Geburtshilfe


Basiotribe n. TARNIER

 

 

   1883 gab der französische Geburtshelfer Stéphane TARNIER (1828-1897) ein Instrument an, das er "Basiotribe" nannte. Im folgenden Jahr entspann sich in der Fachliteratur eine lebhafte Diskussion, bei der grosse Uneinigkeit darüber herrschte, ob das Instrument sinnvoll sei. 

 

"Das 1883 erfundene Instrument soll vor Allem die Basis cranii zertrümmern, daher sein Name. Der Kephalothrypter Baudelocque's zertrümmert wohl den Kopf, wenn er gut gefasst ist, aber gerade das Fassen und dann das Ausziehen, ohne dass das Instrument ausgleitet, bildet die Schwierigkeit. Der Kranioklast Simpson's in seinen Verbesserungen von Braun, Fabbri etc., der Forceps-scie, die Instrumente von Lazarewitsch geben gute, doch nicht befriedigende Resultate. Einen über dem Beckeneingang stehenden Kopf vermag aber der Kranioklast weder zu verkleinern, noch durchzuziehen, es sei denn, dass es gelingt, die Basis cranii zu erfassen: er ist ein gutes Zug-, aber ein schlechtes Zertrümmerungsinstrument Der Basiotribe soll den gerügten Mängeln abhelfen. Er besteht aus 3 Branchen, einer centralen und zwei seitlichen. Die centrale, mittlere Branche ist ein Perforator in Bohrerform, welcher bei Hinterhauptsstellung bis zum Stirnbein vorgetrieben werden soll. Wird nun die einem schmalen, gefensterten Zangenblatte ähnliche, mit einem Ausschnitt versehene linke Branche durch Einschnappen in eine geknöpfte Achse des Perforatorium geschlossen, so ist das Instrument gleich einem Kranioklast zu gebrauchen. Zeigt das dermaassen angelegte Instrument Neigung zum Abgleiten, so kann man das Perforatorium in das Keilbein einbohren. Will man den Kopf noch weiter verkleinern, so wird die rechte, dritte Branche eingeführt. Dieselbe ist etwas länger als die linke und wird mittels Ausschnitt und geknöpfter Achse, die sich auf der zweiten Branche befindet, geschlossen. Jetzt ist das Instrument ein Kephalothrypter, dessen Halt am Kopfe durch die centrale Branche, den Bohrer, gesichert wird. Das Diagramm des zertrümmerten Kopfes ist 8förmig. Bei einem Fall von Beckenenge mit 6 cm Conjugata vera gelang es binnen 20 Minuten die Basiotripsie zu vollenden (Frau inficirt aufgenommen, starb nach zwei Tagen). Schildert noch weitere Fälle, um die specielle Anwendung in verschiedenen Kindeslagen zu zeigen. Bei Gesichtslagen tritt stets das Kinn in das Fenster einer Aussenbranche, wodurch das Instrument an Halt gewinnt, und empfiehlt B. dasselbe, weil es die Vortheile der Kranioklasie und Kephalothrypsie in sich vereinigt. Simpson (Edinburgh) erkennt in dem Basiotribe ein vorzügliches Instrument zur Zertrümmerung und Ausziehung des Kopfes, möchte aber doch das Hauptgewicht legen auf die intracranielle Zerbrechung der Basis cranii. Ist diese erreicht, dann bietet der Kranioklast für die Extraction geringere Schwierigkeit und geringere Gefahren, da er von den Weichtheilen des Kopfes gedeckt ist und bei seiner Anwendung Infectionskeime nicht so leicht tiefer in den Uterus geschleppt werden. Den genannten Zweck lässt der von ihm construirte Basilyst vollkommen erreichen, so dass die Extraction sogar nur mit dem Finger besorgt werden kann"

 


Jennings (London): "Ein gewöhnlicher Forceps kann nach der Perforation hinreichen, den Kopf auszuziehen. Man bedarf gar kein diesen so zermalmendes Instrument wie den Basiotribe" (Archiv für Gynäkologie, Bd. 23, Berlin 1884).

 

Anders der Geburtshelfer Ribemont-Dessaignes, der 1914 schrieb:
"Le basiotribe a remplacé aujourd'hui complètement le céphalotribe, en France du moins; c'est un instrument que tout praticien doit avoir dans sa trousse".

 

Exponat

Vorgestellt wird ein Instrument mit Lederschutzkappe - mit seiner Stofftasche - aus dem Besitz des ab 1923 in Diekirch niedergelassenen Arztes Paul HETTO (1890-1973). Gewicht 1429 g! Noch besass das Instrument keine 2. Schraube, um den Perforator zu fixieren - moderne Basiotribe besitzen 2 Flügelschrauben!