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Ohrspritze (6)

Bakelite-Spritze mit Lederstempel und Metallansatz 




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Ohrspritze (7)

 

 

In Harnham bei Salisbury wurde in einem bronzezeitlichen Frauengrab ein Ohrlöffel gefunden (Moriz Heyne, Körperpflege und Kleidung bei den Deutschen. Verlag Verone 2017 S.89).

 

Gingen die Römer ins Bad, trugen auch sie ein Ohrlöffelchen bei sich.

 

Funde aus der Wikinger-Stadt Birka im schwedischen Mälarsee und andern Wikingersiedlungen belegen, daß Wickingerfrauen einen – oft kunstvoll bziselierten – Ohrlöffel als unverzichtbarer Bestandteil ihrer Tracht mit sich trugen. Der Löffel wurde an einer langen Kette oder einem Lederband an der Schalenfibel der Frauengewandung befestigt und hing von dort auf Gürtelhöhe herab.

 

Arme Leute besorgten die Reinigung der Ohren zum Nulltarif, puhlten lieber mit dem kleinen Finger im Ohrkanal, was diesem Finger den lateinischen Namen "digitus auricularis" einbrachte. 1710 hieß es im "Corporis Humani Anatomiae Liber Primus" des flämischen Chirurgen und Anatomen Philipp VERHEYEN (1648-1710): "Quintus Auricularis, quia cum minimum sit, auribus expurgandis est aptissimus" – der 5. Finger eignet sich, da er sehr klein ist, zum Putzen der Ohren".

 

Im späten 18. Jahrhundert – auf dem Höhepunkt der höfischen Kultur, galt dieses Puhlen als un-chic: "Der fünfte und letzte Finger an der Hand eies Menschen, er führt den Beynamen auricularis, weil man sich die Ohren damit zu reinigen pflegt. Da aber diese Reinigung in gesitteten Gesellschaften nicht für anständig gehalten wird, so hört man auch diesen Finger lieber den "kleinen Finger", als den "Ohrenfinger" nennen" (Philipp-Andreas Nemnich, Allgemeines Polyglotten-Lexicon der Naturgeschichte 1793).

 

Exponat

Aus dem Nachlass des Arztes Roger GLAESENER stammt diese moderne Ganzmetall-Ohrspritze mit Dreigriffring und Paraboltrichter (von der Fa. als "Schutzteller" bezeichnet), der ein Bespritzen des Arztes verhindern soll ...


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Ohrspritze (8)

P1040008
 

 

Exponat

Aus Zürich kommt diese Glasspritze mit ihrer gläsernen Kolbenstange und Kolbenstempel aus Watte.

 

Von dieser Stelle ein Dankeschön an Frau In Albon.

 

Zum Ohrschmalz

Luxemburgisch: Ribbsom, Rübsamen … Der gleiche Vergleich findet sich wieder im Spruch "en huet Oueren ewéi Moueren oder et kënnt ee Ribbsom dra séinen" (man könnte Rübsamen hinein säen). 

Nota: Ohrenschmalz (Zerumen, Cerumen) ist eine gelb-bräunliche, fettige und bittere Absonderung der Ohrenschmalzdrüsen im äußeren Gehörgang. Neben der Galle ist Cerumen das einzige bitter schmeckende Sekret, das unser Körper produziert. Einer alten Mär zufolge wird es beim Sterbenden süss (Kurt Sprengel, Versuch einer pragmatischen Geschichte der Arzneykunde, Halle 1823 Bd.2 S.124). 

 

Im alten Griechenland war das Gleichgewicht der 4 Säfte wichtige Grundvorstellung der Heilkunde. Jeder der 4 Säfte wurde beurteilt, die Farbe des Urins, der Geruch des Blutes. In diesem Sinne trug auch Ohrschmalz zur Diagnostik bei: der Arzt steckte seinen Finger in das Ohr seines Patienten und leckte ihn dann ab. Der Geschmack gab wichtige Hinweise zum Wesen der vorliegenden Krankheit …

 

