Amulette


Gebärmutter-Kröte

Baermutterkroete.png

um 1900

 

 

In der Volksmedizin gab es auch eine spezielle Therapie für "krötenbedingte" Frauenleiden: um das im Frauenleib herumwandelnde, wild um sich beißende Krötenwesen zu besänftigen, war es ratsam, dieses zu füttern. In Niederbayern legte man der Frau in bestimmten Fällen eine mit Schmalz gefüllte Nussschale auf den Nabel und ließ sie so lange dort liegen, bis das Fett aufgenommen wurde.

 

Auf solche Praktiken geht auch die alte Redensart "Die Bärmutter hat mich gebissen und will gfuttert werden" zurück.

 

Exponat

8.5 cm hohe Wachskröte mit ihrer Gießform. Aus der ehemaligen Wachszieherei Ebenböck in Pasing / München, um 1900.

„Blutrote Kröten wurden bei starken Blutungen geopfert“ (Ludwig Hopf, Die Anfänge der Anatomie bei den alten Kulturvölkern, Breslau 1904 S.64), sonst wurden eher weiße und eierschalenfarbene dargebracht.

 

 

„Die zahlreichen Votive an den Wänden rund um den Altar [von Maria Pötsch im Obermühlviertel] und besonders an dessen Rückseite führten einem so recht deutlich vor Augen, warum und aus welcher Lage der gläubige Mensch der Umgebung zum Wallfahrer nach Maria Pötsch wurde; seine ganze, bis dahinungestört durch äußere Einwirkung und in seinen ganzen Lebenskreis eingebettete Frömmigkeit hatte in den unzähligen Votiv- und Opfergegenständen ihre sachliche Prägung gefunden. Da gab es zum frommen Bestaunen während des Opferganges um den Altar die wächsernen Beine, Hände mit Unterarm, Köpfe, Herzen, Brüste, Kiefer und viele Augen; auch wächserne Kühe und Rösser und Schweine waren darunter, auch die Votivkröte, aber unter der Bezeichnung Krebs. Davon wurden bis zum Weltkrieg ziemlich viele aufgeopfert. Nur hohe Greisinnen haben noch davon Kenntnis und sie versichern, daß das Votiv gegen „gewisse Frauenleiden“ und den Krebs geopfert worden war. Es ist dem Schreiber bis jetzt nicht gelungen, eine zu finden, die erklärte, sie hätte selbst eine geopfert oder hätte von einer anderen Frau davon gehört“ (Heinrich Jungwirth, Der Obermühlviertler, in: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde 1949 S.20).

 

P.S. Auch Männer besassen ein "Gebärmutter", ein Teil der Votivkröten könnte also von Männern geopfert worden sein, wenn sie unter "Bauchgrimmen" litten (Britta-Juliane Kruse, Die Arznei ist Goldes wer, 1999 S.45)