Pharmazie


Luxemburger Rezept (1)

 

Nach dem grossen persischen Arzt Ibn Sina gen. AVICENNA (980-1037) benannte der luxemburger Apotheker BACKES sein "Eau curative". Avicenna hatte Wasser zur inneren Einnahme empfohlen, so Thermalwasser bei Kolik (III, fen. 16), und nitröse Wässer um den Magen zu stärken (II, c. 59). Auch zur äusseren Anwendung kam Wasser. Sich auf den Kanon von AVICENNA berufend, wurden ab dem 11. Jahrhundert

  • Schwefelbäder bei Nervenleiden, Hautausschlägen und Lähmungen,
  • Alaunwässer bei Bluthusten und Blutabgang aus der Gebärmutter,
  • Kupferwasser zur Kräftigung der Augen und Ohren, Krankheiten der Eingeweide und bei Hämorrhoiden,
  • Eisenwässer bei Milzbeschwerden, Magenbeschwerden,
  • Aquae salse als Abführmittel,
  • Thermen bei Schmerzen in den Gelenken empfohlen ...

    Was für Zutaten BACKES in sein AVICENNA-Wasser hineinmischte, ist ein wohlgehütetes Familiengeheimnis ...

    Zur Person AVICENNA's
    "In der orientalischen Welt gilt Abu Ali ibn Sina (lateinisch: Avicenna) – neben Abu Bakr Muhammed ibn Zakariya al-Razi – den Muslimen als einer der wichtigsten Ärzte und Gelehrten aller Zeiten. Mit ihm, dem "Fürsten der Ärzte", wie er bisweilen ehrfurchtsvoll genannt wird, wurde der Höhepunkt der orientalischen Medizin erreicht. Auch in Europa galt der Universalgelehrte und Arztphilosoph fast 700 Jahre lang bis zum Beginn der modern Medizin als unbestrittene Autorität.
    Avicenna wurde als Sohn eines staatlichen Würdenträgers in Afschana nahe der usbekischen Stadt und Landschaft Buchara geboren, wo er Philosophie und Medizin studierte. Wie Avicenna in seiner Autobiographie schreibt, kannte er bereits im Alter von zehn Jahren den Koran auswendig, und auch einen großen Teil der damaligen Standardwerke der schöngeistigen Literatur vermochte er als Knabe zu rezitieren. Mit 16 Jahren, so erzählt er weiter, beherrschte er alle Wissenschaften, später habe er sie nur vertieft. Als Erbe eines großen Vermögens führte Avicenna ein Wanderleben an persischen Höfen, wo er als Arzt, Astronom, Staatsmann und Schriftsteller wirkte. Bereits im Alter von 18 Jahren ernannte ihn der Samanidenherrscher von Buchara als Anerkennung für seine außerordentlichen medizinischen Fähigkeiten zu seinem Leibarzt. Die letzten 14 Jahre seines Lebens verbrachte Avicenna als Leibarzt und wissenschaftlicher Berater am Hofe des Fürsten von Isfahan. Von dem Kalifen von Bagdad zu Lebzeiten mit dem Titel eines Scheichs ausgezeichnet, starb er aufgrund seines ausschweifenden Lebenswandels nur 57-jährig in Hamadan.
    Avicenna war ein brillanter Heilkundiger und Denker mit herausragenden Leistungen auf den Gebieten der Medizin und der Philosophie. Sein um 1030 entstandenes Hauptwerk Al-qanum fi at-tibb = Canon medicinae (Kanon der Medizin) löste die Klostermedizin des christlich-lateinischen Abendlandes durch wissenschaftliche Verfahren ab und zählte im Mittleren Osten wie in Europa lange zu den bedeutendsten medizinischen Lehrbüchern. Es wurde zur Grundlage der wissenschaftlichen Heilkunst und stand gleichrangig neben den Schriften des Hippokrates (460-370 v. Chr.) und des Galen (129-199) an allen bedeutenden europäischen Universitäten. Das Werk besteht aus fünf Büchern, in denen die gesamte Medizin der damaligen Epoche systematisch klassifiziert und den