Im Mittelalter wurde Ohrenschmalz (lat. sordes aurium, mhd. orsmalz) zum Anmischen von Farben genutzt. So enthalten viele Kunstwerke Ohrenschmalz von deren Schöpfern! Interessanter ist der pharmakologische Nutzen des Ohrschmalzes: "Der Unflath der Ohren, so man Ohrenschmalz nennt, ist wie eine gelbe Salbe, welche sehr dienlich ist wider das Stechen der Nieren. Im warmen Wein eingenommen, ist es in der Kolik ein gewisses Mittel, äußerlich damit geschmiert, ist gut in Scorpionsbissen, heilet die Schrunden und Wunden der Haut. In dem Ohrenschmalz sind einige ölige, schwefelichte oder balsamische Sachen verborgen, selbigen gesammelt, mit Terpentinöl digerirt, ist eine heilsame Wundsalbe" (Andreas Glorez, Eröffnetes Wunderbuch, Regensburg und Stadtamhof 1700 S.76). Die wundheilende Wirkung beruht vermutlich auf den keimabtötenden Säuren. Für die Wirksamkeit bei Nierenkoliken fällt mir allerdings keine Erklärung ein ...

 

Um das Ohrenschmalz (meist völlig überflüssigerweise) zu entfernen, erfand der in Warschau/Polen geborene Amerikaner Leo GARTENZANG (1892-1973) im Jahre 1923 ein spezielles Wattestäbchen, dem er ab 1926 den Namen Q-Tip gab (von Q für Quality).

 

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Ohrtrichter n. v. Troeltsch

 

In der Antike vertrat Alkmaion (520–450 v. Chr.) die Auffassung, die Ziegen atmeten durch die Ohren. In der Volkskunde gilt das Ohr als eine der Leibesöffnungen, durch das die Seele sowie Dämonen aus- und eingehen können.

Als erster benutzte Guy de Chauliac (1330-1367) einen Ohrtrichter, um mit Hilfe des Sonnenlichtes Einblick in den äusseren Gehörgang zu bekommen.
Emil SIEGLE (1833-1900) gab 1864 einen Trichter an zur Inspektion des Trommelfells. Die heute üblichen Ohrtrichter verschiedener Größe, die auf Otoskope aufgesteckt werden, wurden in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelt und von Anton von Tröltsch ab 1860 bekannt gemacht

"Von manchen Ohrenärzten werden noch die von Wilde zuerst empfohlenen konischen Trichter henutzt, doch ist selbst Tröltsch, der sie in Deutschland eingeführt, schon längst zu der Anwendung der cylindrisch-konischen übergegangen. Die letzteren können bei Kindern und bei Verengerungen im äusseren Teil des Gehörganges nicht entbehrt werden.

Die Einführung des Trichters soll für den Patienten immer vollständig schmerzlos sein, abgesehen von Fällen von Entzündung des äusseren Gehörganges, wo dieselbe nur mit grosser Vorsicht anzuwenden ist. Sie wird folgendermassen vorgenommen. Die Ohrmuschel wird zwischen Ring- und Mittelfinger der linken Hand gefasst, nach hinten und aussen gezogen, der Ohrtrichter mit der rechten Hand eingeführt und mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand am Rande festgehalten. Wird nun beleuchtet, so kann man sich durch Verschiebung des Trichters nach unten, oben, hinten oder vorn die tieferliegenden Teile zur Anschauimg bringen. Durch diese Verschiebungen, nicht durch tieferes Einführen, können die verschiedenen Teile des Trommelfells und des äusseren Gehörganges zur Anschauung gebracht werden. Es ist dabei zu beachten, dass nicht mit dem äusseren Trichterende allein diese Verschiebungen ausgeführt werden, sondern dass der Trichter in seiner ganzen Länge gehoben und gesenkt wird und mit ihm der membranöse Teil des äusseren Gehörganges. Wird auf diese Weise verfahren, so wird dem Patienten durch die Untersuchung nie Schmerz verursacht werden" (Arthur Hartmann, Krankheiten des Ohres und deren Behandlung. Berlin 1889).

Die beiden hier vorgestellten Exemplare nach v. Troeltsch stammen aus der „Metzer Wunderkiste“, dürften also aus der Zeit um 1900 stammen. Die Fa. HARTMANN wirbt für ihr Produkt mit dem Hinweis "Die Ohrtrichter werden in einem aufwendigen Verfahren aus einem Stück Stahl gedreht. Hohlräume und potentielle Ablagerungs-möglichkeiten werden somit vermieden. Damit wird eine wesentlich effizientere Reinigung der Ohrtrichter möglich, welche vorher so nicht realisierbar war". Inzwischen gibts die Dinger bereits als Einweg-Trichter aus dunklem Kunststoff...




