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Bidet

um 1800 

In einer Zeit, als sexuelle Freizügigkeit hohe Wellen schlug - unter Louis XV - erfanden die Hofschreiner ein tragbares Waschbecken, in dem die Schönen bei Hof ihre strapazierten Intimpartien säubern konnten: das Bidet war geboren. Das Ausspülen der Scheide in diesen Bidets gehörte alsbald zu den klassischen Methoden der Kontrazeption - die "feine" Bourgeoisie verbannte die Bidets daher in die "maisons closes" sprich in die Bordelle... Heutzutage werden astronomische Preise für die "Dinger" bezahlt. Auf Ebay wurde 2007 ein Bidet aus der Zeit der Mme de Pompadour für stolze 6.500 Dollar angeboten !

Das Bild des französischen Malers Louis-Léopold Boilly (1761-1845) zeigt uns ein frivoles junges Mädchen bei der Toilette. Ein typengleiches Bidet konnten wir 2000 in Metz erwerben. Boilly wurde 1794 vom Comité de Salut Public wegen der Schlüpfrigkeit seiner Bilder vor Gericht gezerrt - und malte von nun an Bilder mit vaterländischen Themen, Heldenbilder und Porträts (Schluss mit lustig)...

Der Ausdruck "bidet" wurde 1534 von Rabelais erstmals benutzt für einen Esel, abgeleitet vom altfranzösischen (14. Jh) Verb "bider" im Trab gehen.

Man bezeichnet heutzutage unter "bidet" jedes kleine Pferd (lux. "e Biddi").

Da man sich auf das Intimbecken wie auf einen Sattel setzte, wurde der Begriff "bidet" im 18. Jh. für dieses "meuble de toilette" übernommen.

Im 18. Jahrhundert kamen die modernen Badewannen aus Metall auf, meist aus verzinktem Kupfer. Adlige Damen badeten wie Madame de Genlis damals gern in Gesellschaft im Salon; die Wannen waren nicht eingebaut, sondern mobil. Außerdem wurde die Sitzbadewanne eingeführt, die es auch in weitgehend geschlossener Form gab und die dann aussah wie ein Stiefel. In einem solchen Modell wurde Jean-Paul Marat ermordet. In Deutschland gab es dafür auch den Ausdruck Badestuhl; im 19. Jahrhundert gab es ihn auch mit einem eingebauten Ofen zum Erhitzen des Wassers sowie einer zusätzlichen Brause. Sitzwannen hatten den Vorteil, dass man für das Bad weniger Wasser brauchte. Auch sie eigneten sich vorzüglich zur Intimtoilette, allerdings sass die betreffende Person mitten in ihren Abgängen...

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Ovula (1) n. Apotheker SCHWEITZER

 

 

Die präventiven Mittel hießen zur Zeit Platons (427-347 v.Chr.) "Atkia" (z.B. Vitis agnus castus, Goldlacksamen, Myrrhe etc.) im Gegensatz zu den Abtreibungs-mitteln, die man "Phthria" nannte. Im christlichen Mittelalter wurde Kontrazeption zum Tabuthema.


- 1798 empfahl der Theologe R.T. Malthus (1766-1834) in "Essay on the Principle of Population" die sexuelle Abstinenz.
- 1822 forderte der englische Malthusianer Francis Place (1771-1854), selber Vater von 15 Kindern, die Zulassung präventiver Mittel.
- 1834 entfernte James BLUNDELL (1791-1878) erstmals einen Teil der Eileiter zwecks Sterilisation.
- 1880 nahm S.S. LUNDGREN in Toledo / Ohio anlässlich eines Kaiserschnittes eine sterilisierende Entfernung der Eileiter vor.
- 1936 sterilisierte der Schweizer P.F. BOESCH erstmals laparoskopisch ein Patientin (Schweiz. Z. Krankenh. 6 (1936) 62) [monopolare Technik].

 

Wirksame Präparate wurden unter scheinheiligen Bezeichnungen angeboten - u.a. als "Hygieneartikel" resp. "Sicherheitspessar".

 

Exponat

Vorgestellt wird eine Packung "antiseptischer" Sicher-heitszäpfchen mitsamt Inhalt im Originalzustand. Provenienz Raum Niederbayern.

Mit Scheidenovula, Cremes und Tabletten wird ein schäbiger Pearl Index von nur 8 - 43 erreicht (im Vgl. 0.2 - 0.7 mit der Pille).

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Ovula (2) nach Dr. PIERRE

 

Schon die alten Römer kannten empfängnisverhütende Scheidenzäpfchen. So empahl DIOSCORIDES Pfefferminze:
"Den Weibern aber vor dem Beischlaf im Zäpfchen eingelegt behindert er die Empfängnis".

