Paediatrie


Diphtherie (3) Spritze n. ROUX

um 1900/1910 

1894 endlich entdeckte Emil BEHRING (1854-1917) sein Serum: geimpfte Pferde wurden monatlich einmal zur Ader gelassen, wobei jeweils 4 Liter Blut gewonnen wurden.


Der Zufall wollte es, dass in Paris in den Jahren 1890-93 eine schwere Diphtherie-epidemie tobte. Pierre Paul Emile ROUX (1853-1933) griff die Entdeckungen BEHRING's auf und machte sich seinerseits an die Grossproduktion des Antitoxins. Aus Berlin wurden wundersame Heilungen mit dem Serum von BEHRING berichtet; die französische Presse drängte; so schritt ROUX, überstürzt und ohne die vom wissenschaftlichen Standpunkt unerlässlichen Doppel- blindstudien, zur Tat. Am 1. Februar 1894 trug er eine erste Ladung Flaschen voller Serum "auf dem Kopf ins Kinderspital" - die Kinder wurden bis Juli 1894 mit diesem Serum therapiert, woraufhin die Mortalität um die Hälfte zurückging. Auf dem Kongreß in Budapest konnte ROUX stolz von seinen Erfolgen berichten und "standing ovations" ernten. Die französische Presse huldigte dementsprechend ihrem Wunderdoktor.


Das Serum wurde ursprünglich in das Unterhautfett der Flanke injiziert, in hochakuten Fällen auch mal intravenös. Eine bis drei Injektionen à 20 Kubikmilliliter musste ein Kind über sich ergehen lassen. Dazu mussten mehrere Erwachsene das arme Geschöpf festhalten. Das Heilserum bindet nur das noch in der Blutbahn befindliche Toxin und ist gegenüber dem bereits an Organen und Zellen verankerten Gift wirkungslos. Entscheidend bei der Serumtherapie war also der frühe Behandlungs-beginn. In der Praxis durfte der Arzt also keinesfalls das Ergebnis einer bakteriologischen Untersuchung abwarten, um eine Serumbehandlung zu starten: Diphtheriebazillen sind erst nach 48stündiger Bebrütung kulturell nachweisbar! Stellte der Arzt die Diagnose allzuhäufig bei ein und demselben Kind, musste er ab der 2, Injektion des Serums mit anaphylaktoiden Reaktionen rechnen - die Abwägung der Risiken war sicherlich nicht immer einfach.

In Luxemburg griff als Erster der (damals) in der r. de l'Arsenal n°12 niedergelassene Dr. August WEBER (1852-1936) die Idee auf:
„Luxemburg, 8. Nov. Herr Dr. Aug. Weber theilt der L.Z. mit, dass er seit heute im Besitz einer Roux’schen Serumspritze ist, die er seinen Collegen bei Bedarf bereitwilligst zur Verfügung stellt“ (Ardenner Zeitung vom 10.11.1894).

„Schrondweiler, 17. Jan. Das an Diphterytis erkrankte zehnjährige Töchterchen des hiesigen Gutsbesitzers Hrn. Meyers wurde durch Anwendung des Heilserums von dieser furchtbaren Krankheit geheilt“ (Luxemburger Wort vom 19.1.1895).

"Diphtérie 54 Fälle [im Kanton Clerf], die sich folgendermaßen auf die einzelnen Gemeinden verteilen : Asselborn 1, Bögen 2, Clerf 2, Helzingen 2, Hosingen 1, Ulflingen 11 Weiswampach 34. Gestorben sind 5 Diphteriekranke : es handelte sich immer um die ersten Erkrankungsfälle in den einzelnen Ortschaften, bei welchen die Serumbehandlung zu spät oder überhaupt nicht eingeleitet wurde" (Memorial n°84 vom 31. Dezember 1919) - das Serum war den Ârzten wohlbekannt, doch konnte es nicht schnell genug herbeigeschafft werden, um die ersten Kranken einer Ortschaft zu behandeln ...

Vorgestellt wird eine
Seringue pour le SERUM
Méthode du Dr. ROUX

mit verstellbarem Duritkolben, 2 Kanülen, Reservekolben in Originaletui. Der Kolben wurde, so weist es der Katalog des "Medizinischen Waarenhauses" von Berlin 1910 S. 73 aus, wahlweise aus Durit oder Asbest hergestellt.




