Pflegegerätschaften


Flohfalle 2

Flohfalle 2 Elfenbein

18.-19. Jahrhundert

 

 

Jagd auf Flöhe
Ein "Ablenkmanöver" war im alten Ägypten gängig: man rieb einen Sklaven mit Eselsmilch ein - und stellte ihn als Lockvogel in eine Ecke. Papyrus Ebers (um 1550 v. Chr.) empfiehlt, Dattelmehl und Wasser zu kochen, zu trinken und anschließend auszuspucken. Danach seien alle Flöhe verschwunden: ein eher magischer Schutz.

In der Zeit der Romantik hatte man sich so ziemlich an die Viecher gewöhnt: "Die Flöhe und die Wanzen gehören auch zum Ganzen" (Goethe). Zwackten die Biester aber allzu fest und allzu zahlreich, versuchte man schon sich die Flöhe vom Leibe zu halten - mit der chemischen Keule, oder mechanisch.
- als c h e m i s c h e Mittel dienten Flohkräuter als da waren das Grosse Flohkraut (Pulicaria dysenterica), dessen Verbrennungsrauch die Parasiten vertreibt und das kleine Flohkraut (Pulicaria vulgaris), dessen natürlicher Geruch die Läuse und Flöhe fernhält. Auch Flohalant oder Bleiwurz hielten die lästigen Biester fern. Der Sandwegerich (Plantago indica) wird als Flohkraut bezeichet - seine Samenkapseln haben die Form von Flöhen, werden als inneres Medikament benutzt, NICHT aber zur Bekämpfung der Flöhe ... "Die Zierpflanzenarten des Chrysanthemums stammen aus dem Fernen Osten. Manche von ihnen tragen den merkwürdigen Namen "Flohkraut", so das persische Flohkraut. und das armenische Flohkraut" (Escher Tageblatt vom 21.10.1943).
Heute stehen sehr wirksame synthetische Insektizide, zur Verfügung wie die Pyrethroide, die an die Hauptwirkstoffe des aus Chrysanthemum isolierten Insektizids Pyrethrum angelehnt sind ...

- wollte man die Flöhe m e c h a n i s c h einfangen, musste man früh aufstehen - die Viecher sind schnell wie der Blitz. Im 15. Jahrhundert hatte man - eher vergeblich - versucht, die Flöhe in kleinen Pelzlappen einzufangen, die die feinen Damen mit sich führten. Ein neuer Trick musste her: die Menschen steckten einen mit Blut getränkten Wattebausch in einen Behälter, so daß die Flöhe davon angezogen wurden. Die Flöhe saugten sich dann so voll mit Blut, daß sie nicht mehr durch die engen Öffnungen des Gefäßes entweichen konnten. Daß die Flöhe im Inneren der Kapsel am Honig oder an Harzen festklebten und darum nicht aus der Kapsel rauskamen ist nur ein Teil der Wahrheit ...

 

Kammerjäger

Als die chemische Industrie im 19. Jahrhundert synthetische Flohpulver in Umlauf brachte, war für die Flohfallen die Zeit abgelaufen. Meyers Konversationslexikon von 1910 kennt den Begriff nicht mehr.

Dafür gab es nun den Beruf des Kammerjägers: 1914 liess sich in Esch ein junger Mann nieder und empfahl sich einem "geehrten Publikum" (Escher Tageblatt vom 14.3.1914): "Erlaube mich hierdurch als Kammerjäger zu empfehlen zur radikalen Vertilgung von Ungeziefer aller Art: Kakalaken, Schwaben, Burren, Wanzen, Flöhe, Fliegen, Mäuse und Ratten etc.. Vertilgung von Ungeziefer bei Tieren. Durch eigenes Verfahren ohne scharfe Gifte. Hermann Gies, Esch-Alz. Ehlerlngerstrasse 5" (Escher Tageblatt vom 27.7.1914).
In der Hauptstadt übte Witwe Junio diesen Beruf in Haus 16 der Wassergasse aus (Escher Tageblatt vom 26.7.1923).

 

Exponat

Flohfalle (6.4 x 2.5 cm), aus (Elfen)Bein geschnitzt. Ein Deckel läßt sich abschrauben, um die eingefangenen Flöhe zu entnehmen und den Lockstoff zu erneuern.

 

Bein wurde im 19. Jahrhundert u.a. in Berchtesgaden, Fürth, Gröden i.Tirol, Königsberg, Neustadt a.d. Haide, Nürnberg, St. Georgen bei Baireuth gedrechselt. Auf die Herstellung von Flohfallen aber waren vor allem die Drechsler aus Geislingen im Landkreis Göppingen / Baden-Württemberg spezialisiert.

Herkunft des Exponates: Nienhagen, Mecklenburg-Vorpommern / Deutschland.

 

Als die Pest noch um sich griff, hatte man ihr wenig entgegenzusetzen – fromme Sprüche, Einschneiden der schmerzhaften Beulen, schweißtreibende Kuren mit Wurzelextrakten vom Pestwurz, dessen Blätter zur Kühlung auf die Pestbeulen gelegt wurden. 

 

Lit.:

Schiedlausky, Günther: Wie man Flöhe fängt. Von Flohfallen und Flohpelzen. In: Kunst & Antiquitäten, Heft 4 (1987), S.26–38. 

 

Irene Labner, Die mittelalterlichen und neuzeitlichen Knochen-, Geweih-, Elfenbein- und Hornartefakte der Stadt Hall in Tirol, Bacchelaureatsarbeit Innsbruck 2007.

http://www.ironirene.com/Arbeit_20komplett.pdf