1814 von einem gewissen Nicolas Mongin gegründet und stellt seither Messer her - sie ist inzwischen Teil eines grösseren Konzernes mit Namen „Groupe Mongin“, in dem die Firmen FAURE, GRINCOURT, LUM und SAOTM zusammen-geschlossen sind.


Nota: ähnliche Etuis wurden von vielen Händlern kopiert, so von der Fa. FAVIER in Paris, r. de la Faculté de Médecine.

Chirurgie


Chirurgenbesteck (2)

um 1900 

 

Leere Falttasche (frz. "trousse de chirurgien"; "folding pouch"), erstanden auf einem Flohmarkt in Arlon (Hall polyvalent) am 27.1.2007. Über dem Verschluss der Tiefdruck Con H.M.. Auf der Innenseite des Klappdeckels der Stempel der Firma F. SCHWOB, Nachfolgerin der Fa. VITRY frères.

 

 

Zur Fa. F. SCHWOB habe ich leider ebensowenig Angaben auf Internet finden können wie zur Vorgängerfirma. Im Hause 106 bd. de Sebastopol residiert heutzutage eine Kleiderfabrik...

 


Von der gleichen Firma SCHWOB stammt ein schwerer Chirurgiekasten (H.M. Boîte n°23) (Ebay-Verkäufer gdidxxl; Internet 2006). Offensichtlich hat der Kürzel H.M. eine besondere Bedeutung (Hôpital militaire ?).

 

 

Eine ähnliche "trousse" wird vorgestellt bei
http://boussole-orchidee.arts-et-metiers.net/expo-b2.html&h=100&w=105&sz=5&hl=fr&start=6&tbnid=OUPqar7OgLbuUM:&tbnh=80&tbnw=84&prev=/images%3Fq%3Dtrousse-de-chirurgie%26svnum%3D10%26hl%3Dfr%26client%3Dfirefox-a%26channel%3Ds%26rls%3Dorg.mozilla:en-US:official%26hs%3DnUu%26sa%3DG" target="_blank"> images.google.be/imgres?imgurl= http://boussole-orchidee.arts-et-metiers.net/images/imgexpo-b2-5.jpg&imgrefurl= http://boussole-orchidee.arts-et-metiers.net/expo-b2.html&h=100&w= 105&sz=5&hl=fr&start=6&tbnid=OUPqar7OgLbuUM:&tbnh=80&tbnw=84&prev= /images%3Fq%3Dtrousse-de-chirurgie%26svnum%3D10%26hl%3Dfr%26client% 3Dfirefox-a%26channel%3Ds%26rls%3Dorg.mozilla:en-US:official% 26hs%3DnUu%26sa%3DG

Chirurgie


Nahtbesteck

Rollmann
 

 

Aus dem Koffer des in Bonneweg / Luxemburg etablierten Arztes Paul ROLLMANN stammt dieses kleine Nahtbesteck: ein Metallbehälter mit seinem Plastiketui der Firma MARTIN (Modell "Assistent standard", Katalog 1982 S. 295) mit zwei Einsätzen, auf denen Schneide- und Nahtapparaturen (Skalpell, Pinzetten, Scheren, Sonde, Klemmen, runde Nadeln und Nadelhalter) in vorgeprägten Einschnitten aufbewahrt wurden.

 

Zum Hersteller

Die KLS-Martin Gruppe mit Sitz in Tuttlingen ist ein Hersteller von hochwertiger Medizintechnik. Sie setzt sich zusammen aus den 5 Unternehmen:



- Gebrüder Martin, Tuttlingen (Vertrieb)
. Das Unternehmen "Gebrüder Martin" wurde 1923 als gemeinsame Vertriebstochter von damals sieben konkurrierenden (!) Gesellschaftern gegründet – eine Idee von Rudolph Buck ...

- Karl Leibinger Medizintechnik (1896 gegründet), Mühlheim (Chirurgische Instrumente)
.

- KLS Martin, Ursprünglich 1922 von Fritz Hüttinger in Freiburg gegründet, ging das Unternehmen in den 1990ern zunächst an die Trumpf Maschinenfabrik über. Umkirch (Elektrochirurgiegeräte)


- Stuckenbrock, 1990 in Tuttlingen gegründet,

- Rudolf Buck GmbH, Wurmlingen.

