Pharmazie


Heftpflaster (1)

 

 

   "Emplastra waren zum äußerlichen Gebrauch bestimmte Arznei-zubereitungen, deren Grundmasse aus Bleisalzen höherer Fettsäuren bestand und durch Kochen von Bleiglätte mit Fetten hergestellt wurde. 
Für das einfache Bleipflaster (Emplastrum Lithargyri) wurden nach dem Deutschen Arzneibuch je 1 Teil Erdnussöl, Schweineschmalz und Bleiglätte benötigt. Die Blei- Pflaster wurden in Tafeln, Stangen oder Stücke von verschiedener Form gebracht oder auf Stoff gestrichen. Sie waren bei gewöhnlicher Temperatur fest und in der Hand knetbar. Im 19. Jahrhundert waren sie eine verbreitete Arzneiform. In der Rezeptur der Privilegierten Apotheke gab es eigens einen Schrank mit diversen Schubladen zur Aufbewahrung der Pflaster. Dort wurden die Emplastra locker zwischen Pergament oder Wachspapier gelagert.



Das einfache Bleipflaster behielt bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts seinen Platz in der Apotheke: 2 Teile Bleipflaster wurden nach dem Arzneibuch mit 3 Teilen weißem Vaselin zur Bleipflastersalbe (Unguentum diachylon) verarbeitet, welche noch häufig in Salben- Rezepturen Verwendung fand. Der Pflastermasse wurden verschiedene Wirkstoffe beigefügt. Zur Herstellung wurden zunächst die schwer schmelzbaren Stoffe für sich geschmolzen. Beigefügt wurden zum Beispiel zum Belladonna-Pflaster mit Wachs und Terpentin extrahierteTollkirsch- Blätter. Auch Canthariden-Pflaster waren sehr beliebt. Die gepulverten Spanischen Fliegen, die stark die Durchblutung förderten und auch als Aphrodisiakum (Liebesmittel) benutzt wurden, wurden dazu in Terpentin gelöst und mit Erdnussöl und Wachs geschmolzen. Für das Capsicum-Pflaster, das spätere ABC-Pflaster, wurde Capsicum-Extrakt vorher in Harz geschmolzen, das fertige Pflaster war mit Drachenblut rot zu färben. Die älteste Art der Pflaster wurde Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Kautschukpflaster (Collemplastra) verdrängt, welche hauptsächlich als gestrichene Pflaster mit Pflasterstreich-maschinen hergestellt wurden. Um ein Heftpflaster herzustellen (Emplastrum adhaesivum) wurde dem Bleipflaster Geigenharz, Dammarharz oder Kautschuk beigefügt, die dem auf Stoff gestrichenen Bleipflaster Klebkraft verleihen sollten. Apotheker Beiersdorf entwickelte später das Zinkoxid-Kautschuk-Pflaster (Collemplastrum Zinci), das als Hansaplast weltberühmt wurde"
(zit.: https://www.apotheke-sommer.de/emplastra.htm).

 

- 1882 liess der Hamburger Apotheker Paul Carl BEIERSDORF (1836-1896) sein medizinisches Pflaster patentieren, ein Guttapercha-Pflaster. Sein Unternehmen wurde 1890 von einem Geschäftsmann übernommen, tr*agt aber immer noch seinen Namen. 1922 kam Hansaplast (Die Firma war in der Hansestadt Hamburg niedergelassen !) als Wundschnellverband in den Handel ...


- 1920 erfand Earle Dickson (1892-1961), Angestellter der US-Firma Johnson & Johnson, das Heftpflaster neu, als sich seine Ehefrau Josephine Frances Knight bei Küchenarbeiten immer wieder in die Finger schnitt - und die dick bandagierten Finger bei der Arbeit hinderlich waren. Er verband Streifen von chirugischem Klebeband zusammen mit kleinen Stückchen Mullbinde, bereitete sie auf Vorrat vor und deckte sie ab, um sie steril zu halten. 1924 begann bei Johnson&Johnson die Massenproduktion des neuartigen Verbandmaterials unter der Bezeichnung "Band-Aid", das US-Patent datiert von 28.12.1926. Ab 1939 wurde das Material in steriler Form in den Handel gebracht - rechtzeitig für den EIntritt der USA in den 2. Weltkrieg.

 

Exponat

Vorgestellt wird eine Blechdose der "Laboratoires ZYMA-GALEN" (heute von Sanofi absorbiert), in der Heftpflaster als Meterware (1 Meter x 3 cm) angeboten wurde: Formule: "Res. Elast. Tereb. Res. Dam. Res. Oliban Zinci.ox" - eine Zinc-Salbe auf einem fortlaufenden Pflaster. Von der Firma Sander wird wird z.Zt. "Saniplast" ein Pflaster in den gleichen Massen 1mx3cm angeboten.

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Heftpflaster (2)

IMPERMAPLAST
 

 

"Rentabler ist die Blechspule, denn Impermaplast, das einzige wasserfeste und abwaschbare Heftpflaster kann man überall brauchen: zu Hause, in der Werkstatt, beim Sport. Ausser in Blechspulen, in blauen Döschen erhältlich. Bemusterte Offerte durch VERBANDSTOFF-Fabrik Zürich A.G. Zürich 8" (Anzeige in: Das Rote Kreuz: offizielles Organ des Schweizerischen Centralvereins vom Roten Kreuz, des Schweiz. Militärsanitätsvereins und des Samariterbundes, Band 47 (Jahr 1939): Heft 18 S.).

 

Exponat

Kleine "Puppenhaus-Blechdose", erworben auf einem Flohmarkt auf dem Peterplatz in Basel (6/2018).

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Heftpflaster (3)

Heftpflaster Blankoplast

Pflasterdöschen, 1941

 

 

1908 gründete der Pharmaunternehmer Carl Blank eine Verbandpflasterfabrik in Bonn. 1944 erhielt er eine Anweisung des zuständigen Reichsministeriums, in Mitteldeutschland einen Zweigbetrieb zu errichten, weil man Bombenangriffe durch die Alliierten befürchtete. Leiter der Filiale wurde sein Schwiegersohn, der Schweizer Hans Conrad Wirz (1912-1999).

 

"Unser altbewährtes Zink-Kautschukpflaster 'Germaniaplast' soll von jetzt an kurz und bündig 'Blankoplast' heißenl Das spricht sich besser, schreibt sich schneller und — erinnert immer wieder an das Elternhaus des gut geratenen Kindes, an die Verbandpflasterfabrik Carl Blank in Bonn" (Drogistenzeitung, 1. Jan. 1941).

 

Neu war der Klebstoff: "Oppanole, die chemisch indifferente hochpolymere Kohlenwasserstoffe darstellen, und polymere Vinylverbindungen bilden den neuen bewährten Klebstoff der Blank-Pflaster. In dieser Zusammensetzung ist Blankoplast bereits 2 Jahre erprobt" (Drogistenzeitung 1. Mai 1942).

