Chirurgie


Pulverbläser n. GERSUNY

Pulverblaser n. GERSUNY
 

Robert GERSUNY (1844-1924) war ein österreichischer Chirurg. Er gilt als der Erfinder der Paraffineinspritzungen, mit welchen er „subkutane Prothesen“ erzeugte, die in Verlust geratene Gewebsbestandteile ersetzten. Zu diesem Zweck spritzte er einen vielfach zu Salben verwendeten Stoff, das Vaseline, unter die Haut und beobachtete, dass die eingespritzte Masse, wenn man sie einige Zeit unberührt ließ, reizlos an Ort und Stelle blieb, ohne vom Körper in erheblicher Weise aufgesaugt zu werden. Die Tatsache, dass an der äußeren Haut kaum Spuren zurückblieben, veranlassten ihn, die Methode bei einer ganzen Reihe von verschiedenen Erkrankungsformen anzuwenden, bei denen es sich meistens darum handelte, den Verlust von Gewebsbestandteilen zu verdecken. Dies war jedoch ein folgenschwerer Fehler, denn in den nächsten Jahrzehnten stellte es sich heraus, dass die Injektion von Paraffinen in sehr vielen Fällen zu Lipogranulomen führen kann.

 

 

"Pulverförmige Mittel werden am zweckmässigsten mit einem Pulverbläser in das Ohr hineingeblasen. Unter den hiezu verwendbaren Instrumenten scheint mir der nachfolgend abgebildete Pulverbläser (Fig. 30) am handlichsten zu sein, der nach dem von Mosetig und Wölfler angegebenen Pulverbläser von Gersuny modificirt wurde. Zum Zwecke der Ohrenbehandlung liess ich den Pulverbläser so richten, dass dessen Handhabung bei rechtwinkelig vom Pulverraume abstehender Rohre möglich ist" (Victor Urbantschitsch, Lehrbuch der Ohrenheilkunde, Verlag Urban & Schwarzenberg, Berlin, Wien 1901).

 

 

Exponat

Pulverbläser n. GERSUNY mit bajonettartiger Kanüle, aus dem Fundus eines Haller Allgemeinpraktikers (Flohmarkt Hafen in Innsbruck, 9/2018). Auf dem Glaszylinder klebt ein Etikett mit dem handschriftlichen Text "Dermatol". Der Gummiballon fehlte beim Kauf und wurde für die Aufnahme mittels eines kleinen Plastikballs nachgeformt.

 

Abbildungen im

- Katalog der "Österreichisch-Englischen Gummiwaren-Fabriksniederlage Gustav Berger, Wien IX, Kolingasse 4 (1909, S.2, Fig.8).

- Waldek & Wagner. Preisbuch über chirurgische und medizinische Instrumente und Behelfe, Bandagen, orthopädische Maschinen und künstliche Extremitäten, Verbandstoffe, Apparate zur Pflege und Erleichterung für Kranke. (1905 S.93, Fig.1483).

 

Zum Dermatol

"Ein neues Wundheilmittel, welches das Jodoform ersetzen soll, ist von zwei Breslauer Forschern, den Herren Dr. Liebrecht und Heinz vor Kurzem entdeckt worden. Es ist das Dermatol, ein wismuthhaltiger Körper, welcher, wie das Jodoform, in Form eines feinen gelben Pulvers dargestellt wird. Während aber das Jodoform bekanntlich einen für die meisten Leute ganz unerträglichen penetranten Geruch hat, der sich schon auf weite Entfernungen hin bemerkbar macht, ist das Dermatol völlig geruchlos. Außerdem ist es, ebenfalls im Gegensatz zu seinem Vorgänger, durchaus ungiftig; dabei wirkt es stark antiseptisch (fäulnißwidrig), stellt also ein ganz vorzügliches Wundheilmittel dar, und ist wegen seiner gleichzeitigen austrocknenden Wirkung auch in allen den Fällen, wo es sich um nässende Ausschläge, Brandwunden, Geschwürflächen und dergleichen handelt, mit bestem Erfolge zu verwenden. Der bekannte Breslauer Frauenarzt Professor Fritsch hat mit dem Dermatol bei frischen wie bei älteren Wunden bereits ausgezeichnete Resultate erzielt" (Marburger Zeitung, 12. Juli 1891).