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Otoskop (1)

 

Der äußere Gehörgang und das Naseninnere sind für eine Inspektion oder operative Eingriffe ohne technische Hilfsmittel nur sehr beschränkt zugänglich und bieten in dieser Hinsicht ähnliche Probleme. Darum stützten sich die Instrumente zur Otoskopie und Rhinoskopie im Anfang auf ein einheitliches Prinzip. Es waren zangenförmige Spreizinstrumente, vergleichbar den heutigen Nasenspecula, wie sie besonders in der Wundarznei zum Inspizieren enger Wundkanäle schon früher entwickelt worden waren. Zangenförmige Specula: Die erste Beschreibung und bildliche Darstellung eines Ohren- und Nasenspekulums diesen Typus findet sich bei Guy de Chauliac 1363. Technisch ausgereifte Modelle wurden dann von Fabricius Hildanus 1646 und Perret 1772 vorgestellt. Kramer (1836) verbesserte das zangenförmige Instrument speziell für die Otoskopie und schuf so das in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts am weitesten verbreitete Ohrspekulum. Weitere Varianten dieses Typus stammten u.a. von Lincke und Schmalz (1846).

Trichterförmige Specula: Ignaz Gruber in Wien entwickelte die ersten nicht gespaltenen und nicht spreizbaren Ohrtrichter aus Metall. Sie hatten eine einfache konische Form. W. R. Wilde aus Dublin hatte diese Trichter 1844 bei Gruber kennengelernt und sie dann systematisch verbessert. Durch ihn und A. v. Tröltsch, der sie wiederum bei Wilde gesehen hatte, wurden sie international verbreitet. Eine andere, flaschenförmig geschwungene Trichterform geht auf Schmalz (1846) und Erhard (1859) zurück, wurde aber erst von Josef Gruber in Wien 1870 zu einem kommerziell verfügbaren Instrument entwickelt. Die heute gebräuchlichen Ohrtrichter sind von A. Hartmann in Berlin 1881 angegeben worden.

Spezielle Weiterentwicklungen: Eine wichtige Ergänzung der Hilfsmittel bei der Otoskopie, deren Bedeutung sofort erkannt wurde, war die Erfindung des pneumatischen Ohrtrichters durch E. Siegle 1864 in Stuttgart. Sie gestattete neben der Inspektion zugleich eine Prüfung der Beweglichkeit des Trommelfelles. Das Otoskop des englischen Militärarztes J. Brunton von 1862 verband zuerst in handlicher Anordnung Ohrtrichter verschiedener Größen mit einer Beleuchtung und Lupenvergrößerung. Es ist ein gedanklicher Vorläufer der heute von Allgemeinärzten und Kinderärzten bevorzugten Otoskope mit Batteriebetrieb. Diese kamen etwa ab 1928 in Gebrauch.

Der im schottischen Campbeltown / Kintyre geborene John BRUNTON (1836-1899) praktizierte ab 1860 in London als Chirurg und Geburtshelfer. Im Dezember 1865 beschrieb er in der angesehenen Zeitschrift Lancet ein besonders kompaktes Instrument, mit dem sowohl Sonnen- als auch Kerzenlicht zur Ausleuchtung des Gehörgangs genutzt werden konnte.

Bei dem Brunton'schen Spiegel ist der Ohrtrichter vermittelst einer Metallhülse mit einem reflektirenden Spiegel in Verbindung gebracht. Da dieser Spiegel nur die Besichtigung und nicht die gleichzeitige Einführung der Instrumente gestattet, kann bei Anwendung desselben weder eine gründliche Untersuchung, noch eine rationelle Behandlung vorgenommen werden.

Herkunft des vorgestellten Objektes: Cunewalde in der Oberlausitz/Deutschland.