Serumampulle
Beipackzettel

Pädiatie


Diphtherie-Antitoxin-Ampulle

Diphtherie 1
 

 

    Bei der aktiven Immunisierung werden die Antigene dem Organismus zugeführt, um aktiv die Bildung von Antikörpern anzuregen. Oft aber reicht die Zeit nicht aus für diese Immunisierung! Die Antikörper müssen dem Kranken fix und fertig injiziert werden. Meist wird es aus dem Serum von Genesenden oder von großen Labortieren, wie Pferd und Rind gewonnen. Chemisch gesehen handelt es sich um neutralisierende Antikörper aus der Produktion von B-Lymphozyten. Bei dieser sogenannten passiven Immunisierung, der Serumtherapie, werden vorgebildete Antikörper in Form von Immunseren oder Gammaglobulinen dem Organismus einverleibt. Schon bei Verdacht auf Diphtherie muss also sofort an die Gabe von "Heilserum" gedacht werden, das durch seinen hohen Gehalt an Antitoxine allerdings nur das zirkulierende Bakteriengift neutralisiert; zusätzlich muss also Penicillin-G resp. Erythromycin verabfolgt werden, um den Erreger selber auszuschalten.

 

Befragt man die Plattform Wikipedia, so erfährt man, dass sich das Wort Antitoxin "von der altgriechischen Präposition αντί antí „gegen“ sowie dem lat. toxicum „(Pfeil-) Gift“ ableitet. Es ist ein Gegengift, kein Impfstoff. Es macht bereits im Körper vorhandene Gifte unschädlich.

 

Die letzten großen Epidemien traten während des zweiten Weltkriegs auf. 1943 erkrankten etwa eine Million Menschen, 50 000 starben. Auch nach Kriegsende blieb die Diphtherie europaweit lange Jahre eine ernste Bedrohung, die nur langsam abebbte.

 

"Natur und Art der Fälle von Ansteckungskrankheiten im November 1946 im Großherzogtum Luxemburg. Paratyphus: 15 Krankheitsfälle, 1 Todesfall; Diphtheritis: 46 Krankheitsfälle, 3 Todesfälle; Keuchhusten ein Krankheitsfall; Scharlach 25 Krankheitsfälle; Lungentuberkulose: 33 Krankheitsfälle, 9 Todesfälle; Tuberkulose an anderen Organen: 3 Krankheitsfälle, 1 Todesfall; Masern: 2 Krankheitsfälle; Gonorrhöe: 43 Krankheitsfälle; Syphilis: 22 Krankheitsfälle" (Escher Tageblatt, 28. Januar 1947).

 

1997 starb in Deutschland zum letzten Mal ein Mensch an Diphtherie.

 

Exponat

Vorgestellt wird eine 10 ml-Ampulle Antitoxin "Sérum antidiphtérique 10.000 Unités" des Institut Pasteur in Paris; Chargennummer 17.105, hergestellt im November 1942, laut Aufschrift haltbar bis November 1945. Herkunft: Bormes les Mimosas, Südfrankreich.

Pädiatrie


Diphtherieserum, um 1900

Diphtherie 4 1
 

 

Ab dem 10. Februar 1895 gab das Pariser Institut Pasteur Diphtherie-Serum an die Apotheken aus (Répertoire de pharmacie, 1895 Bd.7 S. 138).

Paediatrie


Diphtherie, Trachealkanülen (1)

 

