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Tonsillotom n. MATHIEU (2)

 

 

Aus dem Nachlass des Arztes Camille GLAESENER stammt dieses Tonsillotom in seiner Original-holzschatulle mit Austauschmessern. Oft scheint der Arzt die "Guillotine" nicht benutzt zu haben - war auch besser so, dafür gibt es ja Fachärzte ...


 

Ein gefährliches Instrument

"Wien, 4. September. (Die Zunge herausgeschnitten) Der Arzt Dr. Fritz G., hatte sich wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit zu verantworten. Der neunjährigen Erna Foinley sollten am 10. März die Mandeln entfernt werden. Der Eingriff dauerte ungewöhnlich lange. Nach eineinhalb Stunden wurde das Kind blutüberströmt aus dem Operationssaal gebracht. Es mußte durch längere Zeit in Behandlung bleiben. Die Zunge hing nur mehr wie an einem Faden. Der Arzt erklärte den Eltern, daß sich die Kleine die Zunge selbst abgebissen habe. Nach einigen Tagen erhielten die Eltern einen anonymen Brief, in dem ihnen mitgeteilt wurde, daß das Kind sich die Zunge nicht abgebissen habe, sondern daß sie von dem Arzt aus Unachtsamkeit abgeschnitten worden sei. Die Kleine wird zeitlebens  einen Sprachfehler haben. Der angeklagte Arzt bekannte, daß er die Zunge nicht absichtlich abgeschnitten habe. Seit sieben Jahren arbeite er als Arzt an der Klinik" (Salzburger Volksblatt, 4. Sept. 1936).

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Untersuchungsstuhl

Untersuchungsstuhl Dr. MEIERS 

Der in Ettelbrück etablierte Augen- und HNO-Arzt Jean-Joseph MEIERS (1898-1992) schaffte bei seiner Niederlassung 1925 diesen einfachen Stuhl an.


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Vernebler n. SIEGLE

 

 

"Die Listersche antiseptische Operationamethode war kaum erfunden, als schon Herr Dr. Nik. Metzler, Esch-Alzette über seine ersten erfolgreichen Operationen in Carbolspray berichten konnte. Nun konnten auch die früher mit einer erschreckenden Mortalität belasteten Laparatomien (Operation im Bauchraum) relativ gefahrlos ausgeführt werden, und Herr Dr. Klein und Dr. Grechen berichten in der Mitte der 80er Jahren über die ersten in Luxemburg erfolgreich ausgeführten Bauchoperationen" (zit. Dr.J.F., in: Escher Tageblatt vom 18.12.1937).

"L'appareil de Lucas Championnière (un chirurgien) est un pulvérisateur. Il fonctionne avec une petite bouilloire. La vapeur produite fuse par la buse aspire le contenu du réservoir et le projette sous forme d'un brouillard. D'abord conçu pour traiter les plaies et les blessures, il a été occasionnellement utilisé pour pulvériser des huiles essentielles ou des solutions sédatives". Vorgestellt wird ein derartiger Inhalationsapparat nach Just LUCAS-CHAMPIONNIERE (1843-1913) mit Federventil und Metallwinkel, auf ovalem Fuss, mit Holzgriff und festsitzendem Mundgals, erstanden 4/2001 auf dem Flohmarkt in Arlon. Weissblech. (Originalpreis 21 RM).

 

Als Weiterentwicklung des Lister'schen Carbolzerstäubers finden wir kleine handliche Geräte zum Zerstäuben von Desinfektionsmitteln im häuslichen Milieu, z.B. bei Diphtherie.

 

Exponat

"Dr Siegle's steam-powered inhaler, invented in Stuttgart in 1864, was manufactured in England by Krohne & Sesemann from 1871". Inhalationsapparat mit Federventil und Metallwinkel, auf ovalem Fuss, mit Holzgriff und festsitzendem Mundgals, erstanden 4/2001 auf dem Flohmarkt in Arlon. Weissblech. (Originalpreis 21 RM). Ein ähnliches Gerät wurde geliefert, ohne Ventil, mit Korkverschluss (Originalpreis 18,30 RM). Katalog der "Thüringer Glasinstrumenten-Fabrik" S. 120/121.

 

Das gleiche Modell wird auch als OHKAWA's inhalor bezeichnet.

(www.t3.rim.or.jp/~lisalabo/Museum/Museum.html).

 

Zum Erfinder

Siegle, Emil, geb. 2. Juli 1833 in Scheer a.d. Donau, studierte in Pisa, Tübingen, Wien und Paris, wurde 1862 promoviert. Er war seit diesem Jahre prakt. Arzt und Spezialarzt für Hals- und Ohrenleiden in Stuttgart, auch königl. württ. Hofrat. Er erfand einen Dampfinhalationsapparat (1864) und den pneumat. Ohrtrichter (1864).