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Herbarium (1)

 

Pflanzen sind seit Jahrtausenden wichtige Heilmittelquellen, weshalb Apotheker und Drogisten sie früher in der freien Natur, später auch in eigens dafür angelegten Kräutergärten, sammelten. Für ihre Arbeit war es absolut notwendig zu wissen, wie eine Heilpflanze aussieht und wie sie wirkt. Deshalb gingen sowohl die Apotheker- als auch die Drogistenlehrlinge vor einigen Jahrzehnten noch mit der Schule ins Grüne, um Kräuter zu bestimmen, zu pressen und zu trocknen. Mit den auf diese Weie gesammelten Heilpflanzen legten sie ein so genanntes „Herbarium“ an: eine Art Katalog mit getrockneten Pflanzen und zusätzlichen Informationen wie dem lateinischen Pflanzennamen, dem Vorkommen, der Wirkung und Verwendung.

1578 gründete der Pariser Apotheker Nicolas Houel (1520-1584) innerhalb des von ihm initiierten "Hôpital de la Charité" in der rue de l’Oursine (heute rue Broca) eine private Schule für angehende Apotheker, die "Ecole des jeunes apothicaires" und gliederte ihr einen botanischen Garten in der r. de l'Arbalète an, in dem an die 1.000 einheimische und exotische "simples" gezüchtet wurden. 1624 wurde in der rue de l’Arbalète die "Ecole de pharmacie" gegründet, die folglich die Gärten der Vorgängerinstitution übernehmen konnte.
Es gab also die Möglichkeit, Pharmazie in einer Schule zu erlernen. In der Regel allerdings wurde der Beruf des Apothekers in der Apotheke des Vaters, des Onkels oder auf einer "Gesellentour" quer durch die Lande erlernt. Erst die Französische Revolution sollte diese Verhältnisse grundlegend ändern: das Gesetz vom 21. germinal an 11 (11 avril 1803) schuf eine landesweit einheitliche und staatlich geregelte Berufsausbildung der Apotheker.
Am 8. Oktober 1803 wurde die entsprechende "Ecole de pharmacie de Paris" gegründet - die bald aus allen Nähten platzte. 1876 wurde daher neues Bauland aufgekauft, die Schule zog 1882 in die Neubauten um - im Hauptgebäude wurde ein "Musée de Matière médicale de la Faculté de Pharmacie de Paris" eingerichtet, das noch heute jeden Sammler vor Neid erblassen lässt (die alten Gebäude wurden vom Institut national agronomique übernommen), in den Gärten des einstigen Kartaeuserklosters wurde ein neuer botanischer Garten angelegt, der noch heute besteht ... Der Garten des Karthäuserklosters, die "pépinière du monastère des Chartreux de Paris" belieferte im Mittelalter ganz Frankreich mit Obst-Neuzüchtungen - aus diesen Gärten gingen auch der "verger du Luxembourg" hervorging ...

Früher entstanden Medikamente durch Verarbeiten von Pflanzen- und Tierteilen sowie von Mineralien. Nichts ist daher natürlicher, als die angehenden Apotheker in die antike Kunst der Botanik einzuführen, um Ihnen ein Gespür zu vermitteln für die Pflanzen, die den Reichtum ihrer Vorfahren begründeten. So unterhält die Pharmazeutische Fakultät der Universität Paris für ihre Studenten einen kleinen botanischen Garten, im 6. Arrondissement gelegen (Eingang über die n°4 der r. de l'Observatoire, der Baumallée entlang gehen, dann nach rechts einbiegen). Ein kleines Gewächshaus und ein Teich mit Goldfischen ergänzen die Idylle im Herzen von Paris. Am Ende des 2. Studienjahres erwartet die Pharmaziestudenten alljährlich die "épreuve de reconnaissances de plantes" im Garten der Fakultät ...

Dieser Park sollte nicht verwechselt werden mit dem 1626 angelegten "Jardin du Roy", der durch Edikt von Mai 1635 "Jardin Royal des Plantes Médicinales" wurde: Guy de la Brosse, Arzt des Königsi Louis XIII, empfahl letzterem, einen botanischen Garten anzulegen, in dem die Medizinstudenten das Pflanzenreich erforschen sollten. Seit 1650 öffentlich zugängig, 28 ha gross, befindet sich der "Jardin des Plantes" mit seinen tropischen Treibhäusern, dem kleinen Zoo und seinen zahllosen Denkmälern im 5. Arrondissement, in der Verlängerung des Pont d'Austerlitz.

Lit.:

  • Léon Guignard, Le Jardin botanique de la Faculté de pharmacie de Paris. Résumé les caractères des familles végétales avec la liste des plantes cultivées en pleine terre et dans les serres et un plan du jardin, Editions Plan, 1922.
  • Léon Guignard, Le Jardin botanique de la Faculté de pharmacie de Paris. Résumé les caractères des familles végétales avec la liste des plantes cultivées en pleine terre et dans les serres et un plan du jardin, 4e édition, revue et mise à jour par M. Paul Guérin, professeur à la Faculté de pharmacie de Paris et à l'Institut national agronomique (Guignard war "membre de l'Institut et des Académies de médecine et d'agriculture").
  • Claude-Pierrette Bournique, Guide du jardin botanique de la faculté de pharmacie de Paris, Laboratoire de Botanique de la Faculté de ^harmacie, 1986.
  • Edouard Comarco, La faculté de Pharmacie de Paris (1882-1982), 207 S., 1982.

    Ansichtskarte: der Botanische Garten der pharmazeutischen Fakultät Paris, 1908.

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Herbarium (2)

Heilpflanzenabzeichen als "SpendenQuittung" für das WHW 

In Anlehnung an die Herbarien, die angehende Apotheker in den Jahren 1864 bis 1980 anlegen mussten, wollen wir hier eine Sammlung von synthetischen Heilpflanzen anführen, die in den Kriegsjahren in Luxemburg (und anderswo) "in Ehren" standen.

Der verlorene I. Weltkrieg, die Verpflichtungen aufgrund des Versailler Vertrages, die Inflation 1922-23 brachten Notstände allergrössten Ausmasses mit sich, so dass neben der staatlichen Wohlfahrt alle möglichen Vereine und kirchlichen Institutionen zwie "Innere Mission, "Caritasverband" und "Deutsches Rotes Kreuz" versuchten, durch Sammlungen Mittel hereinzubekommen, um Hilfe in dringlichen Fällen leisten zu können.
Die Weltwirtschaftskrise anfangs der Dreissiger Jahre liess die Aufgaben der Wohlfahrtsverbände in schier unerfüllbare Grössenordnungen ansteigen. Ende des Jahres 1931 tauchte zum ersten Mal das Wort "Winterhilfswerk" auf. Unter dem Leitsatz "Wir wollen helfen" wurde eine Sammelaktion gestartet, an der sich mit Unterstützung des Reiches alle Wohlfahrtsverbände beteiligten, und die für den Winter 1931/32 97 Millionen, für den Winter 1932/33 91 Millionen Reichsmark einbrachte.
Wenige Monate nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler wurde im "Reichsministerium für Propaganda und Volksaufklärung" am 13.9.1933 die Bildung des WHW durch Reichsminister Dr. Josef Goebbels vorgenommen, die Durchführung wurde der NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) übertragen, die schon am 18.4.1932 als "eingetragener Verein" gegründet worden war.