Als im 19. Jahrhundert chemische Substanzen in kristalliner resp; reiner Form in den Handel kamen, bediente man sich dieser neuen Mittel. Aus den USA wurde diese kleine Schachtel importiert, in der um 1900 "hygienische" Zäpfchen verkauft wurden - unter der Theke, da derartige Artikel niemals zur Schau gestellt werden durften (Comstock-law) ...
In der Tat dienten die Zäpfchen, entgegen der Aufschrift auf der Verpackung, weniger der Hygiene, als vielmehr der Kontrazeption. Ebenderselbe unser Dr. PIERRE brachte seine "Boro-Pheno-Form suppositories" in Umlauf, deren Zusammensetzung bekannt ist:

  • boric acid
  • oxyquinolin sulfat
  • salcylic acid
  • sodium phenolsulfonate
  • methenamine
  • lactic acid
  • chlorthymol incorporaed in a suitable base.
    Die meisten dieser Substanzen waren starke Säuren: auch die "Boro-Pheno-Form-suppositories" dienten dazu, das Sperma in der Scheide abtöteten...

    Link. http://www.mum.org/patmed.htm

Kontrazeption


Patentex-Creme

PATENTEX 1960
 

 

   1908 gründete Friedrich Merz mit 24 Jahren sein Unternehmen in Frankfurt, zwischen 1909 und 1913 entstanden Filialen in Zürich, Wien und in Liechtenstein. 1911 entwickelte er das erste, kommerziell hergestellte, spermienabtötende Gel, das unter dem Namen Patentex® weltweite Verbreitung erfuhr. Von Ärzten und Apothekern mit Beifall aufgenommen, aber gegen den Widerstand von Kaiserreich und Kirche brachte Merz damit das erste lokale Verhütungsmittel auf den Markt.

 

"Merz, Friedrich *15.10.1884 in Groß-Bicherau / Odenwald, gest. 9.10.1979 in Rodau / Odenwald. Sohn eines Landwirten, war seit 1904 Apothekengehilfe in Freiburg / Schweiz und Metz und studierte anschließend an der TH Stuttgart. Nach dem Apotheker- und Chemischen Verbandsexamen 1907 machte er sich 1908 als Fabrikant für Apothekerbedarf selbständig und führte die kurz zuvor in England entwickelten Tuben für die Verpackung von Salben ein. Neben Tuben vertrieb er eine selbstkonstruierte Abfüllmaschine und stellte seit 1909 im eigenen Labor Salben und Tabletten für Apotheken und Droguerien her. Nach einem bereits 1905 patentierten Haarwasser entwickelte er u.a. das Verhängnisverhütungsmittel "Patentex" (1910) sowie die fettfreie, wasserlösliche und neutrale Salbengrundlage "Setol" (1911). Er gründete Niederlassungen in der Schweiz und Österreich (1911), Amerika und Grossbritannien (1920), schuf eine erfolgreiche vermarktete Menthol-zigarette und begann mit der Herstellung von Kosmetika (u.a. Placentubex"), wobei er bevorzugt Pflegeserien auf den Markt brachte" (Rudolf Vierhaus, Menghin-Pötel, Deutsche biographische Enzyklopädie).

 

Zusammensetzung

Patentex® bestand bis 1967 aus einer Zusammensetzung aus 2,66% Borsäure, 0,1% Formaldehydlösung, 3% Liquor Aluminii acetico-tartarici und 0,02% Chlorcarvacrol in wasserlöslicher "Serol"-Trägermasse mit Polyäthylenglycolphenoläther (Wolfgang Kliegel, Bor in Biologie, Medizin und Pharmazie, Bd.1, Springerverlag 1980 S.356). Jahrelang war es die ideale Ergänzung zum Scheidendiaphragma. Patentex war ein salbenartiges, jedoch fettfreies Präparat, das in einer Tube mit aufschraubbarem Mutterrohr angeboten wurde und als "Antiseptikum für die Vagina" in den Handel kam (Nachtrag I zu GEHES Codex der Bezeichnungen von Arzneimitteln, kosmetischen Präparaten und wichtigen technischen Produkten, Januar 1912 S.77).

