Geburtshilfe


Lebensborn Moselland

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Entbindungsanstalt der besonderen Art...

Nachdem die Deutschen Besatzer 1940 Marcel Noppeney, den Besitzer des Bofferdinger Schlosses, durch die Einlieferung in das Konzentrationlager Dachau aus dem Wege geräumt hatten, übernahm die SS den herrlich gelegenen Landsitz. Das von hohen Mauern umringte Anwesen wurde in ein hochmodern eingerichtetes Heim verwandelt, mit Prachtmöbeln und Luxus-Badewannen. Unter der Befehlsgewalt von SS-Sturmbannführer Damm griffen Bauleiter Diehl und sein Gehilfe Huck auf dienstverpflichtete deutsche "Zeugen Jehovas" zurück [die jede Gelegenheit nutzten, um den Londoner Rundfunk im entlegenen Gärtnerhaus heimlich abzuhören], um den Umbau zu bewerkstelligen.

Nach der Vollendung im Sommer 1943 wurde das Heim als "Kinderbewahranstalt" getarnt, Leiterin wurde die zivile Schwester "Petroschka". In Wirklichkeit handelte es sich um eine Lebensborn-filiale.

 

Über die Verhältnisse in Bofferding ist uns nichts bekannt. Wer kam hier nieder?

- Vermutlich kamen hier Luxemburgerinnen nieder, die einem "arischen" Soldaten oder Gefolgsmann erlegen waren, sog. "Preisesch-Houeren" und sich nicht trauten, vor aller Augen in der staatlichen Entbindungsanstalt auf der Arloner Strasse zu entbinden, Kollaborateurinnen, die nach Kriegsende kahlgeschoren, auf die Strasse gesetzt wurden. Wehrmachtskinder - was wurde aus ihnen?
- Möglicherweise kamen hier nicht verheiratete einheimische Mütter, ohne politische Verbildung, die sich durch die Aufnahme im Lebensborn einer sozialen Ächtung entzogen, in einer Zeit, als die Gesellschaft alle ledigen Mütter verachtete und es gängige Praxis war, unverheiratete Beamtinnen, Lehrerinnen den Posten zu kündigen... Doch nicht jede ledige Schwangere konnte in den Born: sie musste nachweislich arischer Rasse sein, genetisch nicht belastet. Vor allem aber musste der Kindserzeuger bekannt sein, die gleichen rassischen Merkmale erfüllen und sich zur Vaterschaft bekennen!

- ledige deutsche Frauen die fern ihrer Heimat in aller Stille entbinden wollten.

- unpolitische Ehefrauen von Nazigrössen (SS, Polizei). Sie waren angetan von den Lebensbornheimen, die im Grünen ein fast idyllisches Leben gewährleisteten, abseits insbesondere der bombengefährdeten Grossstädte.

Über die Identität der "Gäste" der Borne war die Öffentlichkeit kaum unterrichtet und es dürfte heute schwer fallen, die Spuren der Mütter und der in Bofferding geborenen Kinder zu verfolgen.

 

Das Vorrücken der alliierten Truppen setzte den Anstalten ein jähes Ende, auch dem Bofferdinger Born: Am 9.9.1944 kam der Befehl zur Räumung. Die Insassen flüchteten Hals über Kopf. Eiligst wurden Möbel und Haushaltsartikel auf Pferdewagen verfrachtet, um per Bahn nach Osten weiterbefördert zu werden. Da jedoch der gesamte Eisenbahnverkehr bereits zum Stillstand gekommen war, blieben die ausgeladenen Möbel auf dem Vorplatz des hauptstädtischen Bahnhofes liegen....." (H. Koch-Kent).

 

Exponat

Aus dem (am HBf Luxemburg zurückgelassenen?) Fundus des Lebensbornes blieb wenig erhalten. Vorgestellt wird eine schwere Suppenterrine aus der Produktion der noch heute sehr erfolgreichen Fa. Bauscher /Weiden (siehe Stempel rechts unten). Der Stempel rechts oben bezeugt, dass das Produkt den Kriterien des Reiches entsprach und würdig war, ein Swastika zu tragen...

 

Lit.:
Marc Hillel, Au nom de la race, Éditions Fayard, 1975.

Henri Koch-Kent, Bofferdingen-Hünsdorf, in: Revue 1969.

Robert Krantz, Luxemburgs Kinder unter dem Nazi-Regime. Ein Dokumentarbericht. Band II: Erziehung zum Krieg. Édtions Saint-Paul, Luxemburg 2001, 1043 S.

G. Lilienthal, Der Lebensborn e.V., ein Instrument nationalsozialistischer Rassenpolitik, Gustav Fischer-verlag Stuttgart 1985.

M. Noppeney, in: Brochure éditée à l'occasion de son 25-ième anniversaire par la Fanfare de Helmdange, 1953, S. 42.

Dorothee Schmitz-Köster, Deutsche Mutter, bist du bereit, Alltag im Lebensborn, 1997.

Claudia Sandke: Der Lebensborn e.V. Eine Darstellung der Aktivisten des Lebensborn e.V. im Kontext der nationalsozialistischen Rassenideologie. 2008.

Dorothee Schmitz-Köster/Tristan Vankann: Lebenslang Lebensborn. Die Wunschkinder der SS und was aus ihnen wurde. Piper Verlag, München 2012 (20 Porträts mit Fotos von Tristan Vankann).

 

 

Nota: auf Wunsch von Frau Astrid Eggers, 1. Vorsitzende des Vereins "LEBENSSPUREN DEUTSCHLAND", der die (berechtigten) Interessen der in Lebensbornen geborenen Kinder vertritt, betone ich, dass die bislang an dieser Stelle wiedergegebene Auffassung, Lebensborne seinen "auch Edelbordelle" gewesen, von der neueren Forschung widerlegt wurde. Wer das Thema vertiefen möchte, kann dies tun auf der homepage des o.g. Vereines  

http://www.lebensspuren-deutschland.eu