Er erfand einen Dampfinhalationsapparat (1864) und den pneumat. Ohrtrichter (1864).

Er schrieb: Die Behandlung der Hals- und Lungenleiden mit Inhalationen, 1864; 3. Aufl. 1869.

 

 

Die Wirksubstanz wird in Wasser gelöst oder als Suspension in einem Behälter des Verneblers gegeben und über 5-10 Minuten lang inhaliert. Die Inhalation kann mittels Maske oder Mundstück erfolgen, wobei die Mundatmung vorzuziehen ist, da die Nase zuviel Wirksubstanz herausfiltern würde.
In Kliniken werden Medikamentenvernebler zur dosierten Verabreichung von Aerosolen verwendet. Eine ausgewogene Nebelmenge, hohe Nebeldichte und ein wirksames Teilchenspektrum von 0.5 – 7µ garantieren eine effiziente Behandlung der Atemwege und Atmungsorgane. Ein spezielles Ventil zur Verneblungsunterbrechung sorgt für sparsamen Medikamentenverbrauch. Der Anschluss der Medikamentenvernebler kann wahlweise in Kombination mit dem entsprechenden Stecker mit Absperrventil über die zentrale Sauerstoff- oder Druckluftversorgungsanlage erfolgen.

Heutzutage werden eher Ultraschallvernebler angewandt.


Randbemerkung
Auf LUCAS-CHAMPIONNIERE stossen wir ganz unvermutet in der "Illustrierten Geschichte der Medizin" von R. Toellner (Bd. 1 S. 45) als "Experimentator" in Sachen Trepanation bei den Kabylen. Er schrieb:
- Les origines de la trépanation décompressive. Trépanation néolithique, trépanation pré-colombienne, trépanation des Kabyles, trépanation traditionnelle. Avec 32 figures. Paris : Steinheil, 1912. 

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Watteschraube

Watteschraube 3
 

Für den HNO-Arzt wurde dieser Tamponträger entwickelt, "Watteschraube" genannt.

(Katalog Medizinisches Waarenhaus AG Berlin, 1910 S.163).

 

 

Exponat

Porte-tampon de Hartmann pour la cavité naso-pharyngienne (Katalog P.J. Berg S. 314)

Herkunft: Besteckkasten eines Hall'er Allgemeinpraktikers, Flohmarkt Hafen/Innsbruck 9/2018.

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Zerstäuber (1)

Nasenspray-Ballon der Fa. VAAST, um 1930 

Von der Pariser Firma "Armand VAAST, 22 rue de l'Odéon" wurde dieser "Pulvérisateur contre les Rhumes" hergestellt (Patent 1924), bei dem Luft über einen Handballon in eine Glasbirne geblasen wurde. Eine kleine Düse saugte Öl an und vermischte es mit dem Luftstrom, der es dann in die Nase des Patienten verwirbelte.




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Zerstäuber (2)

 




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Zerstäuber (3)

 

Les Rhumes et les Affections du Nez et de la Gorge Vaincus par l'emploi du PULVÉRISATEUR - ATOMISEUR "PULVIBUS" Toxa.

P.C.B. - 12, Rue du Téléphone - Bruxelles"




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Zungenspatel (1)

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Vorgestellt werden drei Spatel, zwei aus Metall, einer aus Kristallglas nach BUCHWALD, mit dem man die Oberfläche der Zunge besser beurteilen konnte (Scharlachdiagnostik?)

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Zungenspatel (2)

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Einen zusammenfaltbaren Zungendrücker gab TOBOLD an, weniger zum Gebrauch des Anaesthesisten als vielmehr für den HNO-Arzt, damit dieser die Mundhöhle besser inspizieren konnte.

Das vorgestellte Exponat stammt aus der „Metzer Wunderkiste“, ein Fabrikat von „BOURDEAUX ainé à Montpellier“ – wie die Brenneisen (siehe Chirurgische Geräte)…

Adalbert von TOBOLD *1827 in Flatow in Westpreussen. Ab 1851 Studium in Berlin, 1854 Assistent bei LANGENBECK. Widmete sich später dem Studium der Kehlkopfkrankheiten, der Nasen- und Lungenkrankheiten. 1865 habilitierte er sich an der Berliner Universität als Pivatdozent und wurde 1884 ausserordentlicher Profesor. 1907 wurde er geadelt.
TOBOLD’s erste Arbeit handelte von der Resektion des Knie[!]-Gelenkes, später erfand er Beleuchtungsapparaturen und Instrumente für die laryngologische Praxis und entfernte zuerst Kehlkopfgeschwülste vom Mund aus. Einzig in ihrer Art ist die von ihm nach laryngoskopischen Bildern hergestellte Sammlung plastischer Nachbildungen der verschiedenen Kehlkopfkrankheiten.

