vaginal


Portiokappe (2)

 

"Luxemburg. Wohl in der Erwägung, daß bei der herrschenden Lebensmittelverteuerung die Eheleute bedacht sein könnten, ihre Nachkommenschaft auf ein Minimum zu beschränken, ließen sich zwei Deutsche in unserer Stadt nieder und errichteten einen Vertrieb von Abtreibungsmitteln und dergl. Obgleich sie den unerlaubten Verkauf ihrer Drogen mit möglichster Heimlichkeit betrieben, hatte die Polizei dennoch alsbald Lunte von ihrem Treiben bekommen. Eine polizeiliche Durchsuchung ihrer Wohnräume förderte denn auch ein ganzes Lager von Pillen und Präparaten zutage. Vor Gericht wird den zwei Ausländern eingeprägt werden, daß solche Handlungen in Luxemburg wie auch in Deutschland nicht geduldet werden. Auch bei einer hiesigen Handelsfrau, welche sich mit dem Verkauf solcher Pillen befaßte und sie zu enormen Preisen an ihren großen Kundenkreis des In- und Auslandes abgab, wurde eine große Menge dieser Mittel beschlagnahmt" (E.T. vom 26.7.1913).

"Trägt die Kröte ein Pessar,
wird's
ein schlechtes
Quappenjahr" (zit:DerWetterfrosch, http://wiegran.de/wetter08.htm).


Vorgestellt wird ein Ramses-Occlusivpessar" - eine für den ostdeutschen Markt gemünzte Portiokappe aus den 50er Jahren. Auf der Schubladen-Kartondose der Text:
Nahtloses
Universal-Occlusiv-Pessar
"Ramses"
Dep.No. 110379
Grösse 50 (gestempelt) mm.
W.Vulk.jahrelang
lagerfähig
Transparent

Die Okklusivpessare schauen in Deutschland auf eine bewegte Vergangenheit zurück. 1899 wurde ihre Einfuhr unter Strafe gestellt:
"Reichsgesetzblatt für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder
LXXX. Stück Ausgegeben und versendet am 28. Oktober 1899.
Verordnung der Ministerien des Inneren, der Finanzen und des Handels vom 2. Oktober 1899 betreffend das Verbot der Einfuhr für den unter der Bezeichnung "Occlusivpessar" in den Handel gebrachten Apparat sowie für das unter dem Namen "Tutelol" in den Verkehr gesetzte Frauenpräservativmittel.
Im Grunde des Artikels VI des Gesetzes vom 25. Mai 1882 Rg.Bl. Nr.47 wird die Einfuhr des unter der Bezeichnung "Occlusivpessar" in den Handel gebrachten, die Empfängnis verhindernden Apparates sowie des unter dem Namen "Tutelol" in den Verkehr gesetzten Frauenpraeservativmittels aus sanitären Rücksichten verboten".

Unser "Ramses" kommt in einer Biographie vor, die Herr Thomas Knauf aus der ehemaligen DDR verfasste (http://zeus.zeit.de/text/2003/25/17_Juni):
"Genossin Jordan fand, dass für den Aufbau des Sozialismus Kinder ein Hindernis wären, weshalb sie [meine Mutter] sich beim Frauenarzt ein Ramses-Pessar einsetzen ließ. Meine Mutter vertrug die Dinger nicht, „sonst wäre ihr das mit mir nicht passiert“. Mein Vater war stolz, dass ich „passiert“ war, und Onkel Peter schenkte mir oft Schokolade, die er als Intelligenz-Zulage erhielt"..
Thomas Knauf wurde 1951 in Halle/Saale geboren. Diese Zeitangabe sagt uns, dass 1950/51 in der DDR das "Ramses"-Pessar in Gebrauch war. So wundert auch nicht weiter, wenn das hier vorgestellte Objekt aus ebendieser Region stammt, aus Dessau.