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Otoskop (2)

um 1950 

Kommt es zum Auftreten der typischen Symptome einer Mittelohrentzündung wie stechende Schmerzen in den Ohren, Fieber oder gar eitrigem Ausfluss aus den Ohren, muss umgehend ein Arzt aufgesucht werden, der eine eindeutige Diagnose stellen kann. Im Rahmen der ärztlichen Untersuchung erfolgt zunächst eine Begutachtung des Trommelfells mit Hilfe der Otoskopie (Ohrenspiegelung).

Bei einer Mittelohrentzündung ist das Trommelfell vorgewölbt. Bei der Otoskopie überbrückt der Arzt zunächst die natürlichen Krümmungen des äußeren Gehörgangs mit Hilfe eines Ohrtrichters. Anschließend können dann der Gehörgang und das Trommelfell durch Einbringen von Licht begutachtet werden. Eine Mittelohrentzündung kann hierbei anhand einer Rötung und Vorwölbung des Trommelfells eindeutig erkannt werden. Daneben können auch mögliche Verletzungen des Trommelfells (Trommelfellperforation) und ein dadurch bedingter Austritt von Sekret erkannt werden.

Das Otoskop ist ein Gerät des Ohrenarztes zur Betrachtung und Untersuchung des äußeren Gehörganges einschließlich des Trommelfells (Otoskopie).

Moderne Geräte bestehen aus einem Handgriff, der eine Batterie oder einen Akkumulator enthält, einer Lichtquelle und einem Trichter, der in das Ohr eingeführt wird. Am vorderen Teil können verschiedene Ohrenspekula aufgesetzt werden. Es ist eines der Standardinstrumente des HNO-Arztes.

Zur Herstellerfirma:
"Gowllands is a UK manufacturer of precision optics and medical equipment. Established for over a century, they started as a specialist lens manufacturer and soon became a major supplier of optical equipment for medical professionals. It is interesting to note that antique examples of Gowllands otoscopes (still in full working order) trade at a premium amongst special interest medical equipment collectors.

Das hier vorgestellte Gerät stammt aus dem Nachlass des Hausaztes des Knaben-Erziehungsheimes Dreiborn.

Mein Dank an Frau Dr. BAUMANN.




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Rhinoskop (1) n. ITARD

Speculum für den Nasenraum 

 

 

Um das Innere der Nasengänge zu inspizieren, bedienst sich der HNO-Arzt eines feines Spekulums – des Rhinoskopes. Bei der Rhinoskopie durch die Nasenöffnung wird der Naseninnenraum des Patienten mit einem stabförmigen Gerät untersucht, mit dem sich die Nasenflügel spreizen lassen. Sichtbar werden dabei Polypen, Eiter, Schleimhautschwellungen, vergrößerte Nasenmuscheln, Schäden der Nasenscheidewand etc.

 

Die Rhinoskopie durch den Mund wird entweder mit einem kleinen Spiegel oder mit dem Lupenendoskop durchgeführt. Der Arzt blickt sozusagen von hinten in den Nasenrachenraum. Erkennbar sind Eiterstraßen (eitrige Schleimspur an der Rachenhinterwand), Polypen und vergrößerte Rachenmandeln. Je nachdem, in welchem Bereich des Nasenraumes Eiter fließt, kann der Arzt erkennen, welche Nebenhöhle von der Entzündung betroffen ist. Genauere Informationen liefert die Endoskopie.

 

 

ITARD

Jean Marc Gaspard ITARD (* 24. April 1774 in Oraison, Alpes-de-Haute-Provence; † 5. Juli 1838 in Paris-Passy) war ein französischer Arzt, Otologe und Taubstummenlehrer.

 

Exponat

Das hier vorgestellte Modell n. ITARD stammt aus der „Metzer Wunderkiste“, dürfte daher um 1900 hergestellt sein. Entworfen aber wurde es zu Beginn des 19. Jahrhunderts - ein frühes Spekulum, etwa zeitgleich mit demjenigen des Gynäkologen RÉCAMIER ...

 


Lit.:

Wolf und Christian Lübbers, Das Ohrspekulum nach Kramer, Urtyp aller Nasenspekula, in: HNO-Nachrichten 6·2007



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Rhinoskop (2) n. CHOLEWA

Rhinoskop (2) 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die vordere Rhinoskopie, die im Anfang gegenüber den Erfolgen der hinteren etwas zurücktrat, fand rege Pflege, nachdem John THUDICHUM (1829-1901), Simon DUPLAY (1836-1924) und Bernard FRAENKEL (1836-1911) gute Specula konstruiert hatten.