 

Probleme bei der Werbung

Noch in einem Rezepttaschenbuch von 1923 (Rezepttaschenbuch von Ernst Frey, nebst Beiträgen von Ch. Harms, H. Hildebrand, Georg Otto, Erich Rapmund, P. Schenk, C. Siebert, Horst Straßner, P. Uhlenhuth, H Vogt) heisst es "Antiseptikum, Prophylaktikum gegen Geschlechtskrankheiten, ist ein Gemenge von Chinosol, geringen Mengen Alsol und Borsäure mit Stärkekleister als Grundlage (Hartung)" Der Hintergrund für diese Verschleierungstaktik ist die extrem restriktive Werbung: "Mit Gefängniß bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu eintausend Mark (..) wird bestraft, wer (..) Gegenstände, die zu unzüchtigem Gebrauche bestimmt sind, an Orten, welche dem Publikum zugänglich sind, ausstellt oder solche Gegenstände dem Publikum ankündigt oder anpreist", hieß es in Paragraf 184/3 des Deutschen Strafgesetzbuches (betr. pornographische Schriften!), das von 1900 bis in die 1970er-Jahre hinein Gültigkeit besaß. Insbesondere machte die sog, "Lex Heinze" eine offene Bewerbung von Kontrazeptiva unmöglich. Nachdem diese im Zuge der Novemberrevolution 1918/19 abgeschafft worden war, verbot Himmler am 21. Januar 1941 die Werbung für Verhütungsmittel auf ein Neues. Besagter Himmler-Erlass (der Werbung für und Verkauf von Verhütungsmitteln mit Ausnahme von Kondomen verbot) blieb nach Kriegsende in mehreren Bundesländern in Kraft. Der Zugang zu Kondomen wurde sogar erschwert. Lit.: Daphne Hahn Modernisierung und Biopolitik: Sterilisation und Schwangerschaftsabbruch in Deutschland nach 1945, Verlag Campus 2000 S.71/85 . In Deutschland wurde das Produkt eher vom Schwarzmarkt unter die Leute gebracht.

 

Eine interessante Arbeit über "Die Aufgabe von Patentex bei der Verhütung der Geschlechtskrankheiten" bei Frauen finden wir im "Ärzteblatt für Bayern" Nr.7 1937 S.92. DurchHinzufügung der Trikranolin-Komponente (Chlorcarvacrol u. Formaldehyd) zur Oxychinolinverbindung konnte eine auffallende Wirkungssteigerung gegenüber den Gonokokken erreicht werden. Trotz dieser spezifischen Wirkung kam es zu keiner Schleimhautreizung. Über die Behandlung der weiblichen Go. mit Patentex berichtet Popp.

 

Und jetzt?

Hier der Hilferuf einer Benutzerin vom 1.8.2006, als das Präparat aus dem Handel genommen wurde: "Hallo Leute, ich habe bis jetzt das Patentex Gel für mein Diaphragma benutzt. Jetzt wollte ich es in der Apotheke wieder kaufen und man sagte mir, dass es das nicht mehr gibt. Die haben dann im Computer nachgesehen und überhaupt kein contrazeptives Mittel mehr gefunden, das man mit einem Diaphragma verwenden könnte. Jetzt bin ich sehr verwirrt, Dia´s kann man noch kaufen aber nicht mehr benutzen, weil es kein Gel mehr dazu gibt?". Der Dame kann geholfen werden, z.B. mit CONTRAGEL® ...

 

Cave: bitte nicht den Montagekleber Pattex nehmen statt Patentex – das Zeug klebt ganz gemein und brennt!

 

Exponat: "Seit über 50 Jahren bewährt" – demnach nach 1960 in den Handel gekommene rote Original-Schachtel der Schweizer Handelsniederlassung Walter Baumann in Zürich mit einer angebrochenen Tube. Dabei eine ausführliche Gebrauchsaneisung und der Applikator aus Kunststoff. Nota: in grüner Schachtel gab es eine Nachfülltube.

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Portiokappe (1)

Portiokappe n. Marie STOPES, England um 1920 

Die Portiokappe ist eines der rätselhaften Verhütungsmittel. Sie ist in jedem Lehrbuch beschrieben, jede und jeder hat von ihr gehört, benutzt haben sie die Wenigsten.

Ab dem 18. Jahrhundert sind die ersten Modelle überliefert. Um 1838 begann der Berliner Anatomieprofessor und Geburtshelfer Friedrich Adolph WILDE, Portiokappen anzupassen in der Hoffnung, auf diese Art Frauen mit einem gebärunfähigen Becken vor Schwangerschaften schützen zu können. Er machte zuerst einen Wachsabdruck vom Gebärmutterhals der jeweiligen Frau und stellte daraus eine Kappe aus Kautschuk her.
Erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts eroberte die Kappe den Markt, 1931 soll sie zu den beliebtesten Verhütungsmitteln gezählt haben. Sie wurden in den verschiedensten Formen aus Materialien wie Silber, Kupfer, Elfenbein, Gummi und Zelluloid hergestellt. Danach verschwanden sie unter dem Druck des Nationalsozialismus und später durch das Aufkommen der Pille weitgehend von unserm Markt.