Das Winterhilfswerk (WHW), auch Winterhilfe genannt, wurde im September 1933 unter dem Dach der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) gegründet. Das Winterhilfswerk ist keine Erfindung der Machthaber des Dritten Reiches, wohl aber ist es von Ihnen in zuvor nie gekannte Dimensionen ausgebaut worden. Am 21.9.1933 wurde Erich HILGENFELD (1897-1945) zum Reichsbeauftragten für das Winterhilfswerk ernannt. Mit diesem Tag begann der Ausbau des WHW zu einer Hilsorganisation, die man seinerzeit als "die grösste soziale Einrichtung, die es auf der Welt gibt" bezeichnete. Auch die "Innere Mission", "Caritas" und "DRK" wurden in einer Arbeitsgemeinschaft der NSV angegliedert, so dass allmählich die gesamte Wohlfahrtspflege im Sinne der Nationalsozialisten umgestellt wurde.

Sammeln von Heilpflanzen
Ende 1939 erfolgten zum ersten Mal in Deutschland einheitlich geregelten Heilpflanzensammlungen. Schulkinder im Alter von 10 bis 14 Jahren sammelten auf der Flur (unter Aufsicht geschulter Lehrer, Hitlerjugend, Bund Deutscher Mädel, SA und Apotheker). Auch in Luxemburg wurde das Heilkräutersammeln eingeführt, zu einer nationalen Pflicht hochstilisiert und - als Schulfach eingeführt:
"Aus der Gemeinschaft und dem gemeinschaftlichen Erlebnis gelte es, stets neue Kräfte für die Bewältigung der Pflichten zu schöpfen. Rückblickend auf die Leistungen des BdM auf sportlichem, kulturellem und hauswirtschaftlichem Gebiet erwähnte die Rednerin insbesondere die Durchführung von Tee- und Heilkräutersammlungen, die Teilnahme der Mädel des Gaues, an den einzelnen Kreistagen, die Gestaltung von Lazarettveranstaltungen für verwundete Soldaten, die Arbeiten auf dem Gebiet der hauswirtschaftlichen Ertüchtigung, die Pflege der Musik sowie die körperliche Ertüchtigung im Rahmen des BdMWerkes „Glaube und Schönheit" (Die Arbeit der HJ im Banne Luxemburg, Führer- und Führerinnentagung mit Obergebietsführer Karbach im Volkshaus, in: Luxemburger Wort vom 30.11.1942).

"Grevenmacher. Heilkräuter-Sammlung. Die Heilkräutersammlungen werden während des Schulunterrichtes der Hauptschulen durchgeführt. Die Turnstunden werden ebenfalls in Anspruch genommen. Unter Leitung der Turnlehrer- und Turnlehrerinnen werden bei Ausmärschen in Wald und Flur die Heilkräuter gesammelt" (Escher Tageblatt vom 25.5.1944). Gelagert wurden die Kräuter zunächst auf den Dachböden der Schulen. Als die Brandgefahr stieg (Bombardierung), fungierten Apothekenlagerräume ab 1943 als Trocknungs- und Bezirksammelstellen.

Sammeln von HeilpflanzenAbzeichen
Um die Nützlichkeit und den Wert der »Deutschen Heilpflanze« hervorzuheben, gestaltete die »Reichsarbeitsgemeinschaft für Heilpflanzenkunde und Heilpflanzenbeschaffung« für die jährlich in den Wintermonaten stattfindenden Straßensammlungen des Winterhilfswerkes Arzneipflanzenabzeichen. Wer mindestens 20 Pfennig spendierte, bekam eine solches Abzeichen als "Quittung".
Als Luxemburg am 10. Mai 1940 besetzt und am 24. Oktober "rechtens" an das Reich annektiert wurde, führten die neuen Machthaber auch ihr Wohltätigkeissystem zwangsweise ein.
Unzählige freiwillige Helfer schwärmten aus: im Frühjahr 1941 patroullierten SA, SS und die andern Hilfsformationen mit ihren roten Sammelbüchsen auf den Bürgersteigen, sammelten eifrig Geld für das Kriegswinterhilfswerk, und belohnten die "edlen Spender" mit "lustigen" Abzeichen. Mit der Serie "Köpfe berühmter Deutscher Männer" in Glas (6. Reichsstrassensammlung vom 1. und 2. März 1941) machte das einheimische Publikum erstmals mit dem KWHW Bekanntschaft.
Die Reichsstrassensammlung des 2. KWHW vom 29. und 30. März 1941, durchgeführt von der DAF (Deutsche ArbeitsFront), stand unter dem Motto "Heilpflanzen". Die Serie von Abzeichen umfassten 20 Wachspapierblumen mit anhängendem Textkärtchen:
Birke, Brombeere, Faulbaum, Feldmohn, Feldstiefmütterchen, Fingerhut, Gänseblümchen, Hagebutte, Heidelbeere, Huflattich, Kamille, Löwenzahn, Preisselbeere, Rainfarn, Schafgarbe, Schöllkraut, Spitzwegerich, Taubnessel, Walderdbeere und Wegwarte.
Gesamtauflage dieser Abzeichen knapp 50 Millionen Stück.

Im folgenden Jahr wiederholte sich das Szenario: die Reichsstrassensammlung des 3. KWHW vom 28. und 29. März 1942, durchgeführt von der DAF, stand erneut unter dem Motto der Heilpflanzen. Vergeben wurden wiederum 20 verschiedene Wachspapierblumen mit anhängendem Kärtchen:
Augentrost, Breitwegerich, Ehrenpreis, Gänsefingerkraut, Gauchheil, Ginster, Gundermann, Hauhechel, Heidekraut, Himbeere, Johanniskraut, Lungenkraut, Mistel, Odermennig, Rotklee, Schlehenblüte, Schlehenfrucht, Tausendgüldenkraut, Tollkirsche und Wacholder.
Hergestellt wurden über 53 Millionen Exemplare dieser Blümchen, teils in Heimarbeit, teils in den Betrieben der sächsischen und sudetendeutschen Kunstblumenindustrie.

Vom 27 bis 28.3.1943 wurden "Naturgeschützte Pflanzen" (10 Abzeichen) angeboten, unter denen sich weitere Heilpflanzen verbargen.
Adonisröschen, Enzian, gelbe Narzisse, Leberblümchen , Märzenbecher, Seidelbast, Trollblume, Türkenbund und Weisse Seerose ... Auflage 55 Millionen Abzeichen ...

Mag die von der NSDAP (Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschland) initiierte Sammelaktion auch ursprünglich einem guten Zwecke gedient haben, sie war vom Machthaber pervertiert worden zu einem politischen Druckmittel: wehe dem, der nicht spenden wollte - er galt fürderhin als verdächtig! Die Luxemburger jedenfalls empfanden die Sammler des WHW mit ihren roten Büchsen als ausgesprochene Plagegeister und Gesinnungsschnüffler !