Die Tracheotomie ist ein uralter Eingriff. Der erste gesicherte Nachweis stammt aus dem 2. vorchristlichen Jahrhundert, ASCLEPIADES von Bethynien soll den Eingriff gekannt und durchgeführt haben – Schulmediziner wie ARETAEUS von Alexandria warnten die Kollegen allerdings vor den Komplikationen des Eingriffes. Im 3. christlichen Jahrhundert wandte der griechische Arzt ANTYLLUS die Tracheotomie bei Erstickung an. Zur gleichen Zeit finden wir den Eingriff in Italien, wo ihn die Römer unter der Bezeichnung „göttlicher Eingriff“ kennen, um es der Seele zu ermöglichen, aus dem sterbenden Körper gegen Himmel zu entfliehen.
Im 14. Jh. wird der Eingriff wiederentdeckt und wird bei Obstruktion durch geschwollene Mandeln oder durch einen Fremdkörper vom Chirurgen Guy de CHAULIAC angewandt - sehr zum Ärger der katholischen Kirche, die in der „scannatio“ resp. „subscannatio“ einen nicht zulässigen Eingriff in die Wege der Seele sieht. In seinem Drama Commoedia divina (Buch XXVIII) beschrieb Dante Alighieri die Folterqualen der Tracheotomierten !
Die Renaissanceärzte, unter ihnen Pietro d’ABANO (1350-1416), der an der Universität Padua lehrte, wandelten den antiken Eingriff von einem Halsquerschnitt zum noch heute üblichen Längsschnitt um. Thomas FIENUS (1567-1631) aus Antwerpen, riet zum Einführen eines silbernen Tubus nach der Tracheotomie, bei Giulio CASSERIO (1545-1616) findet sich die erste Abbildung einer Trachealkanüle. Er rät zu einem gekrümmten Tubus – Vorbild der heutigen Tuben. Sanctorius SANTORIO (1561-1636) gab einen Troicar an, mit dem die Trachea von einem kleinen Hautschnitt aus durchbohrt werden konnte – die zeitraubende Präparation entfiel... Als Ende des 16. Jahrhunderts eine Diphterieepidemie die Stadt Neapel heimsuchte, wurde die Tracheotomie zum gefeierten Eingriff. Den Ärzten Pierre BRETONNEAU (1778-1862) und Armand TROUSSEAU (1801-1867) verdankt die Medizin die Wiederentdeckung der Tracheotomie im 19. Jahrhundert...

Vorgestellt wird ein silbernes Tracheotomiebesteck aus dem 20. Jh, aus Sofia/Bulgarien importiert.




Paediatrie


Diphtherie, Trachealkanülen (2)

Sprechkanüle mit Klappenventil 

Die Tracheotomie wurde nicht nur bei Kindern im Diphtherie-Anfall durchgeführt. Hier ein Bericht über eine einheimischen Fall, bei dem es sich offenbar um einen bösartigen Halstumor oder eine Kehlkopftuberkulose handelte:
"Sterbefall. Von einem herben Verlust wurde die wohlachtbare Familie J.P. Champagne aus der Bahnhofsavenue getroffen. Deren 27jähriger Sohn Karl wurde vor kurzem von einem hartnäckigen Halsleiden befallen, gegen welches er bei ausländischen Spezialisten vergebens Heilung suchte. Am Donnerstag begab er sich in eine hauptstädtische Privatklinik, wo er sich der Operation des Luftröhrenschnittes unterzog. Aber trotz bester Pflege und Aufwendung von allem, was ärztliche Kunst vermag, konnte die Katastrophe nicht mehr abgewendet werden." (Luxemburger Bürgerzeitung vom 24.4.1909).

Besonders wertvoll an der hier vorgestellten silbernen Trachealkanüle ist der kleine Aufsatz, der ein Ventil enthält, dessen Öffnungsgrad man mit einer kleinen überstehenden Stellschraube variieren kann – möglicherweise im Rahmen der Reedukationsmassnahmen, die nach monatelangem Tragen der Kanüle notwendig wurden, um die Sprache wieder zu trainieren. Während der intubierte Patient nicht sprechen kann, ist der tracheotomierte Patient mittels einer derartigen Sprechkanüle durchaus imstande, sich mit den Angehörigen und dem Klinikpersonal zu unterhalten ...

Nota: 1898 erfand Themistocle GLUCK (1853-1942) eine Sprechkanüle für laryngectomierte Patienten.




Paediatrie


Diphtherie, Trachealkanülen (3)

Set der Differdinger Klinik

In seiner 1826 erschienen Monographie liess Pierre-Fidèle BRETONNEAU (1778-1862) die schon in der Antike bekannte Methode des Luftröhrenschnittes, die "Tracheotomie", neu zu Ehren kommen. Den operativen Teil sowie die Indikationen der Tracheotomie vervollkommnete in den folgenden Jahren sein Schüler Armand TROUSSEAU (1801-1867), der als der bedeutendste französische Kliniker seiner Zeit galt. Er führte 1837 in Paris die erste Tracheotomie durch.

Um die Öffnung offenzuhalten entwickelte man Kanülen aus Metall und Hartgummi - Modelle wurden angegeben u.a. von DUPUIS, FROIN-MATHIEU, HAGEDORN, HOFMANN, KÖNIG, KRISHABER, LUER, ROSER - eine Spielwiese für Tüftler...

Aus dem aufgelösten Fundus der Differdinger Klinik stammen die hier vorgestellten Trachealkanülen.