Prominenteste Verfechterin der Portiokappe wurde die Britin Marie (Charlotte Carmichael) STOPES. Sie wurde 1880 in Edinburgh geboren als Tochter des Wissenschaftlers Henry Stopes und dessen Gattin Charlotte Carmichael, die als erste Schottin promoviert hatte. Die junge STOPES promovierte ihrerseits 1902 in London in Botanik und Geologie und 1904 in München mit einer Arbeit über versteinerte Pflanzen. Nach einer unglückliche ersten Ehe interessierte sie sich für feministische Probleme und widmete sich von nun an ganz den Problemen der Familienplanung. 1921 gründete sie in Holloway, einem Vorort nördlich von London, die erste "Family Planning Clinic", die ihr einen zehn Jahre dauernden Prozess mit dem erzkatholischen Chirurgen Halliday SUTHERLAND einbrachte. Ihr Wahlspruch "Never put anything in your vagina that you would not put in your mouth" war für die Briten, die eben aus der Victorianischen Prüderie aufwachten, vermutlich eine wahre Zumutung. Sie war entschiedene Gegnerin jeder chemischen Methde der Kontrazeption. In ihrer am 17.12.1921 eröffneten "Mother's Clinic" verteilten die Krankenschwestern Gummikappen, die Marie STOPES entwickelt hatte aus den französischen Vorläuferformen PRO-RACE, indem sie eine grössere Kuppel anbrachte. Sie starb am 2.10.1958 an Brustkrebs...
Nota: Ein Pessar oder eine Portiokappe ist im Gegensatz zum Diaphragma aus härterem Material und saugt sich am Muttermund fest.

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Portiokappe (2)

 

"Luxemburg. Wohl in der Erwägung, daß bei der herrschenden Lebensmittelverteuerung die Eheleute bedacht sein könnten, ihre Nachkommenschaft auf ein Minimum zu beschränken, ließen sich zwei Deutsche in unserer Stadt nieder und errichteten einen Vertrieb von Abtreibungsmitteln und dergl. Obgleich sie den unerlaubten Verkauf ihrer Drogen mit möglichster Heimlichkeit betrieben, hatte die Polizei dennoch alsbald Lunte von ihrem Treiben bekommen. Eine polizeiliche Durchsuchung ihrer Wohnräume förderte denn auch ein ganzes Lager von Pillen und Präparaten zutage. Vor Gericht wird den zwei Ausländern eingeprägt werden, daß solche Handlungen in Luxemburg wie auch in Deutschland nicht geduldet werden. Auch bei einer hiesigen Handelsfrau, welche sich mit dem Verkauf solcher Pillen befaßte und sie zu enormen Preisen an ihren großen Kundenkreis des In- und Auslandes abgab, wurde eine große Menge dieser Mittel beschlagnahmt" (E.T. vom 26.7.1913).

"Trägt die Kröte ein Pessar,
wird's
ein schlechtes
Quappenjahr" (zit:DerWetterfrosch, http://wiegran.de/wetter08.htm).


Vorgestellt wird ein Ramses-Occlusivpessar" - eine für den ostdeutschen Markt gemünzte Portiokappe aus den 50er Jahren. Auf der Schubladen-Kartondose der Text:
Nahtloses
Universal-Occlusiv-Pessar
"Ramses"
Dep.No. 110379
Grösse 50 (gestempelt) mm.
W.Vulk.jahrelang
lagerfähig
Transparent

Die Okklusivpessare schauen in Deutschland auf eine bewegte Vergangenheit zurück. 1899 wurde ihre Einfuhr unter Strafe gestellt:
"Reichsgesetzblatt für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder
LXXX. Stück Ausgegeben und versendet am 28. Oktober 1899.
Verordnung der Ministerien des Inneren, der Finanzen und des Handels vom 2. Oktober 1899 betreffend das Verbot der Einfuhr für den unter der Bezeichnung "Occlusivpessar" in den Handel gebrachten Apparat sowie für das unter dem Namen "Tutelol" in den Verkehr gesetzte Frauenpräservativmittel.
Im Grunde des Artikels VI des Gesetzes vom 25. Mai 1882 Rg.Bl. Nr.47 wird die Einfuhr des unter der Bezeichnung "Occlusivpessar" in den Handel gebrachten, die Empfängnis verhindernden Apparates sowie des unter dem Namen "Tutelol" in den Verkehr gesetzten Frauenpraeservativmittels aus sanitären Rücksichten verboten".