Link
www.aponet.de/apotheke/arbeiten/kraeuter/index.html
www.lernen-mit-webquests.de/wq/wq66/ergebnis/herb_digi/jena_ex.htm

Lit.
Jürgen Dahl (1929-2001), Mein geliebtes Heu, Notizen zum Herbarium, 76 Seiten mit 33 farbigen Abbildungen. 2000.

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Holzschachtel (1)

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Gall- und Schleimpillen [volkstümlicher Name für alle Laxierpillen], Spandose der Löwen-Apotheke in Aschaffenburg. Durchmesser 4.0 cm.

 

Das Haus wurde um 1500 im Fachwerkstil - im sogenannten Übergangsstil des mitteldeutschen Fachwerks - erbaut, der zeitlich eng auf den Zeitraum der Jahre 1470 bis 1550 eingegrenzt werden kann. Zwischen 1920 und 25 wurde die alte Bausubstanz freigelegt, die Arbeiten brachten die architektonische Schönheit voll zur Geltung. Nicht für lange Zeit: die alte Apotheke wurde mitsamt der kompletten Altstadt zwischen dem 27. September 1944 und dem 20. März 1945 durch US-amerikanische Luftangriffe in Schutt und Asche gelegt. Während die Stadt schnell wieder aufgebaut wurde, blieb der Platz der am 29. Dezember 1944 bombardierten „alten Apotheke“ jahrzehntelang verwaist. Erst Mitte der 80er Jahre wurde der Wiederaufbau von einer Bürgerinitiative angestrebt. Der zu diesem Zweck gegründete Verein “Wiederaufbau Löwenapotheke e.V.” konnte in schwierigen Auseinandersetzungen letztlich eine fast originalgetreue Rekonstruktion erreichen, die in den 1990er Jahren von statten ging – original-getreuer Wiederaufbau ab Nov. 1991, Einweihung des Neubaus im Mai 1995. Besitzer des Gebäudes ist die Stadt Aschaffenburg. Der Bau beherbergt heute ein Grafik-Kabinett (Mieter des Hauses und Betreiber des Antiquariates ist Peter Schweickard).

 


Edmund Pistor war von 1895 bis 1925 hier Apotheker.

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Holzschachtel (2), Brief

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Von der Tiroler Spanholzschachtel führt der Weg über die elsässische Medikamentendose zur französischen Camembert-Schachtel:
„L’appellation „boîtes du Tyrol“ ou, comme on le voit sur certains catalogues, „boîtes parisiennes dites du Tyrol“, désigne des boîtes en bois d’épicéa [Fichtenholz], fabriquées dans le Jura. Selon les boisseliers de Bois-d’Armont, village du Haut-Jura spécialisé dans le travail du bois et notamment dans les cabinets d’horloges [Uhrenschrank], un habitant du lieu aurait ramené d’un voyage au Tyrol au début du XIXème siècle une petite boîte ronde en bois dont le modèle fut par la suite imité et décliné en différentes tailles par les artisans locaux. Ces boîtes furent tout d’abord utilisées pour le conditionnement des médicaments.
En 1890, Jules Germain Lacroix, fabricant de Bois-d’Armont en déplacement à Lyon, remarque dans une foire un camembert posé nu sur de la paille. Il lui vient alors l’idée, d’après la tradition orale, de fabriquer une boîte adaptée selon le modèle de la boîte de pharmacie. Seule différence avec la boîte de pharmacie, la boîte à fromage est agrafée et non collée“ (Pierre Boisard, Le Camembert, mythe français, Editions Odile Jacob 2007 S.96).

 

Französische Patente :
131.096. Brevet de quinze ans, 17 mai 1879; Toussin (société), rue Royale, n°83, à Lille (Nord). Application faites aux fils à coudre de petites boîtes en bois appelées dans le commerce boîtes du Tyrol, ou de boîtes similaires en fer, zinc ou autres matières (Bulletin des lois de la République française, Band 21 Paris 1881 S.688).
135.162. Brevet de quinze ans, 19 février 1880; Henry, représenté par Blétry frères, à Paris, rue des Filles-du-Calvaire, n°6. Procédé et outillage propres à la fabrication des boîtes rondes en bois, dites boîtes du Tyrol (Bulletin des lois de la République française, Band 21 Paris 1881 S.1277).

 

 

Exponat 
Auskunft des Pariser Dosenfabrikanten Léon Henry, stellvertretend für seinen Vater Lucien Henry, an den belgischen Droguisten Emile LATTEUR in Mons vom 28. März 1900.

 

Zum Absender
Adolphe Lucien HENRY *12. Dezember 1855 in Paris [als Sohn von Ludovic Ambroise Henry (1821-1882) „gainier“ [Korsettfabrikant] und Eugénie M.-Louise Dugros (1821-1909)], starb am 12. Oktober 1931 in Cheronvilliers / Normandie.
- In erster Ehe heiratete er am 3. Januar 1880 in Paris Annette Jacob (1859-1906) aus Paris. Mit ihr 2 Kinder
- In 2. Ehe heiratete er am 3. Dezember 1907 in Paris Jeanne Caroline Kalmus (1879-1911)
- In 3. Ehe heiratete et am 3. August 1926 in Paris die Witwe Alfrède M.-Julie Lamblot (1862-1948).
Sein Sohn aus erster Ehe Lucien Léon (1883-1969) heiratete am 30. Mai 1907 in Paris Jeanne Weyrich (1876-1964).

 

Zum Empfänger
- Emile Marie Antoine LATTEUR *14. Januar 1844 in Mons, starb 65jährig in Louvain am 14. August 1909 “égociant, droguiste en gros“.

Während man mit „boîte parisienne“ meist zwielichtige Kaschemmen resp. Vergnügungslokale meinte, war der Name „Tyroler Dose“ nicht verfänglich.

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Hopfenmehl

Hopfen
 

 

    Humulus lupulus – echter Hopfen war die Arzneimittelpflanze des Jahres 2007. Angeblich wurde der Hopfenanbau erstmals 736 n.Chr. bei Geisenfeld in der Hallertau erwähnt. Die weiblichen Blütenstände sind die 2,5x5 cm großen sog. Hopfenzapfen (Lupuli strobulus), welche die trockenhäutigen Deckblätter tragen. Diese wiederum sind auf der Unterseite von sandkorngroßen Drüsenhaaren besetzt, die den Bitterstoff Lupulin und ein gelbes bis rötliches Harz beinhalten. Das Harz befindet sich also im Hopfenmehl (Hopfenstaub), welches durch Abklopfen oder Schütteln der Hopfenzapfen gewonnen wird.