 

Durchmesser 16.3 x 8.8 x 2.8 cm. 

Chirurgie


Darmnaht

Besteck nach De MARTEL und WOLFSON, um 1950 

 

Bis zum 1. Weltkrieg benutzte man zur Darmnaht den sog. MURPHY-Knopf. einen Doppelknopf aus Metall, der nach der Wundheilung (Nekrose eines Darmsegmentes) spontan abging. Später verzichtete man auf diesen Fremdkörper, der oft im Darm steckenblieb, in den Magen hochrutschte und Dekubitalulcera verursachte. Seit dem 2. Weltkrieg benutzt man das Instrumentarium von De Martel-Wolfson:

a) Zum Anastomosieren der Teile nach Magenresektion, spannt man die beiden Enden in Spezialklemmen „pinces-clamps intestinales et à anastomose“. Vorgestellt werden zwei Klemmen (N°13 und n°2) aus dem ausgemusterten Fundus der Elisabeth-Klinik (Dr. Roger FROMES).

b) Die Anastomosenklemmen werden mittels einer Klemmen-schliesszange „Pince pour fermer les clamps“ geschlossen. Der kleine Hebel hob den Verschluss-Riegel der Klemme hoch und fixierte den Darm…

Chirurgie


Drainageröhrchen

Kleines Metall"dübel", um 1930 

„Pus bonum et laudabile“ hiess es einst. Irgendwann aber hiess es, diesen Eiter solle man aus dem Körper entfernen …

Man legte Drains ein aus Gummi, „mêches“ aus Charpie, aber auch starre Röhrchen aus Glas oder Metall.

Das hier vorgestellte Röhrchen hat eine Länge von exakt 30 mm (erworben in Metz-Grigy, Teil einer „boîte chirurgicale“).

Chirurgie


Extensionsbügel n. KIRSCHNER

 

 

Die Extension bei Frakturen der Extremitätsknochen wurde zuverlässiger, als der Marburger Chirurg Rudolf KLAPP (1873-1948) kräftige Stahldrähte einführte. Diese Fixiertechnik wurde weiter verbessert durch Martin KIRSCHNER (1879-1942).

 

KIRSCHNER wurde am 28.10.1879 in Breslau geboren als Sohn eines Rechtsanwaltes - Spross einer Chirurgenfamilie. Studium in Freiburg, dann Strassburg, Zürich und München. Schliesslich war er wieder in Strasburg.: hier Approbation am 9.7.1904 und am 20.9.1904 Promotion mit einer Arbeit über Syringomyelie. 1904-1907 Assitent am Städtischen Krankenhaus Moabit in Berlin. 1908-1910 Assitent von PAYER an der Chirurgischen Universitäts- klinik in Greifswald, 1910-1913 Assitent an der Chirurgischen Universitätsklinik Königsburg, dort Habilitation zum Privatdozenten im Wintersemester 1910/11 mit einer Arbeit über Sehnen- und Faszientransplantation. 1913 Professorentitel. Schüler von Friedrich TRENDELENBURG (1844-1924).
Ab 1909 untersuchte er die Zugkräfte auf das Skelett und entwickelte verbesserte Verfahren der Osteosynthese. Seine Versuche mit dünnen Drähten führten schliesslich zu einer noch heute anerkannten Methode, der Drahtung resp. Spickung.
Von 1916-1927 war er Ordinarius an der Universität Königsberg. 1924 gelang ihm hier die erste Embolektomie (nach seinem Lehrer benannt als TRENDELENBURG’sche Operation) aus einer v. pulmonalis: am 23. April 1924 konnte Martin Kirschner während der 48. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie von Johanna Kempf berichten, einer Patientin mit massiver Lungenembolie, die durch die von Trendelenburg entwickelte Operation gerettet werden konnte. 1927 Wechsel nach Tübingen. Den 1932 an ihn ergangenen Rud nach Heidelberg lehnte er zunächst ab, da ihm die volle Zusage für einen Klinikneubau nicht gegeben wurde. Erst 1934 wurde ihm diese Zusage endlich verbindlich gegeben, sodass er nun nach Heidelberg übersiedelte und hier die Chirurgische Klinik übernahm. Im gleichen Jahr 1934 wurde er Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie.
Kirschner starb am 30.8.1942 im Reservelazarett Heidelberg - an einem Magenkarzinom mit Metastasen.