Unser "Ramses" kommt in einer Biographie vor, die Herr Thomas Knauf aus der ehemaligen DDR verfasste (http://zeus.zeit.de/text/2003/25/17_Juni):
"Genossin Jordan fand, dass für den Aufbau des Sozialismus Kinder ein Hindernis wären, weshalb sie [meine Mutter] sich beim Frauenarzt ein Ramses-Pessar einsetzen ließ. Meine Mutter vertrug die Dinger nicht, „sonst wäre ihr das mit mir nicht passiert“. Mein Vater war stolz, dass ich „passiert“ war, und Onkel Peter schenkte mir oft Schokolade, die er als Intelligenz-Zulage erhielt"..
Thomas Knauf wurde 1951 in Halle/Saale geboren. Diese Zeitangabe sagt uns, dass 1950/51 in der DDR das "Ramses"-Pessar in Gebrauch war. So wundert auch nicht weiter, wenn das hier vorgestellte Objekt aus ebendieser Region stammt, aus Dessau.

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Portiokappe (3)

 

Die Portiokappe wurde 1837/38 zum ersten mal beschrieben – von dem Berliner Frauenarzt Friedrich WILDE. Er nannte die kleine, einem Fingerhut nach- empfundene Gummikappe „cautschuk pessarium“. Die ersten WILDE'schen Kappen mussten in mühevoller Kleinarbeit auf Mass in Giessformen "gegossen" werden. Erst mit der Erfindung des Vulkanisierungs- verfahrens durch Goodyear im Jahr 1844 kamen flexible, pflegeleichte Kappen auf den Markt. Neben den mehr oder weniger weichen Kautschuk- kappen gab es bald rigide Kappen aus Plexiglas und aus Aluminium - in Europa war die Kappe jahrzehntelang die beliebteste Kontrazeptionsmethode (in den USA durch das Scheidendiaphragma überflügelt) - beide Modelle, sowohl die weiche als auch die starre Kappe, haben sich in der Praxis nicht bewährt...

Die Kappen wurden früher nach der Regel vom Gynäkologen aufgesetzt und kurz vor der nächsten Periode meist auch von ihm wieder abgenommen - ein einträgliches Geschäft mit treuen Kunden...

Die modernen Kappen sind nach sorgfältiger Anleitung dagegen leicht anzuwenden. Frauen können sie, wenn sie ein Verhütungsmittel brauchen, selbst einsetzen und auch wieder herausnehmen. Da der richtige Sitz der Portiokappe entscheidend ist, muss ihre Größe von einem Arzt/Ärztin individuell ermittelt werden.

Eine Portiokappe darf erst ca. 6-8 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr wieder entfernt werden. Es wird allgemein empfohlen, dass die Portiokappe nicht länger als 48 Stunden in der Scheide zu belassen. Pearlindex um 4 ... alles andere als beruhigend!

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Scheidendiaphragma (1) "RAMSES"

Blechdose, 75 mm Durchmesser 

 

 

        1873 hatte der amerikanische Senat die sog. „Anthony Comstock law“ verabschiedet, ein puritanisches Gesetz, das jegliche Form von Kontrazeption verbot – und erst 1965 offiziell aufgehoben wurde! Wie sollten sich amerikanische Bürger schützen? Indem sie vorgaben, sich gegen Geschlechts- krankheiten schützen zu wollen! Erst nach der Liberalisierung der Praeservative in den 30er Jahren konnte das RAMSES-Condom patentiert werden…

 