Paediatrie


Diphtherie, Trachealkanülen (4)

Kanülen n. KRISHABER, um 1925 

In seiner 1826 erschienen Monographie liess Pierre-Fidèle BRETONNEAU (1778-1862) die schon in der Antike bekannte Methode des Luftröhrenschnittes, die "Tracheotomie", neu zu Ehren kommen. Den operativen Teil sowie die Indikationen der Tracheotomie vervollkommnete in den folgenden Jahren sein Schüler Armand TROUSSEAU (1801-1867), der als der bedeutendste französische Kliniker seiner Zeit galt. Er führte in Paris die erste Tracheotomie durch. Um die Öffnung offenzuhalten entwickelte man Kanülen aus Metall und Hartgummi - Modelle wurden angegeben u.a. von DUPUIS, FROIN-MATHIEU, HAGEDORN, HOFMANN, KÖNIG, KRISHABER, LUER, ROSER - eine Spielwiese für Tüftler...

Vorgestellt werden 3 Kanülen nach Prof. KRISHABER aus sog. Neusilber mit entfernbarem Mandrin, sie stammen aus dem Nachlass des Arztes P. HETTO (1895-1979) aus Diekirch.

Der Ungar Maurice KRISHABER (1836-1883) studierte in Wien, Prag und Paris, wo er sich schliesslich naturalisieren liess um als HNO-Arzt praktizieren zu können.

Während andere Länder bereits seit Anfang der 1930er Jahre eine effektive Impfprophylaxe mit modernen Präzipitatstoffen betrieben, sah sich das Reichsinnenministerium erst 1934 – nach Versagen aller anderen Bekämpfungsmaßnahmen – veranlasst, in einigen besonders gefährdeten Gebieten eine aktive Diphtherieschutzimpfung zuzulassen. So wurde In Deutschland erst 1940 mit Massenpflichtimpfungen gegen Diphtherie begonnen ...




Dragée
Dragée

Pädiatrie


Dragee-Schachtel

Bonbonnière 11
 

 

"Einen Heiden haben wir fortgetragen, einen Christen bringen wir zurück" sprach die Hebamme, wenn sie nach dem Taufgang das Kind zu seiner Mutter nach Hause zurückbrachte (Hess, Volkskunde S. 167).

 

Das anschliessende weltliche Fest der Kindstaufe war im 19. Jh. ein Fest der Frauen, zu dem Männer nur als Randfiguren zugelassen wurden. Es wurde selbstverständlich in dem Hause gefeiert, in dem der neue Erdenbürger zur Welt gekommen war, am Abend des Tages, an dem die kirchliche Taufe begangen worden war.

 

Warum sprechen wir im medizinischen Zusammenhang von den Dragées? Obwohl sie seit der Antike als symbolische Gabe bekannt war, wurde die Mandeldragée 1220 von einem Apotheker aus Verdun neu erfunden, als er seine Mandeln mit einem Überzug aus Zucker zu konservieren hoffte. 1750 erfand ein Pariser Confiseur die glatte Dragée und machte sie in allen Pariser Salons zur begehrten Süssigkeit.

 

Im Kontext der Tauffeiern blieb die Mandel ihrer altrömischen Bedeutung am ehesten treu - als Symbol für Fruchtbarkeit, Langlebigkeit und Glück.

 

Zum Hersteller der Süssigkeiten

"Geisen-Nepper, Differdange.— Boulangerie, — Exploitant : Jean-Pierre Geisen-Nepper, Luxembourg- boulanger, Differdange. — Du 30 juin 1910" (Memorial 41/1910).

Frau Jean-Pierre Geisen geb. Joséphine Nepper starb 72jährig in Differdingen am 6.7.1946 (L.W. vom 8.7.1946).

Dragée
Dragée

Pädiatrie


Dragee-Schachtel

Bonbonnière 11
 

 

"Einen Heiden haben wir fortgetragen, einen Christen bringen wir zurück" sprach die Hebamme, wenn sie nach dem Taufgang das Kind zu seiner Mutter nach Hause zurückbrachte (Hess, Volkskunde S. 167).

 

Das anschliessende weltliche Fest der Kindstaufe war im 19. Jh. ein Fest der Frauen, zu dem Männer nur als Randfiguren zugelassen wurden. Es wurde selbstverständlich in dem Hause gefeiert, in dem der neue Erdenbürger zur Welt gekommen war, am Abend des Tages, an dem die kirchliche Taufe begangen worden war.