 

"Das Dermatol ist ein saffrangelbes, geruchloses, so gut wie geschmackloses, spec. schweres, feuchtes, blaues Lackmuspapier schwach röthendes Pulver. Es ist unlöslich in Wasser, Weingeist und Aether, desgleichen in verdünnten Säuren. Concentrirte Salzsäure verändert es rasch in Wismuthchlorid, verdünnte Schwefelsäure löst es beim Erwärmen auf. Salpetersäure wirkt in der Kälte nur wenig ein, in der Wärme erfolgt Lösung der Verbindung unter lebhafter Entwickelung von Stickstoffoxyden. Ammoniak wirkt in der Kälte sehr wenig ein. Natronlauge löst das Dermatol mit Leichtigkeit und ohne Abscheidung von Wismuthhydroxyd auf, die ursprüngliche gelbe Lösung wird durch Aufnahme von Sauerstoff aus der Luft sehr bald roth. Durch Schwefelwasserstoff, ebenso durch Schwefelammonium wird das Salz unter Abscheidung von Wismuthsulfid zersetzt. Es wird weder durch Luft noch durch Licht, noch auch durch eine Temperatur von 100° zersetzt, auch ist es nicht hygroskopisch. Die Prüfung hat nachfolgende Verunreinigungen zu berücksichtigen: 1. Freie Gallussäure: 1 gr des Präparates darf beim Extrahiren mit Alkohol oder Aether keine Gallussäure an diese abgeben; 2. 0,5 gr lösen sich in 5 ccm Natronlauge klar auf; andere Wismuthsalze würden Fällung von Wismuthhydroxyd geben. 3. 1 gr wird im Porzellantiegel geglüht, der Rückstand in verdünnter Schwefelsäure gelöst und im Marsh’schen Apparat auf Arsen geprüft. 4. Man löse ein Körnchen Diphenylamin in 5 ccm concentrirter Schwefelsäure, andererseits 0,5 gr Dermatol in 3 ccm verdünnter Schwefelsäure; die letztere Lösung füge man vorsichtig der ersteren zu; es darf keine sofortige Blaufärbung erfolgen, anderenfalls enthält das Dermatol Salpetersäure (in Form von basischem Wismuthnitrat). Zur Bestimmung des Wismuthoxydgehaltes, welcher theorethisch 56,66 Prozent Bi2O2 (- 50,84 Prozent Bi) betragen soll, glüht man 0,5 gr des Präparates in einem Porzellantiegel, löst den Rückstand in concentrirter Salpetersäure, dampft zur Trockene ein und glüht bis zum constanten Gewicht.. Es müssen mindestens 0,276 gr Bi2O2 (- 55 Prozent) hinterbleiben" (Drogistenzeitung, 20. Juli 1891).

 

"Dermatol hat sich im Gegensatz zu so vielen anderen neuen Mitteln rasch einen dauernden Platz in der ärztlichen Praxis erworben. Ungefähr 40 wissenschaftliche Arbeiten betonen in gleichmäßiger Weise die Vorzüge des Dermatols als ungiftigen, geruch- und reizlosen, äußerst handlichen, austrocknenden Mittels. Es eignet sich hiernach einmal als Wundheilmittel, dann als Streupulver für die verschiedenen nässenden Hautaffektionen. Das Dermatol kann wegen seiner allseitig anerkannten Ungiftigkeit dem Publikum ohne Gefahr als Hausmittel in die Hand gegeben werden. Um ein billiges Präparat zu liefern, bringen die Farbwerke vorm. Meister Lucius u. Brüning, Höchst a.M., ein "Dermatolstreupulver" in den Handel, welches 20 Perzent Dermatol enthält. Eignet sich das reine Dermatol mehr für frische Wunden, für Schnitt-, Quetsch-, und Brandwunden u.s.w., so leistet das "Dermatolstreupulver" ganz dieselben Dienste bei Hautabschürfungen, nässenden Stellen, Wundsein der Frauen und Kinder, Wolf, Fußschweiß u.s.w. Alle diese so zahlreichen kleinen Leiden bringt das Dermatol vermöge seiner eminent austrocknenden Wirkung in kürzester Zeit zur Heilung. Aus all diesen Gründen eignet sich Dermantol-streupulver in hervorragender Weise als ein werthvolles Hausmittel. Es ist in allen Apotheken und Droguerien erhältlich" (Bregenzer/Vorarlberger Tagblatt, 28. März 1893).