1865 wurde Julius SCHMID in Schorndorf bei Stuttgart / Deutschland geboren. Mit 17 Jahren wanderte der Jude nach New York aus. Da er halbseitig gelähmt war und an Krücken ging, musste er sich mit niedrigen Diensten begnügen, und fand Arbeit in einer Firma, die Wurstpellen und Abdeckungen für Einmachgläser herstellte. Hier wusch er fleissig Tierdärme und nahm gelegentlich Därme mit nach Hause - ein Appartment in der 46. ave (damals Prostituierten- viertel von Manhatten) – um daraus „skins“, Kondome herzustellen. 1883 erwarb SCHMID eine kleine Fabrik, in der Abdeckfolien für Einmachgläser aus Tierhäuten hergestellt wurden. Nach 5 Jahren kam ihm die Idee, die Maschinen umzubauen, und maschinell Kondome herzustellen – seine alte Leidenschaft. Da das amerikanische Gesetz die Praeservative verbot, verkaufte sie unter der Hand – ab 1890 ein lukratives Geschäft. 1890 wurde er wegen Verstoss gegen das Antikonzeptionsgesetz verhaftet. Nach seiner Entlassung sammelte er Geldmittel, um die Julius Schmid Inc. zu gründen – jetzt erst recht! Um das Gesetz zu umgehen, bot er seine Praeservative als "French goods and medicines" an, als Vorbeugende Mittel gegen Geschlechtskrankheiten.
1900 adoptierte er das pflegeleichtere Gummi für die Praeservative – die Tierdärme (Appendices von Schafen) mussten kosten- und arbeitsaufwendig entfettet und gesalzen, dann in einer Salzlake aufbewahrt werden und zersetzten sich nach einigen Wochen.
Ab 1914 kamen die US-Soldaten an der Westfront in Berührung mit der Syphilis, und mit westeuropäischen Kondomen. Hocherfreut über diese „Erfindung“, machten sie in der Heimat Stimmung für die „skins“: 1918 wurden Praeservative in den USA offiziell erlaubt – als Schutzmittel gegen Syphilis. Dennoch hatten 10% der Soldaten Syphilis erwischt. 1938 änderte die US-Armee ihre Taktik und empfahl die Praeservative als „normales Reisegepäck“ im Tormnister der GI’s.
Das Geschäfte florierte. 1955 übergab der nun 77jährige millionenschwere Julies SCHMID die Geschäftsführung an seine beiden Söhne Julius junior und Carl.

Ab 1923 diversifizierte SCHMID seine Produktpalette und bot nun, ausser Kondomen, auch Diaphragmen an "whose design was similar to the Mensinga's" (zit, A. Tone, Devices & desires, New York 2002, S. 127).

 

Es sei an dieser Stelle auf den besonderen Einfluss liberaler Juden bei der Propagierung von Kontrazeptiva hingewiesen:

- der Verkauf von Kondomen und Diaphragmen in New York durch den "entrepreneur" Morris Glattstine um 1878,

- die industrielle Produktion von "sheets and rubbers" durch SCHMID in der Belle Epoque,

- die Spirale nach GRAEFENBERG in den 20er Jahren,

- die Pille von PINCUS in den 60er Jahren.

 

Margaret Sanger (1883-1966) kämpfte für legale Empfängnisverhütung und wurde deswegen mehrfach angezeigt und verhaftet. 1921 gründete sie die American Birth Control League (Amerikanische Liga für Geburtenkontrolle), die das Bundesgesetz von 1873 bekämpfte, nach dem jegliche Information über Verhütungsmittel strafbar war. Der Begriff Geburtenkontrolle wurde von ihr geprägt. Zusammen mit ihrer Schwester Ethel Byrne errichtete sie in den USA die erste Klinik für Geburtenkontrolle. 1931 erschien ihr Buch My fight for birth control. Ab 1914 gab sie die Aufklärungszeitschrift The Women Rebel heraus. Sie organisierte den Internationalen Kongreß für Geburtenkontrolle 1925, aus dem 1942 die Organisation Planned Parenthood (Geplante Elternschaft) und später die deutsche Organisation Pro Familia hervorging.

Diaphragmen machten 1930 Gerichtsgeschichte als Margarethe SANGER bei einem japanischen Chirurgen eine Charge Diaphragmen bestellte, die bei ihrer Ankunft im New Yorker Zollamt beschlagnahmt wurde - Kontrazeptive waren nun mal laut Comstock-Gesetz verboten! Die Gerichte gaben Frau SANGER Recht - das gehasste Comstock-Gesetz von 1873 war angeknackst und wurde 1936 vom Appellationsgesetz ganz aus dem Weg geräumt...

Der Name RAMSES ist Ausdruck der Aegyptomanie des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Was SCHMID vermutlich nicht wusste, ist … dass RAMSES II nicht weniger als 150 Kinder zeugte! 1962 wurde sein Unternehmen vom Konkurrenten London Rubber aufgekauft. Das alte Vertriebsnetz blieb erhalten. So werden noch heute Diaphragmen unter dem Namen Schmid vertrieben:

The KORO-FLEX® Arcing Spring Diaphragm is manufactured by London International and distributed through Schmid Laboratories. Sizes are 60mm through 95mm in 5mm increments.

The KOROMEX® Coil Spring Diaphragm is manufactured by London International and distributed through Schmid Laboratories. Sizes are 50mm through 95mm in 5mm increments.

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Scheidendiaphragma (2)

Diaphragma n. MENSINGA, um 1980 

 

Das Diaphragma ist eines der ältesten Verhütungsmittel der Welt. Im Mittelalter schoben sich die Frauen eine Zitronenscheibe in die Scheide, in Osteuropa diente noch bis ins 20. Jahrhundert eine ausgepresste Zitronenhälfte als Diaphragma, wobei die Zitronensäure vermutlich als Spermizid wirkte.