 

Durch die Einrichtung von Überwachungsräumen für Frischoperierte wurde KIRSCHNER zu einem Wegbereiter der Deutschen Intensivmedizin. Auch die Behandlung des Pylorospasmus beim Säugling beschäftigte Kirschner intensiv, ebenso wie die Prostatachirurgie. Er entwickelte ein Operation zum Ersatz des Oesophagus. Beliebt ist sein viereckiger Bauchdeckenhalter für die Laparatomie. Vor allem aber revolutionierte KIRSCHNER die Therapie von Knochenbrüchen. Die nach ihm benannten Kirschnerdraht-Osteosynthese, ein „semioperatives“ Verfahren, stellt auch heute noch für viele Frakturen eine optimale Versorgung dar.

 

Trotz aller Technik aber bleiben die persönlichen Fähigkeiten des Chirurgen ausschlaggebend für Erfolg oder Misserfolg einer Operation: "Nicht die Operation, sondern der Operateur rettet den Patienten" (Kirschner).

 

Spickdrahtosteosynthese (Spickung): Fixierungsmethode wie sie zum Beispiel bevorzugt am typischen Speichenbruch in Handgelenksnähe angewendet wird. Der Knochenbruch wird unter Röntgen-Bildwandlerkontrolle eingerichtet. Damit der Bruch in der erzielten Stellung bleibt, werden durch die Haut 2-3 Drähte ( med.: Kirschnerdrähte ) mit einer Bohrmaschine eingebracht. Die Drähte werden gekürzt und unter der Haut versenkt. Die eingebrachten Drähte überbrücken und stabilisieren den Knochenbruch. Allerdings ist eine zusätzliche Gipsruhigstellung von ca. 4 Wochen bis zum Ausheilen des Bruches notwendig, da diese Versorgung nicht übungsstabil ist.

 

Neben den Spickdrähten gab KIRSCHNER 1927 ein halboffenes Verfahren an, zur Ruhigstellung einer Fraktur durch Extension von Knochen: ein direkt am Knochen angreifender Zugverband zur Stellungskorrektur (Reposition), zum Am-Ort-Halten (Retention) von Knochenfragmenten bei Knochenbrüchen, aber auch gelegentlich zur Fragmentdistanzierung (Distraktor) bei Verlängerungsosteotomie, zur Kontrakturmobilisierung, Schwebelagerung etc.; die Zugwirkung erfolgt durch dosierbare, über Rollen – z.B. eines Lochstabgerätes – geleitete Gewichtszüge, die an einem durch den Knochen getriebenen, im „Extensionsbügel“ gespannten Bohrdraht oder STEINMANN-Nagel angreifen.

 

Vorgestellt werden drei grosse „KIRSCHNER-Bügel“ und ein kleiner sog. "amerikanischer Bügel" mit querem Verstellriegel aus dem Bestand der Elisabethklinik, benutzt um 1970 von Dr. Roger FROMES.

 

Lit.:

  • Kirschner, Martin & Stauss, Beiträge zur willkürlichen Begrenzungn und zur individuellen Dosierung der Spinalanästhesie. Erfahrungen an über 1000 Fällen (S.322-383, 26 Abb.), in: Verh. Dtsch. Ges. Chir., 56. - Berlin, Julius Springer, 1932, 8°, CXVIII, 856 S., 260 Abb.
  • Kirschner, Martin: Die Hochdrucklokalanästhesie. Berlin, Springer-Verlag, 1944, 8°, 62 S., 32 z.T. farb. Abb., OKartBd. Erste Auflage der letzten und posthum erschienen Arbeit von Martin Kirschner hrsg. v. R.Zenker.

    Lit. über KIRSCHNER:

  • Weißer, Christoph: Die Knochenbruchbehandlung bei Martin Kirschner und die Entwicklung des „Kirschnerdrahtes“. Anmerkungen zu einer genialen Idee in der Chirurgie, in: Würzburger Medizinhistorische Mitteilungen 12 (1994) S. 5-18.

