Amulette


Ex-Voto (4) "Bauch"

Täfelchen aus Luxemburg, 2000

 

 

 

Konnte kein Arzt helfen, wandten sich fromme Christen früher an Heilige, deren Fürbitte Heilung oder Linderung erreichen sollte. Viele Heilige waren "Spezialisten", sei es gegen Schmerzen unter der Geburt, unspezifische Leibschmerzen etc.

 

Das hier vorgestellte Votivtäfelchen aus Silberblech war ein Dankesgeschenk an einen Heiligen, der von Bauchgrimmen befreit hatte. Um welchen Heiligen es sich handelte, bleibt unklar. Mehrere Heilige konkurrierten:

- Sankt AGAPITUS, der im 3. Jahrhundert lebte


- Sankt GERMANUS von Auxerre, der im 4. Jahrhundert lebte,


- Sankt BRICTIUS von Tours, der im 4. Jahrhundert lebte,


- Sankt WOLFGANG der im 10. Jahrhundert an der Domschule von Trier lehrte...


- Sankt ERASMUS der im 4. Jahrhundert lebte. Er hält auf Heiligenbildnissen eine Ankerwinde in Händen - er war ursprünglich Patron der Matrosen. Da in unsern Gegenden die Ankerwinde unbekannt war, wurde sie als Marterinstrument missverstanden, indem man sich ausmalte, wie der Heilige während der Diokletianischen Christen-verfolgung (!) durch Herausspulen der Gedärme den Tod fand. Folglich wurde er hierzulande zum Nothelfer bei Bauchschmerzen.
Man vermutet, dass Sankt ERASMUS zwischen 303 und 310 gestorben ist. Die Umstände seines Todes sind ungeklärt. Die kirchliche Tradition geht jedoch davon aus, dass Erasmus als Märtyrer, also als Glaubenszeuge, während einer Christenverfolgung im Römischen Reich getötet wurde. Die Überlieferung nennt ihn als Bischof von Antiochien in Kleinasien, der heutigen Türkei. Er habe dort sehr viele Menschen zum Christentum bekehrt und so die Aufmerksamkeit des heidnischen Kaisers von Rom auf sich gezogen. Angeblich hat er eine Marterung mit brennendem Pech und Schwefel unversehrt überstanden, weil ihn ein Engel gerettet hat.

 

- Andernorts wird zu St. PANKRAZ gebetet, so in Stolzemburg an der Our in Luxemburg, wo er gegen "Abzehrung" und dicke Bäuche der Kinder angerufen wird. PANkraZ war, wie schon sein Name verriet, für Krankheiten der PANZ, des Leibes zuständig... In Wilfingen bei St. Blasien wallfahrte man am Festtag des Heiligen, dem 12. Mai, zu seiner Statue um Fürbitte zu erlangen gegen Kinderkrankheiten. Skurriler ist die Verehrung in Eschbach bei Waldshut, wo man kranke Kinder in Windeln packte, die man an der Statue des Heiligen gerieben hatte.
PANKRATIUS war um 290 in Phrygien zur Welt gekommen. Der Legende nach reiste der verwaiste Sohn eines reichen Römers im Jahr 303 mit seinem Onkel Dionys nach Rom. Mit seinem ererbten Vermögen half er dort den verfolgten Christen, besonders den um ihres Glaubens willen Gefangenen. Nach dem Tod des Onkels wurde 14jährige Pankratius im Jahr 304 in Rom vor den Kaiser geschleppt, wo er sich nicht vom Glauben abbringen liess, woraufhin er öffentlich enthauptet, sein Leichnam Hunden zum Fraß vorgeworfen wurde.
Kaiser Arnulf von Kärnten schrieb seine Eroberung von Rom am 12. Mai 896 der Fürbitte zu Pankratius zu, worauf die Verehrung des Heiligen v.a. in Mitteleuropa aufblühte.

 

 

Exponat

Vorgestellt wird ein im Jahr 2000 auf einem Luxemburger Flohmarkt erworbenes Silberblech-Votivtäfelchen.