Kenntnissen entsprechend abgehandelt wird: Anatomie, Physiologie, Pathologie, Innere Medizin, Chirurgie, Geburtshilfe, Fieberlehre und Arzneimittellehre. Beeinflusst von Hippokrates und Galen erhebt Avicenna darin den Anspruch, das heilkundige Wissen der alten Welt endgültig abgeschlossen zu haben. Die fünf Bücher gliedern sich in Abschnitte, die aus Unterweisungen oder Doktrinen bestehen. Eine Doktrin zerfällt in Summen, diese wiederum in Kapitel, und dieses bildet schließlich das Grundelement des Gesamtwerks. Allein die Kommentare in dem Werk bilden einen eigenen Literaturzweig. Für die Studenten der Medizin komprimierte Avicenna das Werk zu einem Gedicht in 1.326 Knittelversen. Die erste lateinische Übersetzung erfolgte im 12. Jahrhundert durch den italienischen Gelehrten Gerhard von Cremona (1135-1187), die hebräische Ausgabe wird auf 1491 datiert. In arabischer Sprache erschien die Schrift 1593 als zweites in dieser Sprache gedrucktes Buch überhaupt. Zwischen 1400 und 1600 wurde das Werk insgesamt 36-mal gedruckt und wirkte bis Ende des 18. Jahrhundert in ganz Europa.
    Auch die philosophischen Schriften Avicennas bedeuteten einen Meilenstein in der Geschichte vor allem der Philosophie. Sein diesbezüglich bekanntestes Werk trägt den Titel "Kitab ash-Shifa" ("Die Heilung") und enthält Beiträge über aristotelische Logik, Metaphysik, Psychologie, Naturwissenschaften und andere Themen. Wie viele mittelalterliche Philosophen leugnet Avicenna die Unsterblichkeit der menschlichen Seele, Gottes Interesse an Einzelereignissen sowie eine Erschaffung der Welt in der Zeit. Ausgehend von der Seelenlehre des Aristoteles (384-322 v. Chr.) differenziert Avicenna die drei Seelenvermögen (animalische, vegetative und mineralische Seele) weiter aus und ordnet sie der Weltseele unter. Damit widersprach er der im Islam vorherrschenden Auffassung und somit zentralen Glaubensinhalten, was ihm zwar die Feindschaft sunnitischer Theologen einbrachte, doch seinen philosophischen Einfluss keineswegs schmälerte. So beeinflusste Avicennas Werk unter anderem den scholastischen Denker und Theologen Thomas von Aquin (1225-1274) maßgeblich. Wie groß Avicennas Ansehen selbst im christlichen Abendland war, zeigt sich auch an der Tatsache, dass ein Abbild von ihm ein buntes Fenster des Mailänder Doms ziert"

    (zit. http://www.onmeda.de/lexika/persoenlichkeiten/avicenna.html)

    Das 1030 entstandene Hauptwerk Avicenna's "Al-quanum fit at-tipp" (=canon medicinae/ Kanon der Medizin) wurde zum Meilenstein der Medizin. Es ist gleich bedeutend wie die Schriften des Griechen Hippokrates (um 460 - ca 370 v.Chr.) und des Römers Galen (129 - 199 n.Chr.). Avicenna's „Kanon“ war so monumental, dass es bis zum 19. Jahrhundert als Lehrbuch der Medizin verwendet wurde und über den Wissenstransfer seinen Eingang in europäisch-christliche Lehranstalten fand. Und so war es kein Zufall, dass im christlichen Europa die ersten bedeutenden, nicht-klösterlichen Lehranstalten der Medizin, beispielsweise Montpellier und Salerno, in jenen Regionen entstanden, die seit langem schon im Austausch mit dem Islam in Europa standen.

    8.2 x 16.4 cm grosses Etikett, Geschenk an das "Musée Sybodo" von Herrn J.-M Ottelé namens der Vereinigung www.industrie.lu. Von dieser Stelle aus meine "Dank dem edlen Spender".