Kettensaege 1
Kettensaege 2
Kettensaege 3

Chirurgie


Kettensäge n. JEFFRAY

Kettensäge
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem der Geburtshelfer Jean-René SIGAULT (1740-?) 1777 zwecks Erweiterung des Beckens erfolgreich die knorpelige Symphyse einer Patientin durchtrennt hatte, und De CAMBON den Eingriff 1778/80 drei Mal wiederholt hatte, machten sich ihre Nachfolger daran, nicht den Knorpel, sondern den Knochen durchzusägen - in der Überzeugung, dass Knochen besser heilt als Knorpel - und die seitliche Knochendurchtrennung eine geringere Verletzungsgefahr für die Harnröhre darstelle als der mediane Schnitt der Symphysiotomie. 1785 gab der schottische Chirurg und Geburtshelfer John AITKEN (gest. 1790) in seinem geburtshilflichen Werk "Principles of Midwifery or Puerperal Medicine", eine Bandsäge aus kleinen gezahnten Plättchen an "série de chaînons denticulés et articulée au moyen de goupilles. Les deux extrémités de l'instrument sont fixées à une poignée d'ivoire", mit denen er die Beckenknochen (NEBEN der Symphyse) durchtrennen konnte. Ja, AITKEN, wohl in einem Anfall von geistiger Umnebelung ("délire" zit. OSIANDER*) wollte das knöcherne X, das beide Beckenhälften miteinander verbindet, komplett exzidieren, um auch künftige Geburten zu erleichtern ...  

 

*Eine Anspielung an die Tatsache, dass AITKEN 1790 Selbstmord beging, indem er sich, im Beisein von zwei hilflosen Kollegen, eine arteria femoralis durchtrennte.

 

Sein Landsmann James JEFFRAY (1759-1848) behauptete, der eigentliche Erfinder der Kettensäge zu sein, konnte aber erst 1790 eine Säge eigener Bauart vorweisen. Die Kettensäge von JEFFRAY bestand, wie diejenige von AITKEN, aus einzelnen, durch Zylindergelenke miteinander verbundenen Gliedern.

"Dans quelques cas de nécrose ou de caries partielles à la main ou au pied, par exemple aux os du métacarpe et du métatarse, il est important d'aller séparer la partie malade, au milieu des tissus voisins que la maladie n'a pas encore atteints; mais il est évident que les scies dont nous avons parlé jusqu'ici seraient d'un emploi tout-à-fait impossible. C'est dans le but de répondre à cette difficulté que JEFFRAY a eu le premier l'idée de la scie à chainette, dont on ne saurait trop louer l'utilité dans maintes circonstances difficiles. Cette scie consiste en une sorte de chaîne de montre, dont les maillons sont armés de dents sur l'un de leurs bords, et son ensemble représente une série de petites scies articulées les unes à la suite des autres. Chaque extrémité de cet instrument est munie d'un petit manche transversal, à l'aide duquel il peut être mis en mouvement. Comme on le devine facilement, il est d'une flexibilité extrême" (Dictionnaire de médecine et de Chirurgie pratique, Tome 14, p .555, Paris 1835).

Karl Kasper SIEBOLD (1736-1807) führte am 4. Februar 1778 die erste Beckendurchtrennung mit Knochendurchsägung in Deutschland aus.

 

Die vorgestellte Säge hat eine Kettenlänge von 30 cm und Griffe aus Metall (die Chromierung ist grösstenteils abgeblättert), dürfte also nach 1900 benutzt worden sein, da ältere Modelle eher Griffe aus Elfenbein oder aus Ebenholz besassen. Herkunft des Objektes: Luzy-sur-Marne in der Region Champagne-Ardenne.

 

Nota: preiswerter war um 1900 allemal die Drahtsäge nach GIGLI, die 1897 das Dutzend für 3 Reichsmark zu haben war (siehe Gigli-Säge 2).

  

 

Weiterentwicklung

1830 verwendete der aus dem Schwarzwald stammende und in Würzburg praktizierende Arzt Bernhard HEINE (1800-1846) das technische Prinzip der Kettensäge, verlegte die Schneidezähne jedoch auf die Aussenkante und liess die Innenkante der Kette, die er zu einer Endloskette zusammenfügte, über eine Schiene laufen.  Mit diesem "Osteotom" sägte er Knochen. Heute werden damit Baumriesen gefällt ... womit wir wieder beim Schwarzwald angekommen wären!