 

Pharmazeutisch verwendete Drogen sind

- die Hopfenzapfen (Lupuli flos, Strobuli Lupuli, Strobulus Lupuli), bei denen es sich um die getrockneten, vollständigen weiblichen Blütenstände handelt. Zubereitungen aus Hopfenzapfen werden als leichtes Einschlaf- und Beruhigungsmittel genutzt. Der persische Arzt Mesue der Jüngere nutzte die Blüten der Kletterpflanze gegen Depressionen, Fieber, Entzündungen sowie Leber- und Milzleiden.

- die Hopfendrüsen (Lupuli glandula, Hopfenmehl, Lupulin), die von den Fruchtständen abgesiebten Drüsenhaare. Hopfendrüsen stellen ein grüngelbes klebriges Pulver dar, das aromatisch riecht und würzig bitter schmeckt. Sie werden durch das Ausklopfen der Hopfenzapfen gewonnen. In gepresster Form werden sie als Hopfenhasch (Lupu-Hash) als Räucherwerk oder zum Rauchen verwendet. 

 

Lupulin

Die Strobuli bestehen aus sitzenden, sich dachziegelartig deckenden, eiförmig zugespitzten, trockenhäutigen Fruchtschuppen, in deren Achse meist je zwei mit einem kurzgestielten dünnhäutigen Deckblättchen umhüllte Blüten stehen. Blüten- und Deckblättchen sind reichlich, Zapfenachse und Fruchtschuppen spärlich mit Drüsenhaaren besetzt. Diese Drüsen bilden die Droge LUPULIN. Sie wird aus den bei Trocknung in den Darren sich öffnenden Blütenständen durch Sieben gewonnen. LUPULIN stellt ein grüngelbes Pulver dar, das neben Fett, Wachs, Pentosanen, Eiweiß und Mineralsubstanzen 1-3% ätherisches Öl, gegen 50% Harzsubstanzen und das Alkaloid Hopein enthält.

 

Hopein, ein Phytohormon

Interessant für die Frauenheilkunde wurde Hopfen erst mit der Beobachtung unerklärbarer Zyklusstörungen unter Hopfenpflückerinnen und dem Nachweis seiner polyphenolischen Inhaltsstoffe mit außerordentlichem östrogenem Potenzial. In den 1960erJahren beobachtete man, daß junge Hopfenpflückerinnen verfrüht ihre erste Menstruation bekamen, gestandene Frauen kriegten alle innerhalb von 2 Tagen ihre "Tage" – in Belgien hatte dieses Phänomen der Regelsynchronisierung sogar einen eignenen Namen. Man nannte es "démon du houblon". Auch von gehäuften Zwischenblutungen ("3Regeln im Monat") wird berichtet! Die diesem Phänomen zugrunde liegende östrogene Wirkung des Hopfens geht hauptsächlich auf den Gehalt an Hopein (8-Prenylnaringenin) zurück, ein stimmungsaufhellendes Morphin (!), das nur in den weiblichen Blüten des Hopfens vorkommt. Der Stoff wirkt als Agonist am Estrogenrezeptor. Hopein gilt als das stärkste Phytoöstrogen mit agonistischer Wirkung an den Östrogenrezeptoren und, bei besonderer Affinität zum -ER, als natürliches SERM. Hopfenzupfen - eine natürliche Art der Empfängnisverhütung!

- bei Frauen soll es die Libido steigern, vasomotorische Hitzewallungen reduzieren und kardiovaskulären Schutz und protektive Effekte für die Knochendichte bringen.

- bei Männern führt die Einnahme von Hopein und anderen Hopfenbestandteilen ebenfalls zu östrogenartigen Effekten: äußerlich zur Gynäkomastie und zum Bierbauch, innerlich zu einer „Besänftigung“ von Trieben und Bedürfnissen, die durch das männliche Geschlechtshormon Testosteron angefeuert werden. Und genau dies war es, was die im Zölibat lebenden Mönche im Mittelalter brauchten: Präparate, die ihre sexuellen Triebe und Lüste dämpften (sie kannten neben Hopfen übrigens noch andere solche Wirkstoffe – allesamt mit hormonellen Wirkungen wie zum Beispiel „Keusch-Lamm“ oder „Mönchspfeffer“). Ganz in diesem Sinne wurde Jungen zum Unterdrücken des Onanierens früher Hopfentee verabreicht.

 

Hopfenanbau in Luxemburg

Nachweislich wird seit 1560 Hopfen in der Eifel angebaut. In Luxemburg brauten die Mönche im gesamten Mittelalter Bier und setzten ihm Hopfen als Würzmittel zu. Irgendwann verlor sich die Gewohnheit, den Hopfen vor Ort selber anzupflanzen - man zog es vor, ausländischen Hopfen anzukaufen. Nur sporadisch wird Hopfenanbau erwähnt, so 1851, als einem gew. Fischer aus Cessingen eine Medaille verliehen wurde im "Concours Hopfen" (Der Wächter an der Sauer, 1.10.1851). Erst nach dem 2. Weltkrieg kam man auf die Idee, es wieder mit dem Anbau von Hopfen zu versuchen. Da im Mittelalter ausschließlich Mönche sich um Anbau und Ernte des Hopfens gekümmert hatten, besaß man hierzulande keinerlei Erfahrung mit Zyklusanomalien, die mit dieser Pflanze und ihrer Ernte in Zusammenhang stehen:

"Aus dem Sauertal. Auf Anregung des Professorenkorps der Ackerbauschule werden heuer in unserem Lande erstmalig Hopfenanbauversuche durchgeführt und zwar von nachstehenden Landwirten: Henri Faltz-Weydert aus Gilsdorf, Jos. Goerens aus Schieren, Bernard Meyers-Turpel aus Bettendorf, Nic. Roeder-Raminger aus Möstroff und Nic. Schmit-Wenkin aus Bastendorf. Auffallend in diesen sogen. Hopfengärten sind die bis 6 m langen Hopfenstangen, die 2 m auf 1,60 m Abstand haben und an denen sich die Schlingpflanzen mit ihren Klimmhaaren hochwinden. Als Anbauort kommen nur tiefgründige, sandige Lehmböden in windgeschützten und sonnigen Lagen in Betracht. Bereits im Herbst wurde der Boden bei reichlicher Stallmist-, Thomasmehl- und Kalidüngung tief umgegraben. Sodann wurden im Frühjahr die aus Belgien bezogenen etwa 10 cm langen Stecklinge der hochwertigen Halertosorte gepflanzt. Allerdings kann erst im 2. oder 3. Anbaujahr mit einen lohnenswerten Ertrag der 12 bis 15 Jahre ausdauernden Pflanzen gerechnet werden. Es werden nur weibliche Pflanzen angebaut, aus deren Fruchtständen grünlichgelbe Zapfen entstehen. Die sommersüber auftretenden Krankheiten (z. B. Meltau und Rost) und tierischen Schädlinge (Hopfenkäfer, Milbe u. a.) müssen mit geeigneten Spritzmitteln bekämpft werden. Wenn die Fruchtzapfen Ende August oder Anfang September sich hart anfühlen, werden sie gepflückt und auf Hürden oder luftigen Dachböden getrocknet. Sie liefern das Hopfenmehl (Lupulin), das wegen seines Gehaltes an Bitterstoffen bei der Herstellung des Bieres Verwendung findet Die erwähnten Anbauversuche, deren Ergebnisse man erst abwarten wird, bezwecken die Hopfenkultur hierlands einzuführen um unsere Bierbrauereien, welche in dieser Hinsicht bisher ausschließlich auf das Ausland angewiesen waren, mit Bitterstoffen beliefern zu können, und um unseren Landwirten eine neue Erwerbsquelle zu erschließen. Da für die getrockneten Zapfen verhältnismäßig hohe Preise bezahlt werden, verspricht der Hopfenanbau eine lohnende Beschäftigung zu werden. Selbstverständlich kommen für die neue Kultur, die viel Fleiß und Sorgfalt erfordert, nur solche landwirtschaftlichenBetriebe in Betracht, die über genügend Arbeitskräfte verfügen. Es ist zu begrüßen, daß unsere einheimischen Bierbrauereien sich für die Neuanlagen interessieren und die lobenswerte Initiative finanziell unterstützen. Die Diekircher Brauereigesellschaft wird im nächsten Herbst in zuvorkommender Weise das Trocknen der Fruchtzapfen besorgen und einen Brauversuch damit anstellen" (Obermoselzeitung, 27.6.1947).