Er gilt als Erfinder des Stirnreflektors, wusste sich aber auch schon mal mit einem Küchenlöffel zu behelfen:
"Das Princip derselben besteht darin, dass wir von einer Lichtquelle, die sich neben dem Patienten, nicht vor ihm, befindet, ein Strahlenbündel auffangen, und es vermittelst eines an unserer Stirn befestigten Spiegels nach dem geöffneten Munde des Patienten reflectieren. Bevor wir aber zur Schilderung dieser Spiegel übergehen, möchten wir auf eine einfache Vorrichtung aufmerksam machen, die wir dem genialen Voltolini verdanken. Derselbe gab an, dass man sich im Nothfalle, wenn man keinen Reflektor bei sich hat, eines blanken Zinnlöffels bedienen soll, den man in jeder Bauernwirthschaft vorfinden wird. Vor die Höhlung diesen Löffels bringe man eine brennende Kerze und benutzt die Concavität des Löffels als Reflector. Diese Vorrichtung hat noch vor dem einfachen Vorhalten einer Kerze den Vortheil, dass das Auge des Untersuchenden beschattet bleibt"
(zit.: http://www.zieleit.de/archiv/aktuelles/14061999.html).

Er schrieb:

  • Lehrbuch der Laryngoskopie, Berlin 1863
  • Die Chronischen Kehlkopfkrankheiten, Berlin 1866

    v. TOBOLD starb 1907 in Berlin.

    Nachruf:
    Erwin Frank, Adelbert von Tobold im Lichte seiner Zeit. MMW 55 (1908) 289-291.

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Zungenspatel (3)

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In Europa ist Anaesthesie ein junges Fach.

"En Europe continentale, c'est à l'Université catholique de Louvain que revient le mérite d'avoir établi dans son hopital universitaire le premier service d'anesthésie en 1948. C'est en effet le Pr William de WEERDE, un interniste cardiologue qui après un formation à Oxford, initia l'enseignement d'une pratique sûre et codifiée de l'anesthésie en Belgique".

 

 

Exponat

Nicht faltbare Zungenspatel aus dem Fundus der Elisabethklinik Luxemburg, bevor sie im "Hôpital du Kirchberg" aufging...

Brünings, 190 mm, 7 1/2", (gefenstert) Buchwald, 19-23 mm breit, 180 mm, 7", Frenzel, 165 mm (Rahmen) haben moderne Zungenspatel angegeben..

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Zungenspatel (4) n. PIRQUET

Zungenspatel 3 n. PIRQUET
 

Clemens Peter Freiherr von Pirquet, eigentlich Clemens Peter Freiherr Pirquet von Cesenatico, genannt de Merdaga (1874-1929) war ein österreichischer Kinderarzt. Er ist bekannt durch seine Forschungen auf den Gebieten der Bakteriologie und Immunologie. 1906 prägte er den Ausdruck "Allergie".

 

 

Sein Spatel kam gelegentlich bei der Fütterung tetanuskranker Kinder zum Einsatz: "Zuerst wird dem Kinde in einer anfallsfreien Periode ein auf einen Pirquetspatel aufgestülpter Sauger in den Mund eingeführt. Der Spatel mit dem Sauger wird fest im Munde eingeklemmt. Man wartet wieder einen freiere Periode ab und zieht dann vorsichtig den Spatel aus dem Sauger heraus …" (Clemens Pirquet, F. von Groer, System der Ernährung, Springer 1920 S.216).

 

 

Exponat

Zungenspatel (frz. abaisse-langue)

Katalog Waarenhaus Berlin 1910 S.181.

 

Herkunft: Allgemeinpraxis Hall, Flohmarkt Hafen / Innsbruck, 9/2018

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Zungenspatel (5)

Zungenspatel
 

Man unterscheidet die Pflasterspatel und Zungenspatel. Die Pflasterspatel ist ein, an den Kanten stumpfes und an ihren Enden abgestumpftes Stahlblatt. Es dient dem Wundarzt, die Pflaster oder Salben aufzustreichen.

 

 

"Die Zungenspatel ist etwas länger, sie stellt eine Stahlplatte dar, dessen eines Ende schmäler gebogen und abgerundet sich endigt, zum Niederdrücken der Zunge und Aufstreichen des Pflasters bestimmt; das entgegengesetzte Ende hat einen herzförmigen Ausschnitt, der dazu dient, um beim Lösen des Zungenbändchens die Zunge aufheben zu können. Von diesem herzförmigen Ausschnitt gegen die Mitte des Instrumentes zu, sind Löcher angebracht, um ein Fadenbändchen durchführen zu können, wollte man dise Spatel anstatt des Lotterischen Compressoriums gebrauchen, um die Spatel an den Körper des Kranken anzubinden." (Franz Graf, Chirurgische Instrumentenlehre, Wien 1840 S.62).

 

 

Exponat

Zungenspatel aus dem Fundes eines Haller Allgemeinpraktikers. Flohmarkt Hafen/ Innsbruck. 9/2018