Pharmazie


Heftpflaster (1)

 

 

   "Emplastra waren zum äußerlichen Gebrauch bestimmte Arznei-zubereitungen, deren Grundmasse aus Bleisalzen höherer Fettsäuren bestand und durch Kochen von Bleiglätte mit Fetten hergestellt wurde. 
Für das einfache Bleipflaster (Emplastrum Lithargyri) wurden nach dem Deutschen Arzneibuch je 1 Teil Erdnussöl, Schweineschmalz und Bleiglätte benötigt. Die Blei- Pflaster wurden in Tafeln, Stangen oder Stücke von verschiedener Form gebracht oder auf Stoff gestrichen. Sie waren bei gewöhnlicher Temperatur fest und in der Hand knetbar. Im 19. Jahrhundert waren sie eine verbreitete Arzneiform. In der Rezeptur der Privilegierten Apotheke gab es eigens einen Schrank mit diversen Schubladen zur Aufbewahrung der Pflaster. Dort wurden die Emplastra locker zwischen Pergament oder Wachspapier gelagert.



Das einfache Bleipflaster behielt bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts seinen Platz in der Apotheke: 2 Teile Bleipflaster wurden nach dem Arzneibuch mit 3 Teilen weißem Vaselin zur Bleipflastersalbe (Unguentum diachylon) verarbeitet, welche noch häufig in Salben- Rezepturen Verwendung fand. Der Pflastermasse wurden verschiedene Wirkstoffe beigefügt. Zur Herstellung wurden zunächst die schwer schmelzbaren Stoffe für sich geschmolzen. Beigefügt wurden zum Beispiel zum Belladonna-Pflaster mit Wachs und Terpentin extrahierteTollkirsch- Blätter. Auch Canthariden-Pflaster waren sehr beliebt. Die gepulverten Spanischen Fliegen, die stark die Durchblutung förderten und auch als Aphrodisiakum (Liebesmittel) benutzt wurden, wurden dazu in Terpentin gelöst und mit Erdnussöl und Wachs geschmolzen. Für das Capsicum-Pflaster, das spätere ABC-Pflaster, wurde Capsicum-Extrakt vorher in Harz geschmolzen, das fertige Pflaster war mit Drachenblut rot zu färben. Die älteste Art der Pflaster wurde Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Kautschukpflaster (Collemplastra) verdrängt, welche hauptsächlich als gestrichene Pflaster mit Pflasterstreich-maschinen hergestellt wurden. Um ein Heftpflaster herzustellen (Emplastrum adhaesivum) wurde dem Bleipflaster Geigenharz, Dammarharz oder Kautschuk beigefügt, die dem auf Stoff gestrichenen Bleipflaster Klebkraft verleihen sollten. Apotheker Beiersdorf entwickelte später das Zinkoxid-Kautschuk-Pflaster (Collemplastrum Zinci), das als Hansaplast weltberühmt wurde"
(zit.: http://www.apotheke-sommer.de/emplastra.htm).

 

- 1882 liess der Hamburger Apotheker Paul Carl BEIERSDORF (1836-1896) sein medizinisches Pflaster patentieren, ein Guttapercha-Pflaster. Sein Unternehmen wurde 1890 von einem Geschäftsmann übernommen, tr*agt aber immer noch seinen Namen. 1922 kam Hansaplast (Die Firma war in der Hansestadt Hamburg niedergelassen !) als Wundschnellverband in den Handel ...


- 1920 erfand Earle Dickson (1892-1961), Angestellter der US-Firma Johnson & Johnson, das Heftpflaster neu, als sich seine Ehefrau Josephine Frances Knight bei Küchenarbeiten immer wieder in die Finger schnitt - und die dick bandagierten Finger bei der Arbeit hinderlich waren. Er verband Streifen von chirugischem Klebeband zusammen mit kleinen Stückchen Mullbinde, bereitete sie auf Vorrat vor und deckte sie ab, um sie steril zu halten. 1924 begann bei Johnson&Johnson die Massenproduktion des neuartigen Verbandmaterials unter der Bezeichnung "Band-Aid", das US-Patent datiert von 28.12.1926. Ab 1939 wurde das Material in steriler Form in den Handel gebracht - rechtzeitig für den EIntritt der USA in den 2. Weltkrieg.

 

Exponat

Vorgestellt wird eine Blechdose der "Laboratoires ZYMA-GALEN" (heute von Sanofi absorbiert), in der Heftpflaster als Meterware (1 Meter x 3 cm) angeboten wurde: Formule: "Res. Elast. Tereb. Res. Dam. Res. Oliban Zinci.ox" - eine Zinc-Salbe auf einem fortlaufenden Pflaster. Von der Firma Sander wird wird z.Zt. "Saniplast" ein Pflaster in den gleichen Massen 1mx3cm angeboten.