 

Warum sprechen wir im medizinischen Zusammenhang von den Dragées? Obwohl sie seit der Antike als symbolische Gabe bekannt war, wurde die Mandeldragée 1220 von einem Apotheker aus Verdun neu erfunden, als er seine Mandeln mit einem Überzug aus Zucker zu konservieren hoffte. 1750 erfand ein Pariser Confiseur die glatte Dragée und machte sie in allen Pariser Salons zur begehrten Süssigkeit.

 

Im Kontext der Tauffeiern blieb die Mandel ihrer altrömischen Bedeutung am ehesten treu - als Symbol für Fruchtbarkeit, Langlebigkeit und Glück.

 

Zum Hersteller der Süssigkeiten

"Geisen-Nepper, Differdange.— Boulangerie, — Exploitant : Jean-Pierre Geisen-Nepper, Luxembourg- boulanger, Differdange. — Du 30 juin 1910" (Memorial 41/1910).

Frau Jean-Pierre Geisen geb. Joséphine Nepper starb 72jährig in Differdingen am 6.7.1946 (L.W. vom 8.7.1946).

Paediatrie


Ersatzkaffee aus Feigen

Ersatzkaffee

Gesundheitskaffee für Kinder

 

 

   Bei Kindern kann das Koffein dazu führen, dass sie unruhig werden, sich schlechter konzentrieren können und schnell gereizt sind. Außerdem kann die Kaffeesäure den Magen angreifen. Glücklicherweise mögen Kinder Kaffee eher nicht - er schmeckt bitter! Erst wenn Menschen älter werden, mögen sie diese Geschmacksnote.

 

Als Ersatz für Kinder kommt also "Ersatz" in Frage, der aus nicht koffeinhaltigen Pflanzen gebrannt wird.

- aus Zichorien (z.B. Kaffee Caro)

- aus Getreide (Gerste, Roggen, Mais, Dinkel),

- aus gemälzter Gerste

- aus Früchten. Als Fruchtkaffee bezeichnet man Mischungen, bei denen Früchte von mehrjährigen Pflanzen verwendet werden, wie Feigen, Eicheln, Bucheckern und Kastanien. Ebenso werden teilweise die Kerne oder Steine von Obstsorten verwendet (Wikipedia).

 

Ein besseres Kaffeesurrogat als der Cichorienkaffee ist unstreitig die geröstete Feige, welche unter dem Namen Feigenkaffee in den Handel kommt. Feigenkaffee dürfte seinen Ursprung Mitte des 18. Jahrhunderts in Oberitalien haben. In Deutschland wurde er erstmals im Jahr 1858 erwähnt und im Jahr 1873 von den Unternehmen Kaffeesurrogatfabrik Otto E. Weber in Berlin und Heinrich Franck Söhne in Ludwigsburg hergestellt. Heinrich Franck Söhne erwarben nach 1900 das Heilbronner Unternehmen Emil Seelig (1), das damals die größte Kornkaffeefabrik in Deutschland war und ebenfalls über eine Feigenkaffee-Fabrik im österreichischen St. Peter verfügte. In Österreich hatte die Firma Imperial (2) in Wien 1880 mit der Produktion von Feigenkaffee begonnen. "Die chemische Untersuchung ergab weitere Beweise, daß die österreichischen Fabriken eine weniger zuckerreiche, sogenannte magere Feige, wahrscheinlich Dalmatiner Sorte, verarbeiten." (Polytechnisches Journal 1874). Die Firma Leonhard Jac. Oberlindober (3) wurde im Jahr 1788 als Speditions- Commissions- und Feigenmühlgeschäft in Innsbruck gegründet. Eine Zeitlang war die Firma Andre Hofer (4) mit der Feigenkaffee-Fabrik Oberlindober in Innsbruck vereinigt und firmierte unter Alpenländische Feigenkaffee-Fabriken Andre Hofer-Oberlindober Ges.mbH. 1932 warb das Innsbrucker Unternehmen "Oberlindober Gesundheits- Feigenkaffee.

 

Gesund, frisch und munter erhält Oberlindober die ganze Familie. Oberlindober trinken, heißt Gesundheit trinken" Im Handel ist derzeit reinen Feigenkaffee nicht sporadisch erhältlich: HT der Firma Tri Mori di Luc in Tolentino und "König Ludwig-Feigenkaffee" der Günzburger Nahrungsmittelfabrik Gebr. Strehle.