 

Hier eine deutsche Weiterentwicklung des ausgehenden 19. Jahrhunderts, ein - Dank einer Sperrvorrichtung - selbsthaltendes Spekulum:

Cholewa (Berlin), Ein neues Nasenspekulum, in: Deutsche med. Wochenschrift Vol n°14: 617-617 (1888) (cit.: The Journal of Laryngology and Rhynology Vol 2, Sept. 1888 S. 328). Erasmus Rudolph CHOLEWA (1845-1931), ein aus Schlesien stammender (siehe Deckblatt seiner Doktorarbeit) deutscher Arzt, promovierte 1869 in Halle mit einer Arbeit "Über Exostosen". Ein Tüftler: 1888 beschrieb er ein Nasenspeculum, 1905 eine Kanüle zur Ausspülung der Oberkieferhöhle.

 

Er schrieb: Herzschwäche und Nasenleiden, 1902 (mehrfach neu aufgelegt).

 

Vorgestellt wird sein Spekulum, markiert "5" (Grössenangabe), erstanden am 15.9.2013. Beachten Sie den viereckigen Ring: beim Öffnen des Speculums vor dem Gesicht des Patienten (Griff nach unten) rutscht er an den beiden Zahnstangen (frz. cremaillères) entlang tiefer und hält den Nasenspiegel (automatisch) in der neuen Position: diese Arrêtierung funktioniert folglich nur am sitzenden, nicht am liegenden Patienten ...
"Nasal speculum. Nickel-plated brass bivalve speculum has solid conical blades tapering to rounded distal ends; concave handles extend obliquely from proximal blade ends, hinge above midpoint and curve apart; single coil spring controls dilatation".

 

Lit.:
Wolf Lübbers, Zur Geschichte der Rhinoskopie, in: HNO-NACHRICHTEN (Heft 2), 2009 S. 2-3.

 

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Rolltasche eines HNO-Arztes

TrousseHNO
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von einem kanadischen Flohmarkt stammt diese Rolltasche eines (wohl verstorbenen) HNO-Arztes, dessen Name laut Aufdruck R.W. GARLICHS war. Ein Richard Walton GARLICHS war um 1923 in Missouri/USA geboren. später "Director of the hospital's department of oto-laryn}ology im Delaware County.

 

Von ihm finden wir im Internet folgende Veröffentlichungen:

- F C HOLLAND, R P CUSTER, J BUTCHER and R W GARLICHS, Olfactory Neuroepithelioma (Neuroblastoma), in: A.M.A. archives of otolaryngology, Published June 1st, 1959.

- RICHARD W. GARLICHS, M.D.; J. Q. GRIFFITH JR., M.D, Lymphatic Absorption From Auditory Bulla of the Rat with special reference to the lateral sinus, in: Arch Otolaryngol. 1942;36(2):226-231.

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Schlingenschnürer n. WILDE

Schlingenschnurer n. WILDE
 

"Wenngleich die Idee, die Polypen durch einen um sie herum gelegten Faden abzubinden, auf die Hippokratiker zurückgeführt werden muss, so ist der Gebrauch der Schlinge in der heute üblichen Weise doch verhältnismässig jungen Datums. Die erste Beschreibung einer solchen Vorrichtung habe ich bei William ROBERTSON gefunden, der dieselbe im Jahre 1805 abbildete und zur Beseitigung von Nasenpolypen warm empfahl. (..) Durch Modification desselben entstand später die Wilde'sche Ohrenschlinge, die den meisten Nasenpolypen-schlingen das Vorbild wurde. (..) Das erste Instrument von Wilde, das er in seiner Arbeit „Die Ursachen und Behandlung des Ohrenflusses" (Stralsund 1846) im Origin. Dublin Journ. of med. sc. 1844 Jan., S.37 ff. beschreibt und abbildet, war noch gerade; die jetzt allgemein gebräuchliche Knickung rührt, soviel ich habe finden können, von Wilde her und ist zuerst in seinen „praktischen Bemerkungen über Ohrenheilkunde", Göttingen 1855, S.64 u. 482, beschrieben worden. Wilde giebt selbst an, dass er das Princip seiner Schlinge dem Instrumente von Robertson entlehnt habe" (P. Heymann in: P. Bergengrün, Handbuch der Laryngologie und Rhinologie, Wien 1900 S. 837-838).