 

Lit.:


- Skippen M, Kirkup J, Maxton RM, McDonald SW., The chain saw, a Scottish invention, in: Scott Med J. 2004 May;49(2):72-5.


- Johnson, Robert Scott JD; Sippo, Dorothy A. MD; Swan, Kenneth G. MD, The Flexible Chain Saw During the American Civil War, in: Journal of Trauma-Injury Infection & Critical Care: August 2010 - Volume 69, S. 455-458


- John Kirkup, John Aitken's chain saw, in: J Med Biogr.2009; 17:80


- Mark Skippen, John Kirkup, Ronald M. Maxton, Stuart W. McDonald, The Chain Saw – A Scottish Invention, in: SMJ 2004 49(2): 57-60

Chirurgie


Gigli-Säge (2)

GIGLI-Säge 2
 

Leonardo GIGLI (1863-1908), damals Assistent an der Breslau'er Klinik unter FRITSCH und MIKULICZ, gab 1894 die [später nach ihm benannte] Säge an, eine Drahtsäge mit gedoppeltem u. in sich verwendeltem bzw. vierfach geflochtenem Stahldraht. Sie wurde benutzt zur weichteilschonenden Knochen- durchtrennung (Osteotomie) durch Sägen „von innen nach außen“ (z.B. bei Schädeltrepanation). "In spite of the recent introduction of craniotomes in neurosurgical practice, the simple but brilliant wire saw invented by Leonardo GIGLI still holds an important place in neurosurgical instrumentation. Born in Florence in 1863, Gigli was forced by circumstances to leave Italy soon after getting his medical degree. He first spent 2 years attending the most celebrated obstetrical clinics in Paris and London and then, in 1892, moved to Breslau where he worked with FRITSCH and MIKULICZ. During this successful and rewarding period, Gigli proposed the lateralized pubiotomy (Gigli's operation) for safe delivery in cases of maternal pelvic deformities and, inspired by the sight of a jagged knife during a country banquet, conceived his wire saw to simplify the procedure. In 1894, at Professor OBALINSKI's suggestion, he successfully tested a modified saw type with a whalebone guide for the preparation of osteoplastic cranial flaps. In spite of his great popularity and the high esteem in which he was held abroad, GIGLI's aims were systematically belittled in Italy, where he never qualified for a university teaching position. He died in 1908, at age 44. Although the once celebrated Gigli's operation has merely historical interest today, the favorable features of his wire saw make it a safe and efficient tool in the hands of twentieth-century neurosurgeons worldwide." (Brunori A, Bruni P, Greco R, Giuffre R, Chiappetta F., Celebrating the centennial (1894-1994): Leonardo Gigli and his wire saw. J Neurosurg. 1995 Jun;82(6):1086-90). GIGLI erntete im Ausland viel Lob und Anerkennung, in Florenz wurde er zunächst nicht einmal zum Privatdozenten zugelassen. Erst auf Veranlassung von Prof. BOSSI wurde er 1907 in diese Stellung gehoben (Zbl.Gyn. 1907 nr.51 S. 1577). In der Geburtshilfe dient(e) die GIGLI-Säge - wie zu Zeiten von AITKEN - zur Durchtrennung der Schambeinäste, wurde aber nach dem 2. Weltkrieg weitgehend durch den Kaiserschnitt abgelöst.

Chirurgie


Gipsschere n. STILLE

 

 

Schon seit prähistorischer Zeit sind hölzerne Schienen bekannt in Verbund mit anderen aushärtenden Materialien, wie z.B. Lehm oder Ton. Angeblich war der aushärtende Verband schon dem grossen mittel- alterlichen Chirurgen RHAZES bekannt - er beschrieb Verbände aus Lehm mit beigemischtem Eiweiss, die er nicht nur beschrieb, sondern auch einsetzte. Die Haltbarkeit dieser Materialien ließ allerdings zu wünschen übrig.

 

1773 berichtete der britische Diplomat Eaton von einem Verband, den türkische Chirurgen in Konstantinopel anlegten: Schienen aus Holz, die mit Maurergips gebunden wurden.