"Aus dem SauertaI. Die in diesem Jahr durchgeführten Hopfenanbauversuche in 5 verschiedenen Ortschaften (Schieren, Gilsdorf, Bettendorf, Moestroff und Bastendorf) haben ein befriedigendes Ergebnis gebracht. In den letzten Wochen wurden die Fruchtzapfen geerntet und an eine belgische Brauerei unweit Dinant verkauft, welche das Dörren der Zapfen besorgt und einen Brauereiversuch damit anstellen wird" (D'Unio'n, 3.10.1947).

Pharmazie


Huile grise

Seringue du Dr. BARTHELEMY

 

Quecksilber äusserlich  und per os 

In der Medizin wurde Quecksilber schon von den arabischen Ärzten, aber nur äusserlich angewandt. Mit Fett oder eigenartigen Mischungen verrieben, als graue Salbe oder Quecksilberresorbin, wurde es zu Einreibungen in die Haut angewendet als Mittel gegen Parasiten, besonders aber gegen die Syphilis (Schmierkur). Derartig mit Fett, Pulver etc. feinverriebenes Quecksilber nannte man auch "getötetes Q".

 

 Erst Van SWIETEN (1733-1803) verallgemeinerte die innerliche Anwendung.

 

Quecksilber s.c.

Die Erfindung der Spritze sollte die Quecksilbertherapie revolutionieren: In England begannen Charles HUNTER und Barclay HILL 1856 damit, Quecksilberpräparate zu spritzen, gefolgt in Österreich von HEBRA 1864, der Quecksilberoxyd in hoher Dosierung injizierte und SCARENZIO in Italien, der 1865 Calomel injizierte – alles sehr schmerzhafte Therapien.

"1885 gab Prof. Eduard LANG (1841-1916) das "graue Öl" an, eine Lösung von feindispersem Quecksilber in einer öligen Lösung, die s.c. gespritzt wurde: "Im Jahre 1885 (siehe Bericht des Innsbrucker naturw.mediz. Vereines Jahrgang XV, pag. XX) empfahl Prof. E. Lang zur Allgemeinbehandlung der Syphilis subkutane Injektionen eines aus Quecksilbersalbe und Oel bestehenden Präparates, das er „graues Oel“ nannte; seit dieser Zeit wurde dasselbe an seiner Klinik in Innsbruck regelmässig angewendet" schrieb J. TROST 1888 in der Wiener Med. Wochenschrift.. Andere Kliniker spritzten das Mittel i.m. - eine entsprechende Doktorarbeit finden wir 1888.

 

Während TROST 1888 in Wien eine leicht modifizierte Pravaz-Spritze benutzte, zogen andere eine besondere Spritze vor: "On ne saurait trop engager les médecins à se servir d'une seringue spéciale, construite sur les indications de M. le Dr. Barthélémy, par Monsellier" (La Gazette médicale du Centre, Revue mensuelle, 1903 S.75).

 

Zusammensetzung

"Mercure purifié   40
Graisse de laine   26
Huile de vaseline  60
flambez soigneusement à l'alcool un mortier et son pilon, placez-y le mercure et la graisse de laine, battez jusqu'à extinction du métal. Ajoutez peu à peu la vaseline en battant jusqu'à obtention d'un mélange homogène".

 


Lit.:

Balzer, Des accidents locaux déterminés par les injections de calomel et d'oxyde jaune suivant la méthodede Scarenzio, in: Bull.méd. 1887 S.249.

Balzer, Recherches sur les lésions nécrosiques causées par les injections sous-cutanées de préparationsmercurielles insolubles, in: Société de Biologie 7/VII und 3/XI 1888.

Balzer, Reblaub, Recherches expérimentales sur les injections intra-musculaires d'huile grise et d'oxyde jaune. Cpt. rend. des séances de la soc. de biol 3. Nov. 1888.

Léopold-François Briend, Traitement de la syphilis par les injections d'huile grise [Oleum cineseum]. Jouve, 1888. Thèse doctorale.

Julien Isay, Traitement de la syphilis pendant la grossesse par l'huile grise, Faculté de médecine de Paris, 1903. Thèse doctorale.

René Lalanne, L'huile grise dans le traitement de la syphilis et la stomatite mercurielle à forme tardive, Edition Steinheil, 1909.

Touren, Contributions au traitement de la syphilis par d'injections intra-musculaires d'huile grise, in: Arch. de méd. navale, Paris 1898, LXIX S.296-300.


 

Exponat

Seringue du Dr. Toussaint BARTHELEMY (1850-1906)  pour Huile grise
Pharmacie F. Vigier, 12 bd. Bonne Nouvelle, Paris
Déposé N° 22.123.


Avis important
Pour stériliser la seringue, inutile de la faire bouillir, il suffit de la remplir d'huile grise, de laisser en contact quelques heures et de rejeter cette première huile. La seringue reste indéfiniment aseptique, le Hg étant un antiseptique puissant.