 

Der niederl.-dt. Arzt Wilhelm Petrus Johannes MENSINGA [er schrieb gelegentlich unter dem Pseudonym Carl HASSE] (1836-1910), Landarzt in Flensburg, entwickelte gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Kappe "zur fakultativen Sterilität" aus Gummi. Er hatte seine Frau nach der Geburt des dritten Kindes durch Kindbettfieber verloren und wollte unter dem Schock dieses Ereignisses eine Methode entwickeln, die es Frauen ermöglichen sollte zu bestimmen, wann und wieviele Kinder sie bekommen würden.


Das ursprüngliche Diaphragma (1882) war eine Gummikappe mit Federring, vergleichbar dem heutigen Scheidenpessar. Karriere machte das Diaphragma jedoch nicht in seinem Erfindungsland, sondern in den USA. Dort kämpfte Margret Sanger (1883-1966) schon in den 30er Jahren des 20. Jahrhundert vehement für die Geburtenkontrolle. Noch heute findet das Diaphragma dort seine größte Verbreitung. Erst als die Pille in den 60er Jahren auf den Markt kam, wurden Diaphragma und Kondom von ihrer Spitzenposition verdrängt.

 

Anwendung
Ein Diaphragma muß vor der ersten Anwendung bzw. vor dem Kauf von einer sachkundigen Person (Ärztin, Hebamme, Krankenschwester, Pro Familia-Beraterin) ausgemessen und angepaßt werden. Nach dem 2. WK kamen die Scheidendiaphragmen vermehrt in Gebrauch - allerdings boten sie einen Schutz vor Schwangerschaft nur in Kombination mit spermiziden Gels.

- In Holland wurde das Diaphragma zur äusserst beliebten Form der Kontrazention. Dies führte alsbald zur angelsächsischen Bezeichnung des Diaphragmas als "Dutch cap".

- In Belgien, wo eine sehr restriktive Antikonzeptions-Gesetzgebung herrschte, wurde das Diaphragma nach 1952 durch den Arzt Jo BOUTE propagiert:
"A Bruxelles, plus précisément à la pharmacie Liberty, Porte Louise, une cliente privée d'un gynécologue travaillant à Saint-Pierre peut cependant se procurer des diaphragmes, importés clandestinement des Etats-Unis par le personnel navigant de la Sabena" - Import der Diaphragmen aus den USA durch das Personal der Luftfahrtgesellschaft der Sabena.
 

- 1965 ist Dr. Jorge BOUTE (1922-2000) Gründungsmitglied der "La Famille Heureuse" in Mons.

Ähnliche Zustände in Frankreich: "En France, la loi de 1920, qui avait pour but d'inciter à la natalité après les pertes en vies humaines à la suite de la Première Guerre mondiale, interdisait à la fois l'interruption de grossesse et la contraception. Les pionniers du "Mouvement Français pour le Planning Familial" durent importer clandestinement à partir de l'Angleterre les diaphragmes, seuls moyens contraceptifs féminins à l'époque" - Import der Diaphragmen aus England.

 

In Luxemburg setzten sich ab 1966 die Ärztes Robert ANGEL, Henri CLEES, M.P. Molitor-PEFFER und J.P. PUNDEL für die Liberalisierung der Kontrazention ein. Vermutlich wurden auch die ersten "luxemburger" Diaphragmen aus den USA importiert - auch in Luxemburg hatte die Sabena Landungsrechte...

 

Zur AIDSbekämpfung waren die Diaphragmen völlig ungeeignet. Und so verschwanden sie allmählich vom Markt, als diese Seuche sich auszubreiten begann. Die Firma ORTHO DIAPHRAGMA produziert die Pessare unbeirrt weiter.

 

Exponat

In meiner 25jährigen Praxistätigkeit habe ich nur zwei Diaphragmen gesehen - sie gehörten beide amerikanischen Touristinnen:

- ein Exemplar wanderte in meine Sammlung,

- das andere war "top secret", da es auf beiden Seiten ein Dutzend Unterschriften von "Exlovers" trug - es blieb verständlicherweise Eigentum der jungen Dame. Früher schrieben die Männer die Namen aller Frauen, mit denen sie eine engere Bindung hatten, in ihren Hosenlatz, heute signieren sie das Diaphragma...

 

Lit.:

Kolhorst, Christa, Dr. Wilhelm Mensinga, in: Kleine Reihe der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte Nr. 12, 56-78, 1985.