 

Als Zeuge der letzten grossen Gefechte Napoleon's, war Louis Joseph Ghislain SEUTIN (1793-1862) aus Nivelles, "chirurgien aide-major" bei ber "Grande Armée", entsetzt über die barbarische Versorgung der Frakturen an Arm und Bein. 1835 entwickelte er einen Verband aus Leinenbinden, um die Frakturen ruhigzustellen. Die Verbände bestanden aus Schienen und Stärke, daher der Name "bandages amidonnés", und benötigten ganze zwei Tage zur Trocknung - was insbesondere für Soldaten während der Schlacht ungeeignet war. 1845 entwickelte der Berliner Chirurg Johann Friedrich DIEFFENBACH (1792-1847), der Schöpfer der plastischen Chirurgie, sein "plâtre coulé". DIEFFENBACH war zunächst Arzt an der Charité und wurde dann Direktor des Universitätsklinikums in der Ziegelstraße.

 

Der niederländische Armee-Chirurg Antonius MATHIJSEN (1805-1878) entschied sich für eine Kombination von Baumwolle und Gips: der Verband war billig (in der Holländiscdhen Armee ein gewichtiges Argument!), die Verbände ließen sich leicht anlegen und wieder abnehmen, blieben aber gut am Arm oder Bein haften, trockneten schnell und waren außerdem so stabil, daß die Wanddicke und damit das Gewicht relativ niedrig bleiben konnten: MATHIJSEN entwickelte 1851 Vorläufer der heutigen Gipsbandagen, indem er pulverisierten Gips auf eine Bandage streute, die als Trägermaterial fungierte. 1852 ging MATHIJSEN mit seiner Erfindung an die Öffentlichkeit und schon bald trat der Gips seinen Siegeszug in der zivilen Medizin an. Antonius MATHIJSEN wurde am 4.11.1805 in Budel geboren als Sohn des Chirurgen Ludovicus Hermanus (Lodewijk Herman) MATHIJSEN und dessen Gattin Petronella Bogaers. Studium in Brüssel, Schiffs-Chirurg bei der niederländischen Kriegsmarine. In den Niederlanden, wo man auf den Erfinder des Gipsverbandes mächtig stolz ist, gibt es neuerdings eine Ausbildung zum klinischen "Gipsmeister". Dabei übersehen sie, dass MATHIJSEN in Hamont-Achel in Belgien starb (Stele daselbst in Achel im nördlichen Limburg): die Niederlande ehrten MATHIJSEN 1941 mit einer Briefmarke.


1930 brachte die Fa. Lohmann die erste fixierte Textil-Gipsbinde, die "Cellona-Binde" in den Handel.

 

Gipsscheren

Wie aber die steinharten Verbände wieder entfernen, ohne den Patienten zu gefährden? 1856 gab der Belgier SEUTIN ein Gerät an zum Spalten der Verbände. Der schwedische Instrumenbauer Albert STILLE (1814-1893) ersann 1875 eine äusserst robuste Schere mit einem Schiebemechanismus, der den Verband nicht nur kneift, sondern - in Papageienart - durchsägt, indem die beiden Branchen sich gegeneinander verschieben. "Gipsschneidezange n. Stille", "cisailles à plâtre de Stille" frz., "Stille plaster shears" engl.

 

Die vorgestellte Schere aus den 50er Jahren stammt aus dem Fundus des luxemburger Chirurgen Roger FROMES (1924-1998), dessen Name auf dem Instrument eingraviert ist.

 

Lit.:
Mathijsen A. Nieuwe Wijze van Aanwending van het Gips-Verband bij Beenbreuken. Haarlem: J.B. van Loghem; 1852.

Chirurgie


Goniometer

 

Vorgestellt wird ein Goniometer (Winkelmessinstrument) zur Nachmessung von geheilten Frakturen mit Gradbogen. Material: Stahl, Maße: B: 5 cm, L: 19 cm. Hersteller: Aesculap in Tuttlingen, 2. Drittel 20. Jahrhundert.

Nota: das gleiche Instrument befindet sich im Fundus der Medizin- und Pharmaziehistorischen Sammlung der Uni Kiel, Inventarnummer: 2005-041-029.

Unser Instrument stammt aus dem Nachlass des Arztes Roger GLAESENER, der gutachterlich tätig war für verschiedene Krankenkassen (Kommunalbeamten- Eisenbahnerkassen) ...