Pharmazie


Infundierapparat resp. Dekoktorium

um 1880 

Kaiser Friedrich II. von Hohen- staufen hat um 1240 die Ausübung der Heilkunst in zwei Berufe geteilt – in den des Arztes und in den des Apothekers, weil er erkannte, dass die Aufgaben in der Heilung des Kranken zu mannigfaltig sind, um sie einer Berufsgruppe allein aufzuerlegen. Was er zuerst für das Königreich Sizilien und Unteritalien – er lebte ja ausschließlich in Palermo – geltend machte, kam etwa 60 Jahre später auch in den nördlichen Reichsgebieten zum Durchbruch. So finden wir 1303 die erste öffentliche Apotheke in Innsbruck und 1320 in Wien.
Im Laufe des 14. Jahrhunderts wandelte sich der Apotheker vom fliegenden Händler zum wohlhabenden Patrizier, der nicht nur Heilpflanzen, Gewürze und Drogen verkaufte, sondern auch selbst Arzneimittel in seiner Offizin herstellte. Später verlagerte sich die Arzneimittelherstellung von der Offizin in ein abgesondertes Labor, und noch heute wird der Verkaufsraum einer Apotheke als Offizin bezeichnet. Für die Entwicklung und Ausstattung eines Apothekenlaboratoriums war die Alchemie von großer Bedeutung. Allerdings verwendeten die Apotheker des 16. und 17. Jahrhunderts anders als ihre Kollegen aus der Alchemie ihr Wissen zur Herstellung von wirksamen Arzneimitteln. An die Stelle der alchemistischen Techniken trat ab der Mitte des 18. Jahrhunderts die pharmazeutische Chemie.

Zur Inneneinrichtung eines grösseren Laboratoriums gehörte klassisch ein Athanor, ein Langzeitbrennofen, der bis ins 18. Jahrhundert gebräuchlich war. An den Wänden reihten sich technische Laborgläser aneinander, die vor allem zur Destillation verwendet wurden (Retorten, Destillierhelme (Alembices), Vorlagegefäße, Kolben und Phiolen unterschiedlichster Farb- und Formgebung). Daneben standen Gerätschaften wie Filtriergeräte, eine Salbenmühle, ein Reihe Tinkturenpressen, Schmelztiegel verschiedener Größen und (beispielhaft für jüngere Zeiten) Berzeliusbrenner, Woulffsche Flaschen, Polarisationsapparat und andere Geräte des analytischen Laboratoriums.

Die medizinalischen Theegetränke unterscheiden sich grundsätzlich in drei Herstellungsarten
- den Aufguss (frz. une infusion). Für einen Aufguss oder Thee werden die frischen oder getrockneten Pflanzentheile mit heißem oder kochendem Wasser übergossen und darin für eine bestimmte Zeitspanne belassen. Dann wird abgeseiht.
- das Dekokt (frz. la décoction, le décocté) [décocter heist im vulgären Argo-Französisch soviel wie "chier" und "déféquer" - sch...n ]
- das Macerat (frz. une macération). Das Macerat oder auch Kaltauszug genannt, ist für die Ingredienzien von frischen Blütenthees die schonenste Methode. Hier wird einfach kaltes Wasser über die Pflanzentheile gegossen und das Ganze für mindestens ½ Stunde bis zu 24 Stunden kühl und am besten im Dunkeln stehen gelassen.

Ein Dekokt (lat. decoquere, decoctum = abkochen), Abkochung oder Absud ist ein wässriger Extrakt, der durch das Kochen von festen Drogen, wie Hölzern, Rinden, harten Blättern und Wurzeln (evtl. auch Fleischstücke und Insektenhüllen) gewonnen wird. Er wird meist mit kaltem Wasser angesetzt und erst dann zum Kochen gebracht. Die Kochdauer hängt von den jeweils verwendeten Rohstoffen ab. Je nachdem, welcher Inhaltsstoff extrahiert werden soll, muss eine kürzere oder längere Dauer angesetzt werden: Das sind Kochzeiten von ca. 8 - 30 Minuten oder mehr, auch ein Ansetzen über Nacht ist möglich. Manche Kräuter werden anschließend gefiltert oder abgeseiht. Für die Abkochung kann in der Regel eine kleinere Menge Kraut (ca. 1/3 weniger) als beim Aufguss verwendet werden. Als Faustregel gilt: 12 Stunden vor dem Kochen einweichen; Kochzeit je nach Dicke der Pflanzentheile (von kurz Aufkochen bis zu 2 Stunden simmern); und niemals über längere Zeit volles Rohr brodeln lassen, es sei denn, es ist ausdrücklich im Rezept erwähnt. Durch Auskochen von Pflanzen oder Pflanzenteilen werden Aromen und/oder Wirkstoffe aus den Pflanzen gezogen. Eine optimale Freisetzung der Wirkstoffe wird durch wenig Droge in einer großen Menge an Menstruum (Wasser) erreicht. Bei der Zubereitung als Aufguss und Dekokt ist von Bedeutung, dass die Pflanzen mit geschlossenem Deckel ziehen beziehungsweise auskochen, da sich bei diesem Vorgang meist therapeutisch besonders wirksame ätherische Öle bilden, die besonders flüchtig sind und ansonsten verloren gehen würden. Speziell für Kinder kann man das konzentrierte Dekokt mit Sirupus Simplex versetzen. Dabei ist zu beachten, dass durch den veränderten Geschmack auch die Wirkung des Dekoktes beeinflusst werden kann.

Die vom Arzt erstellte Rezeptur wird vom Apotheker zusammengestellt und aufbereitet. Die Methode ist der westlichen Welt etwas ausser Mode geraten. So schrieb Dorvault bereits 1910 (L'Officine, Paris S. 1395):
"Ce mode, très employé jadis, est, avec de justes raisons, presque abandonné aujourd'hui... on a recours à la décoction toutes les fois que les matières que l'on veut atteindre ne peuvent se dissoudre que par une action prolongée de l'eau et de la chaleur. C'est pour cette raison que l'on traitera par décoction les semences des céréales, le lichen, le chien-dent, le gaïac; c'est pour cette même raison encore que l'on traitera par une ébullition prolongée les membranes animales, les os, le corne de cerf, pour obtenir la gélatine qui n'y préexiste pas, et ne se forme que dans cette condition"

In der TCM werden Dekokte aus 8 und mehr Kräutern eingesetzt – die Flüssigkeit wird innerhalb von mehreren Stunden langsam getrunken.
Das Dekokt kann entweder normal im Kühlschrank (nicht in Thermosflaschen) oder ähnlichem aufbewahren (Gefahr der Gährung!). Allerdings ist eine mehrstündige Aufbewahrung nach dem Erhitzen für die Tagesration möglich. Im Kühlschrank ist das Dekokt bzw. der Tee bei normalen Kühlschranktemperaturen ca. 1 Woche haltbar.

Aus dem Bestand des Apothekenlabors Alphons ENGELDINGER (1912-2003) in Esch stammt das hier vorgestellte „Dekoktorium“ [unter dem Begriff "decoctor" bezeichnet der Lateiner einen Verschwender öffentlichen Besitzes!], mit der 2 Behälter im „Bain Marie“ geheizt wurden (Schnellinfundiergerät von Mürrle).
- rechts im Bild: Gehäuse in leicht konischer Zylinderform aus massivem dickwandigem Zinn mit Messingmanschette und keilförmigen Führungen aus Messing; Deckel ebenfalls aus masivem Zinn mit Überfang aus Messing; Deckelgriff in Kugelform aus Holz; Handhabe ( seitl. Griff ) aus Holz (Höhe 18 cm)
- links im Bild: Porzellanbehältnis mit Originaldeckel.