 

 

Polypen wurden seit jeher abgebunden, diejenigen der Gebärmutter ab dem 18./19. Jahrhundert mit dem Schlingenschnürer (frz. serre-noeud) n. Desault (1738-1795) oder Schreger (1766-1825), diejenigen in Nase und Ohr ab dem 19. Jahrhundert mit dem hier vorgestellten Instrument, von dem wir eine Abbildung im Katalog des Medicinischen Waarenhauses Berlin 1910 S.153 fanden (oben im Bild).

 

Benannt wurde das Gerät nach seinem Erfinder, dem irischen Chirurgen, Ophthalmologen und Otologen William Robert Wills WILDE (1815-1876), dem Vater des Schriftstellers Oscar Wilde (1854-1900).

 

Seine Anwendung wird wie folgt beschrieben:

"Therapie. Das schnellste Verfahren zur Heilung von Schleimpolypen ist die Abtragung mit dem durch v. Tröltsch in Deutschland allgemein bekannt gewordenen Wilde'schen Schlingenschnürer und sofort nachfolgender Galvanocauterisation des Wurzelrestes. Wegen der Schmerzhaftigkeit dieses combinirten Verfahrens ist es von vielen Patienten nicht ohne Narcose zu ertragen, es bietet aber dafür den Vortheil, dass auf diese Weise nicht selten mit einem einmaligen operativen Eingriff das Leiden gründlich und dauernd beseitigt werden kann. Viel schonender und bei einiger Geschicklichkeit fast ausnahmslos ohne Narcose, auch bei Kindern leicht ausführbar, ist das Abschnüren mit der Wilde'schen Polypenschlinge und erst am folgenden Tage begonnene Aetzen des Wurzelrestes mit Höllenstein, das nach jeder Abstossung des Aetzschorfes so lange wiederholt werden muss, bis keine Prominenz mehr erkennbar ist. Dazu sind häufig Wochen und Monate erforderlich. Die Vorzüglichkeit der Wilde'schen Schlinge wird bewiesen durch die Benutzung des gleichen Mechanismus für Polypen des Kehlkopfes und der Nase" (Hermann Schwartze, Die chirurgischen Krankheiten des Ohres, in: Deutsche Chirurgie, Verlag Enke Stuttgart 1885 S.218).

 

"Mit dem WiLDE'schen Instrumente lassen sich auf das Schonendste ohne Narcose unter Vermeidung jeder Nebenverletzung auch kleine, auf dem Trommelfell oder innerhalb der Paukenhöhle wurzelnde Polypen entfernen. Besteht bei letzteren nicht bereits ein grösserer Defect im Trommelfell zur Einführung der Schlinge, so kann die vorherige Spaltung des Trommelfells erforderlich sein. Zur Armirung des Schlingenschnürers habe ich im Laufe der Jahre der Reihe nach Silberdraht, Platindraht und ausgeglühten Stahldraht benutzt, und bin schliesslich beim Stahldraht geblieben" (E. Berthold, Lehrbuch der Ohrenheilkunde, Verlag von C.W. Vogel, 1893 S.723). Auch konnten mit der Wilde'schen Schlinge Hammer und Amboß extrahiert werden (S.772). Über die ungewöhnliche Extraktion eines Messingknopfes aus der Paukenhöhle mit Hilfe dieser Schlinge berichtete v. Tröltsch.

 

Exponat

Unser Schlingenschnürer stammt aus dem Nachlaß eines Arztes aus Hall und tauchte im September 2018 auf dem Flohmarkt am Innsbrucker Hafen auf …

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Stimmverstärker

 