 

Vorgestellt wird eine emaillierte Tasse der Innsbrucker Firma Oberlindober mit dem Logo der Firma, einem Adler, der einen Ring in der linken Klaue hält. Erworben 8/2016 "Am alten Hafen" in Innsbruck.

Paediatrie


Fehlbildungen (01)

Pyopagen 

Ein klassisches Beispiel für die Zurschaustellung von Doppelmissbildungen sind die "Böhmischen Schwestern" Rosa und Josepha BLAZEK. Sie warwn an Kreuz- und Steissbein zusammengewachsen.
Geboren am 20.1.1878, waren sie von kindsbeinen auf eine reich sprudelnde Geldquelle nicht nur für den Impresario, sondern auch für die Eltern. Schon aus diesen finanziellen Erwägungen heraus war an eine operative Trennung der beiden Mädchen nicht zu denken. Sie traten u.a. 1892 in Wien auf. Den Ärzten STELZNER und HENNEBERG gelang während dieser Zeit die eingehende medizinische Untersuchung: gemeinsamer Anus, gemeinsame Urethra, gemeinsame Vulva, aber zwei Vaginae und zwei Uteri. 1910 stationäre Aufnahme in Prag wegen Anschwellung des Leibes bei Rosa: sie entband kurz darauf den kleinen Franzl... Der Kindsvater (ein gew. Dvorak) wollte die junge Frau heiraten: die Behörden widersetzten sich mit dem Argument, die beiden Frauen seien legal "ein Wesen", Dvorak begehe mit der Ehe Bigamie.
Da beide offenbar einen gemeinsamen Blutkreislauf besassen, kam es nach der Entbindung bei beiden zur Milchproduktion - so konnten sie sich beim Stillen abwechseln! Der deutsche Frauenarzt Karl BASCH berichtete darüber in der "Deutsche Medizinische Wochenschrift" von 1910. Er schlussfolgerte, dass die Laktation nicht nervös gesteuert werde, sondern durch eine Substanz, die im Blut zirkuliere - der Begriff "Hormone" war eben erst 1905 von dem englischen Physiologen Ernst Henry STARLING (1866-1927) geprägt worden.
Ab 1921 Auftritte in den USA, wo sie ... als Geigenduo auftraten. Dort starben die Schwestern am 30.3.1922 an Pneumonie und Gelbsucht während einer Tournée in Chicago - daher Beisetzung auf dem "Bohemian National Cemetry" in Chicago. Ihre Schädel tauchten Jahre später (1935) in einem Kasten in einer Berliner Wohnung auf, der Impresario war verstorben und hatte die Schädel in seinem Holzwagen versteckt gehalten, wo sie, in Papier eingepackt, in einem Karton lagerten bevor sie in besagte Wohnung gelangten...

Andere "verwachsene" Zwillinge traten im 20. Jh. in Shows auf: Lucio und Simplicio Godina aus Samar, Philippinen (1908-1936); Daisy und Violet Hilton aus Brighton, East Sussex, England (1908-1969); Mary und Margaret Gibb aus Holyoke, Massachusetts (1912-1967); Yvonne und Yvette McCarther aus Los Angeles, California (1949-1992; Ronnie und Donnie Galyon aus Ohio (1951-).

Literatur:
-Sills ES, Vrbikova J, Kastratovic-Kotlica B., Conjoined twins, conception, pregnancy, and delivery: a reproductive history of the pygopagus Blazek sisters (1878-1922), in: Am J Obstet Gynecol. 2001 Dec;185(6):1396-402.
-Gert-Horst Schumacher, Monster und Dämonen, edition q, Berlin 1993 S. 92.
- http://www.quasi-modo.net/Rosa_Josefa_Photo_Cont.html




Paediatrie


Fehlbildungen (02)

Anneta aus Kairo 

Prinzessin Anneta, geboren in Kairo am 25.7.1890. Die junge Frau hatte weder Arme noch Beine: ein klassischer Fall von AMELIE.
Fehlbildungen von Extremitäten nennt man generell Dysmelien. Einer breiten Öffentlichkeit wurden die Probleme dieser Menschen bekannt, als in den Jahren 1959-62, unter dem Einfluss des Beruhigungsmittels Contergan (chemischer Name: Thalidomid), das nichtsahnende Mütter in der Anfangsphase ihrer Schwangerschaft (35. bis 50. Tag) eingenommen hatten, hunderte von Kindern zur Welt kamen, die Träger dieser Fehlbildung waren.