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Scheidendiaphragma (3)

Diaphragma Inserter
 

 

    Amerikanerinnen verabscheuen, an sich "zu fummeln". Am 25. Februar 1941 ließ Carl C. WATERBURY ein Gerät patentieren, mit dem Scheidendiaphragmen eingeführt und entfernt werden konnten, ohne mit dem Finger in die Scheide einzudringen - eine Verbesserung seines Patentes vom 8. August 1939.

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Scheidenspülung (1)

Zinnspritze 

 

Unsere Urgrossmütter spritzen (um 1900) Essigwasser in die Scheide, in der Hoffnung, das Sperma des Göttergatten damit abzutöten - Essig tötete das "Böse" im Gurkenglas ab, warum nicht auch das "Böse" im männlichen Samen. Mancherorts wurde Alaun-, Soda- oder Seifenwasser eingesetzt ...

Warum haben die Frauen zwei Generationen später Coca Cola benutzten zur postkoïtalen Kontrazeption? Zumindest in vitro ließ sich die Wirksamkeit des Cocacola bestätigen. Alle getesteten Cola-getränke wirkten innerhalb einer Minute spermizid, egal, ob mit Zucker, Süßstoff oder coffeinfrei. Am schwächsten wirkte Pepsi, am effektivsten war "Classic Coke", das allerdings noch von einem Bitter Lemon übertroffen wurde. Die Säure kommt als Ursache für die kontrazeptive Wirkung nicht in Frage: Eine Erhöhung des pH-Wertes von durchschnittlich 2.4 auf 7.5 schwächte den spermiziden Effekt der meisten Getränke nur leicht ab, bei Coca-Cola stieg er sogar noch an.

 

Die Literatur ist umfangreich:

-  Umpierre, S et al: Effect of "Coke" on sperm motility. New England Journal of Medicine 1985/313/S.1351

-   Oyelola, O et al: In vitro inhibition of sperm motility by some local mineral water drinks. Contraception 1987/36/S.435-440

-   Nwoha, PU et al: The immobilization of all spermatozoa in vitro by bitter lemon drink and the effect of alkaline pH. Contraception 1992/46/S.537-542.

 

 

Anmerkung

Hong et al. (Human Toxicology 1987/6/S.395-396) fanden keinen nennenswerten Einfluss irgendeiner Colasorte auf die Beweglichkeit der Spermien. Allerdings hatten sie für ihren Test doppelt soviel Ejakulat wie Cola eingesetzt. Die Autoren empfehlen aber zu Recht, sich nicht auf die Wirkung einer Cola-Spülung zu verlassen, zumal innerhalb weniger Minuten nach dem Coitus bereits Spermien im Eileiter nachweisbar sind.

 

 

Exponat

Vorgestellt wird eine Scheidenspül-Spritze aus Zinn mit Holzstempel, erstanden im Laden von Frau Ligozat in Gap/Hautes-Alpes im Juli 2005. Die Spritze war, den Aussagen der Dame zufolge, im Orte Gap selbst benutzt worden.

Siehe auch die sog. "Taufspritze" in unserer Sammlung.

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Scheidenspülung (2)

 

Die Methode der Scheidenspülung war erstmals 1832 von dem amerikanischen Arzt Charles KNOWLTON (1800-1850) empfohlen worden und erfreute sich bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts größter Beliebtheit. Sie wird auch heute noch praktiziert. Knowlton riet den Frauen, nach dem Geschlechtsverkehr die Scheide mithilfe einer Spritze mit Wasser auszuspülen. Die sogenannten ,,Mutterspritzen" wurden aus Metall- oder Hartgummi hergestellt und waren oft in Handtaschengröße gehalten, so daß man sie überall mit hinnehmen konnte. Außer Wasserspülungen nahm man auch Essig- oder Allaunspülungen vor. Diese Waschungen waren übrigens nicht nur zur Verhütung geeignet, sondern wurden von vielen Frauen ähnlich dem Zähneputzen als ganz normale Körperpflege empfunden.

Der hier in seiner Originalverpackung (genannt "calinage") vorgestellte Scheidenspüler war ursprünglich zur Behandlung von Gebärmutterkrankheiten entworfen worden. Er entstand aus der Zusammenarbeit des Frauenarztes Maurice EGUISIER (1813-1851) mit dem Bandagisten François Libault.

Der "Eguisier" wurde ab 1846 in einer Vielzahl von Materialabwandlungen produziert. Seine Glazzeit erlebte dieser Irrigatortypus Ende des 19. Jahrhunderts. Kaum ein Antik-Laden, wo nicht ein mehr oder weniger ramponiertes Exemplar als "instrument rare" angeboten würde. (siehe Einlaufgeräte)