Zu den gutartigen Veränderungen der Stimmbänder gehören Stimmbandknötchen oder Stimmbandpolypen. Die Polypen werden meist im Rahmen einer kleinen Operation entfernt. Diese Operation erfolgt mit Hilfe eines Endoskops, das - ähnlich wie bei der Nasenendoskopie - durch den Mund zum Kehlkopf vorgeschoben wird. An der Spitze des Endoskops befinden sich die notwendigen Operationsinstrumente.
 Der Polyp wird dabei entweder mit einer kleinen Zange von der Schleimhaut abgetrennt oder es kommt dafür ein Laser zum Einsatz.
Zu den bösartigen Veränderungen gehört der Kehlkopfkrebs oder das Lippenbandkarzinom. Die anatomisch-pathologische Erstbeschreibung eines bösartigen Kehlkopftumors geht auf Giovanni-Battista Morgagni (1682-1771) zurück, der 1732 einen entsprechenden Sektionsbericht verfasste. Stimmlippenkrebs kann es erforderlich machen, eine Stimmlippe operativ zu entfernen - erste Totalentfernung des Kehlkopfes im Jahre 1873 durch Billroth bei einem 36jährigen Mann mit einem Kehlkopfkarzinom (der Fall wurde durch Gussenbauer publiziert). 1886 berichtete Fränkel über die transoral vorgenommene Resektion eines frühen Stimmlippenkarzinoms.

Die Operation an den Stimmlippen (Stimmlippen-entfernung, Chordektomie) erfolgt in Vollnarkose, bisweilen genügt auch eine örtliche Betäubung. Der Zugang zu den Stimmlippen kann von außen oder von innen erfolgen.
- Bei der Operation von außen wird die Haut am Hals in Querrichtung eingeschnitten und der Schildknorpel in Längsrichtung durchtrennt. Die betroffene Stimmlippe kann dann unter einem OP-Mikroskop herausoperiert werden. Die beiden Seitenteile des Schildknorpels (Flügel) werden im Anschluss wieder zusammengefügt.
- Die Operation von innen erfolgt durch den Mund. Ein optisches Gerät (Laryngoskop) wird in den Kehlkopf vorgeschoben, so dass ebenfalls unter Vergrößerung die jeweilige Stimmlippe mit mechanischen Instrumenten oder mit Laser herausgetrennt werden kann.

Ein historisches Beispiel eines Eingriffes an den Stimmbändern
Gaius Aurelius Valerius Diokletian (243-313/316), römischer Kaiser von 284–305, war an Kehlkopf- resp. Zungenkrebs "Verjauchung der Zunge und des Rachens" erkrankt - eine Therapie gab es damals noch nicht. Im Sommer 1903 klagte Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) über Heiserkeit - Panik! War doch Kaiser Friedrich III 1888 nach "Heiserkeit" an einem Kehlkopfkarzinom gestorben! In England war Prinz Alfred (1844-1900), der zweitälteste Sohn von Queen Victoria und Prinz Albert, 1900 an Kehlkopfkrebs gestorben! Der junge Laryngologe Gustav SPIESS (1862-1948) wurde aus Frankfurt nach Potsdam gerufen, zunächst in Vertretung seines Lehrers Prof. Moritz SCHMIDT, um den hohen Patienten zu untersuchen - und dann als bravureuser Operateur zu fungieren: am 7. November 1903 unterzog sich der Kaiser einer Stimmlippenoperation. Der Eingriff erfolgte ohne Komplikationen, es handelte sich um einen gutartigen Stimmbandpolypen und nicht, wie der Kaiser befürchtet hatte, um ein Karzinom ...

Es versteht sich von sebst, dass diese Stimmverstärker nicht nur von Kranken, sondern auch von Lehrern, Trainern, Museumsführern benutzt werdn können.

Vorgestellt wird ein zur Verstärkung der Flüstersprache (eines Stimmlippenoperierten) benutzter Stimmverstärker (frz. amplificateur de voix) der Fa. Hassheider Medizintechnik. Das Gerät wurde im Dezember 1983 bei der Fa. Laryngomed France in Stiring-Wendel / département Moselle erworben. Geschenk von Frau Wynne Williams.




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Tonsillotom n. MATHIEU (1)

um 1900

 

 

Die Entfernung der Mandeln gehörte schon um die Jahrhundertwende zu den Standardeingriffen der Chirurgie. Da die Möglichkeiten der Anaesthesie noch sehr begrenzt waren, musste der Eingriff möglichst schnell erfolgen. So erklärt sich die Entwicklung komplexer Geräte, bei denen die Entfernung der entzündeten und geschwollenen Mandel blitzschnell in einem einzigen Arbeitsgang erfolgen konnte.

