Chirurgie


Schröpfköpfe (7)

Chinesische Schröpfköpfe
 

 

Im traditionellen China wurden in früherer Zeit die Schröpfköpfe aus Tierhörnern (Kuh- und Antilopenhörner) hergestellt, später aus Bambus. Bambus ist ein mytisches Material im fernen Osten – man denke an Malakas und Maganda, das erste Menschenpaar, das nach philippinischer Mythologie aus einem gespaltenen Bambus entsprungen ist.

 

Patienten empfinden die Bambusröhrchen komplett anders als Glasglocken, die weniger Wärme abgeben, da bei ihnen nur die Luft aufgewärmt wird. Zu den klassischen Glasglocken besteht eine Reihe von Unterschieden.

 

- Bambus-Schröpfköpfe werden weder mit dem Mund angesaugt, noch mit heisser Luft: sie werden im Kräutersud gekocht und dann auf die Haut aufgesetzt: man nennt dieses Verfahren daher "nasser Schröpfkopf". Cave Verbrennungen mit den aus dem heissen Sud entnommenen Bambusrohren!

 

- da der Rand der Glasglocken meist etwas wulstig gearbeitet ist, während der untere Rand der Bambusrohre eher dünn ist, nehmen die Bambusglocken auf der Haut weniger Platz ein, man kann deren folglich mehr auf knappem Raum unterbringen.

 

- wegen ihres schmalen Randes schneiden Bambusrohre ein bisschen ein – der dabei ausgelöste Schmerz ist einer der Gründe, warum Bambusglocken heutzutage eher unbeliebt sind.

 

- ein weiterer Grund für ihr Verschwinden vom Markte ist, dass sie nicht zuverlässig sterilisiert werden können.

 

- da Bambusröhrchen langsamer auskühlen als Glasglocken, bei denen ja nur die Luft erhitzt wird, haften sie langsamer – nichts für eilige Therapeuten.

 

Exponat: 2 Saug-Rohre aus Bambus, Shanghai 2016.