Diverses


Flohfalle 1

 

 

    Als die Syphilis sich ab dem 16. Jahrhundert in den öffentlichen Badehäusern auszubreiten begann, gerieten nicht nur diese Etablissements in Verruf, sondern das Waschen schlechthin - Wasser galt bald als ein gefährlicher Eingriff in die Unversehrtheit der menschlichen Bedeckung. Wer "in" sein wollte, unterliess das Waschen und lief entweder dreckig und speckig rum, oder er parfümierte und puderte sich, was das Zeug hielt, um seine Mitbürger nicht mit üblem Körpergeruch zu belästigen.
Das nötige Kleingeld für diese Unmengen Parfum konnten natürlich nur der Adel und betuchte Herrschaften aufbringen. So kam es, dass in Europa ab dem 17. Jahrhundert für Parasiten - Läuse, Flöhe und Wanzen - ein Goldenes Zeitalter anbrach.

 


Flöhe als Krankheitsüberträger
Durch Flohstiche können Allerweltsbakterien wie Streptokokken und Staphylokokken übertragen werden. Aber auch spezifische Keime, wie der Erreger des endemischen Fleckfiebers, der Tularämie. Die Rolle des Flohs bei der Übertragung der Pest war lange Zeit unbekannt. Erst 1901 erkannte der englische Bankier und Entomologe Nathaniel Charles Rothschild (1877-1923) die Rolle des von ihm benannten Flohs "Xenopsylla cheopis" während einer Expedition in den Sudan. 1903 veröffentlichte er seine Entdeckung ...

 

 

Flöhe in der Literatur
Von seiner Schwäche für das weibliche Geschlecht getrieben, nutzt der Floh seine Winzigkeit schamlos aus, um unbemerkt intimste Stellen aufzusuchen. Ein Klassiker der Flohdichtung ist John Donnes Gedicht "The Flea". Hier stellt der „immoral flea“ eine verbotene Verbindung zwischen zwei Liebenden her, indem er ihr Blut miteinander vermischt. Auch E.T.A. Hoffmann's "Meister Floh" gibt freimütig und mit einem gewissen Stolz zu, eine ausgeprägte Vorliebe für das weibliche Geschlecht zu haben. Er erweist sich „als ein kleiner schalkischer Lüstling"!
Goethe erhob den Floh zum Symbol nicht zu wendender Lebensnöte: "Willst du die Not des Hofes schauen: Da, wo dichs juckt, darfst du nicht krauen". “Froh hüpft der Floh, vermutlich bleibt´s noch lange so” (Wilhelm Busch).

 


Flohfallen in Museen

Flohfallen sind Publikumsmagnete: "Höchstädts Bürgermeisterin Hildegard Wanner ist hellauf begeistert. Im Raum, der auch das stille Örtchen und das Waschbecken der Herzogin Anna zeigen soll, zieht die Rathauschefin eine Schublade auf. Dort ist eine Flohfalle zu sehen, die sich Damen einst ins Dekolleté steckten. „Ich bin von dieser prächtigen Ausstellung überwältigt“, sagt Wanner. „Schloss und Ausstellung sind ein Juwel“, meint Landrat Leo Schrell" (Berthold Veh, Vom Weinspucker bis zur Flohfalle für die Dame, in: Donauzeitung.vom 29.4.2010). Auch das Henriette-Davidis-Museum in Wetter-Wengern, das Kuriositätenmuseum in Güntersberge, die Sammlung Schwarzkopf in Dresden und das Wella-Museum in Darmstadt stellen Flohfallen aus. Auch das Museum der Stadt Luxemburg präsentierte eine kleine Flohfalle aus Elfenbein im Rahmen der Hygieneausstellung "Sei sauber" (2004) - eine Leihgabe des Deutschen Historischen Museums / Berlin. Sie verstehen daher, wenn ich nicht umhin kann, Ihnen, verehrter Besucher dieser Austellung, auch eine Flohfalle zu präsentieren. Da sie aus Wickham Bishops in der englischen Grafschaft Essex stammt, handelt es sich streng genommen um eine "flea trap". Im Gegensatz zur Flohfalle meiner Kollegin Phisick (siehe Link) hat "meine" Falle einen Aufhänger, mit dem sie einst an einer Halskette befestigt wurde.

 

 

Exponat

Floh-Ei aus Kokilla-"Holz" geschnitzt. Alle mir bekannten Flohfallen sind aus Elfenbein oder aus der südamerikanischen Kokilla-Nuss, deren Schale sich für Schnitzarbeiten (Kreisel, Salzstreuer, Schnupftabakdose, Pfeifenköpfe) besonders eignet. Die Taguanuß ist die Frucht einer südamerikanischen Palme; beim Schnitzen/Drechseln ist sie noch elfenbeinfarben, im Alter dunkelt sie nach. SolcheFallen waren im 18. und 19. Jahrhundert mit Sicherheit sehr teuer - und waren für die Landbevölkerung unerschwinglich - die Leute vom Land verließen sich daher lieber auf ihre traditionellen Hilfsmittel, z.B.  das Blatt des Nussbaums.

 


Lit.:
G. Schiedlausky, Wie man Flöhe fängt, In: Kunst und Antiquitäten IV, 1987, S. 26–38.
Francis Weiss, London, Der Flohpelz - eine kitzlige Sache, in: Pelz-International, April 1979, S. 178-180.