 

Ein ähnliches Gerät, mit nur einem Tiegel, findet sich im Katalog von Felix Bauer "Laboratoriums-Apparate und Utensilien S. 216, 1912.

In der Melm'schen Hirsch-Apotheke in Oerlinghausen wird ein typengleiches Dekoktorium gezeigt. Wie bei unserm Gerät verfügt es über zwei unterschiedliche Infundierbüchsen: eine aus Zinn und eine aus Porzellan 

Link
www.apotheke-sommer.de/decocta_und_infusa.htm

Zu den Kännchen
Die beiden Kännchen werden auch als "Infundierbüchsen" bezeichnet. Es gibt sie in Zinn und in Porzellan...

Weiterentwicklung des Gerätes
In der TCM wird das Dekokt zumeist von den Patienten zu Hause selber zubereitet. In modernen Spitälern und Apotheken in China werden heute spezielle Maschinen verwendet (engl. decoctor), welche die Kräuter kochen und trinkfertig in Plastikbeutel verschweissen. Die Patienten erhalten Portionen für die bequeme Einnahme während einer oder zwei Wochen.

Die wohl bekannteste Rezeptur eines Aufgusses ist das Infusum Ipecacuanhae, das noch vor wenigen Jahrzehnten regelmässig in Apotheken hergestellt wurde.

Zur Herstellerfirma Mürrle/Pforzheim
1889 Brauerei Gustav Adolf Mürrle
1894 Brauerei Mürrle & Co
Gg. Jb. Mürrle /Pforzheim (Archiv Deutsches Museum /München).

Keine Angaben zur Herstellerfirma unseres Gerätes auf Internet zu finden. Ein sehr ähnliches Gerät ist im Apothekenmuseum Bad Münstereifel ausgestellt.

Pharmazie


Infundierapparat (2)

Infundiergerät
 

Ein elektrisch betriebenes Dekoktorium der Bielefelder Fa. KLEINESDAR macht den Übergang vom aether- resp. gasbefeuerten Gerät zur Moderne.

 

Besagte Firma wurde 1933 von Hermann Kleinesdar gegründet zur Herstellung von elektrischen Getreidetrocknern. Der Tradition Bielefelds als Leinenstadt folgend, wurde das Sortiment schon bald auf elektrische Bügeleisen erweitert. Von der Herstellung von Dekoktorien steht in der Firmengeschichte nichts, da es sich vermutlich um Einzelanfertigungen handelte. Nach kurzer Zeit baute sich ein fester Kundenstamm auf, so dass sich das kleine Unternehmen von Anfang an gut am Markt behaupten konnte. Nach dem frühen Unfalltod von Hermann Kleinesdar im Jahr 1947 wurde die Firma von seiner Frau Dora weitergeführt. Die Doppelbelastung als Mutter eines kleinen Jungen und Firmeninhaberin konnte sie nur mit Hilfe ihrer Mitarbeiter bewältigen. Alle packten engagiert mit an, so dass Hans-Hermann Kleinesdar direkt nach seiner Lehre in die Firma einsteigen konnte. Seine Grundkenntnisse der Elektrotechnik erweiterte er in den laufenden Jahren durch Fortbildung, so dass die technische Entwicklung der Heizungen stets weiter ging. Obwohl sein Interesse in erster Linie der Technik galt, erkannte Hans-Hermann Kleinesdar Mitte der 60er Jahre, dass sich das Produktspektrum auf Dauer weiterentwickeln musste. Der Niedergang des deutschen Textilgewerbes wurde von ihm frühzeitig erkannt. Bei seiner Suche nach neuen Geschäftsfeldern führte Hans-Hermann Kleinesdar die Produktion von Rohrheizkörper ein. Vorangegangen waren intensive Marktbeobachtungen und Gespräche mit einem Maschinen-hersteller aus Schweden, mit dessen Hilfe die neue Produktionslinie aufgebaut wurde. Da die technischen Grundlagen dem bisherigen Geschäftsfeld sehr ähnlich waren, gelang es schnell, die Rohrheizkörper in die Produktion vollständig zu integrieren. Im Laufe der Zeit lösten die Rohrheizkörper die Bügeleisen und Getreidetrockner vollständig ab. Das Unternehmen entwickelte sich zu einem erfolgreichen Hersteller von kundenorientierten Lösungen im Bereich der Elektrowärme. Nach dem Tod von Hans-Hermann Kleinesdar im Jahr 1999 wurde die Firma kurzzeitig von seiner Frau Helga Kleinesdar weitergeführt. Sie erkannte schnell die Notwendigkeit der betrieblichen Umstrukturierung zu einer GmbH. Zusammen mit ihrem Sohn Thomas Kleinesdar führt sie seitdem die Firma. Im Jahr 2008 wurde durch Herrn Rainer Bischof das Vertriebsbüro Lindlar gegründet. Ulrike Gaskamp, Tochter von Helga und Hans-Hermann Kleinesdar, hat unterdessen die Produktionsleitung im Bielefelder Werk übernommen. Zum 01. Januar 2010 wurden die neuen Räumlichkeiten in Bad Salzuflen bezogen.

Pharmazie


IOD-Tinktur (1)

um 1940 

 

  Der französische Chemiker Bernard Courtois (1777-1838) entdeckte das Element IOD im Jahre 1811 bei der Herstellung einer Lauge, die er aus der Asche von Seetang (Laminaria) gewann. Versetzte er die Lauge mit Schwefelsäure, stiegen beim Erwärmen violette (Iod)-Dämpfe auf, die an gekühlten Wänden zu grauschwarz glänzenden Kristallen sublimierten. Sir H. Davy und Joseph Louis Gay-Lussac erkannten etwas später den Elementcharakter des Iods. Sie gaben dem Element seinen Namen nach dem griechischen Wort ioeidés ("violett", "veilchenartig"). Das chemische Symbol I schlug J.J. Berzelius im Jahre 1814 vor.

 

  IOD wird in der Medizin als antiseptisches und zugleich blutstillendes Mittel verwendet (Iodtinktur). Iodtinktur ist ein verschreibungspflichtiges Desinfektions- mittel für Wunden. Es wird vermutet, dass die desinfizierende Wirkung auf die Abspaltung von Sauerstoff aus Wasser beruht. Dieser Sauerstoff ist kurz nach seiner Freisetzung besonders reaktions- fähig (in statu nascendi).

 

  Früher wurde Iodtinktur (eine 5 – 10 %–ige Lösung von Iod in Ethanol) zur Desinfektion von Wunden verwendet. Die Tinktur löst ein starkes Brennens aus und ist deshalb denen, die damit in Berührung kamen, oftmals nicht in guter Erinnerung. Heute benutzt man dafür organische Iodkomplexe.

 

 

Exponat

Vorgestellt werden zwei Fläschen, das linke mit einem Stöpsel aus Glas, das zweite mit einer Pipette, die in einem Gummistöpsel steckt. Iodtinktur reagiert mit Sonnenlicht, die Flüssigkeit wird daher obligat in braunen Fläschchen aufbewahrt.