 

Dass dennoch gar mancher versuchte, sich an der Operation vorbeizumogeln, beweist der Fall des Komponisten Georges Bizet (1838-1875). Sein früher Tod war nach Auffassung seriöser Biografen die Folge einer Angina tonsillaris mit Endo-Myokarditis. Einen tragischen Akzent erhält der „Fall Bizet" dadurch, daß der an rezidivierenden Anginen leidende Komponist sich aus panischer Angst vor einer Operation nicht zu einer Tonsillektomie hat durchringen können, obwohl ihm die behandelnden Ärzte dies immer wieder dringend geraten hatten. Eine Tonsillektomie, die zwar in der damaligen Zeit wegen unzureichender Operationstechniken mit häufigen Blutungskomplikationen nicht ungefährlich war, hätte Bizet mit Sicherheit vor diesem Ausgang der primären Erkrankung bewahren können (zit. Dr. Dieter Leithäuser, Warburg).

 

Schon Samuel D. GROSS und Wilhelm FAHNESTOCK, beide aus Philadelphia, hatten um 1828 guillotineartige Tonsillotome angegeben, die in der Folgezeit eifrig weiterentwickelt wurden.

"Die Tonsillotomie (Gaumenmandelkappung) war in der Praxis unserer Väter und Großväter bis etwa zum Ende des zweiten Weltkrieges eine gängige Operationsmethode. Indikation war die exzessive Mandelhyperplasie mit Atmung- oder Schluckproblemen. Als Instrumentarium wurde die Guillotine nach Guersant-Fahnestock verbreitet angewendet. Noch in der dritten Auflage der „Operationen an Nase, Mund und Hals“ von A. Seiffert, erschienen 1947, ist diese Technik der Tonsillotomie beschrieben und das Instrument abgebildet. Ein zweites Verfahren, das nach Sluder, hielt sich länger, wohl weil das Ergebnis im Idealfall einer klassischen Tonsillektomie (TE) nahekommen konnte. Ich erinnere mich, daß Professor Mittermaier, Ordinarius in Marburg bis 1956 und danach in Frankfurt a.M., dieses Verfahren noch gerne angewendet hat. Denecke hat es im Operations-Handbuch „Die Oto-rhinolaryngologischen Operationen im Mund und Halsbereich“ noch 1980 beschrieben.
Warum geriet die chirurgische Tonsillotomie (TO) ins Verdikt? Infolge der intratonsillären Vernarbung befürchtete man eine Obliteration von Tonsillenkrypten mit nachfolgender Sekretstauung und Neigung zu intra- und paratonsillärer Abszeßbildung. Hinzu kam – und darauf wird heute kaum noch eingegangen – die Furcht vor der Entstehung eines tonsillären Focus, war doch die Herdlehre damals allgemein anerkannt (Literatur bei Falk und Maurer 1963). So haben wir Alle nur die extrakapsuläre TE gelernt. Etwa seit zehn Jahren gibt es aber wieder Versuche, die TO neu zu beleben. Im Internet fand ich 28 Publikationen zum Thema, u.a. aus Schweden, England und den U.S.A. In Deutschland hat sich Scherer mit seinem Berliner Team zum Vorreiter gemacht" (Prof.Dr. Horst Ganz, Marburg. 2005).

 

 

Exponat

Zu den raffiniertesten Operationsinstrumenten der Jahrhundertwende gehörte das Tonsillotom des Pariser Fabrikanten MATHIEU, das die Fixierung, das Hocheben und die Excision der Mandeln in einem einzigen Handgriff vereinte. Anschaffungspreis 1910: 15,5 Mark.

Das hier gezeigte "Amygdalotom" nach MATHIEU wurde in 4 verschiedenen Grössen geliefert, hier die Grösse 3. Im September 2018 konnte ich die N°2 und 4 auf einem Trödelmarkt in München / Olympiapark dazufinden.

Die Tonsillotome nach BAGINSKY, BAGINSKY-ROSENSTEIN, LAVOYENNE und MACKENZIE arbeiteten nach dem gleichen Prinzip, waren aber z.T. robuster, indem der empfindliche Schneidring durch einen scharfen Schieber ersetzt war.


© 2008 Dr. André Kugener