Antike


Aderlasslanzette

 

 

   Die medizinische Verwendung dieser Instrumente ist durch archaeologische Funde nur wenig abgesichert. Künzl schreibt "Aderlassinstrumente m u s s es im Altertum häufig gegeben haben. Wenn unter den Grabfunden kaum einige zu sein scheinen, so ist dies entweder Zufall der Erhaltung, oder die Instrumente sind vorhanden, wir erkennen sie nur nicht" (*).

 

Grösse 128x13mm resp. 131x11mm

 

Exponate

Bei den hier vorgestellten Lanzetten könnte es sich um Phlebotome, Aderlassmesser handeln; die Ähnlichkeit mit dem Fund aus Ephesus / Kleinasien (Abb.20 nr.22 bei Künzl) ist verblüffend.

(*) E. Künzl, Medizin. Instrumente aus Sepulkralfunden d.röm. Kaiserzeit, Bonner Jahrb. 182, 1982 S.17.

 

 

Fundort Südengland

Antike


Asklepios und Telesphoros (1)

Votivtafel, um 100 n.Chr 

Über die Herkunft des Heilgottes Asklepios und dessen enges Verhältnis zu Apollon streiten sich die Gelehrten. Asklepios-Kultstätten in Verbindung mit Thermalquellen erfreuten sich besonders in Thrakien großer Beliebtheit. Auf eine thrakische Urheberschaft des vergöttlichten Asklepios könnte die Etymologie des Namens sowie seine thessalische Heimat, Trikka, anspielen. Im übrigen erscheint sein gnomenhafter Begleiter Telesphoros -"der es zum [guten] Ende bringt" - stets in thrakischer Tracht mit Kapuzenmantel.

"In Greek mythology (especially in Thrace), Telesforos (or Telesphoros) was a son of Asclepius. He frequently accompanied his sister, Hygieia. He was a boy whose face was always covered with a cowl and a Phrygian cap. He symbolized recovery from illness, as his name means "bringing fulfillment" in Greek. He likely originated circa 100 AD in Pergamon as part of the large Asclepian cult there. His popularity increased in the 2nd century AD after Epidaurus, the home to the Asclepius cult, and other places adopted his cult. Representations of him occur mainly in Anatolia and the area around the Danube." (Wikipedia 2006).

Zersplittert in viele Stämme siedelten Thraker von den Karpaten über die nördliche Ägäis bis Kleinasien, Kernland bildete das heutige Bulgarien. Sie gehörten zu den indoeuropäischen Völkern, die im Verlauf des zweiten vorchristlichen Jahrtausends in den donauländisch -balkanischen Raum einwanderten. Erst im fünften Jahrhundert vor Christus gelang dem Odrysenkönig Teres die Gründung eines thrakischen Großreiches, das kurz darauf wieder seinen Nachbarn unterlag. Danach schwächten persische und keltische Invasionen das Land, bis es 46 nach Christi Geburt entgültig durch die Römer unterworfen wurde.

Aus der Zeit der römischen Besetzung des Landes stammt die hier vorgestellte Votivtafel: links im Bild der Heilgott ASKLEPIOS (sprich Aesculapius, da wir uns nicht mehr in der griechischen sondern in der römischen Zeit befinden), rechts neben ihm der barfüssige TELESPHOROS in seinem typischen Kaputzenmantel.

Lit.:
W. Deonna, De Telesphore au "moine bourru", Collection Latomus, vol.XXI, Berchem/Bruxelles 1955

Antike


Asklepios und Telesphoros (2)

Schönert-Geiss 146 (V 67/R 124) Moushmov 5041

        

TELESPHOROS – der das Ziel trägt – der Vollender, der das Ende der Leiden bringt, der Genius der Genesung der hilft, ein gutes Ende zu finden für jegliches Vorhaben…
Telesphoros wurde als Genius der verborgenen oder geheimen Lebenskraft, oder als eine Gottheit gedacht, welche die Genesenden gegen Rückfälle in ihre vorige Krankheit beschützte, oft neben dem Äskulap, oder zwischen ihm und der Hygiea abgebildet
"als ein kleiner, barfüßiger Knabe in einen Mantel vermummt und den Kopf mit der Kappe desselben bedeckt. Derselbe bedeutet die verborgene und geheimnisvolle, gleichsam verhüllte Kraft, welche der Knabe vertritt. Auch mag dadurch ausgedrückt sein, daß gerade bei der Genesung die höchste Vorsicht in der Bekleidung walten muß".

 

Er trat erst spät zu Asklepios hinzu als dessen 'Reis' oder 'Sohn'. Eingeführt wurde er durch Orakel Ende des 1.Jh. n.Chr. in Pergamon, von wo sich sein Kult schnell ausbreitete. Den Griechen deutete er die Träume: der Heilschlaf im Tempel mit seinem medizinisch bedeutungsvollen Traum - ein wichtiges Element der antiken Medizin.

Wegen seiner kleinen Gestalt und des Kapuzenmantels ist Telesphoros identisch mit den genii cucullati, die Fruchtbarkeits-, Heil-, aber auch Totengötter waren. Cucullus ist die Kapuze. Wahrscheinlich sind es alte keltische Gottheiten.

www.symbolon.de/books2003/olymp.htm

 

Telesphoros wurde vornehmlich entlang der Küste Kleinasiens verehrt sowie im Schwarzmeerbecken. Verwandt ist ihm EUAMERION, der Dämon des "guten Tages", d. h. der glücklichen Krise der Krankheit. Tempel in Smyrna und Pergamos.
... im 3. nachchristlichen Jahrhundert sind antike Gottheiten in Europa immer noch ubiquitär - in der Politik, in der Heilkunde. 700 Jahre nach HIPPOKRATES ist die Trennung von Medizin und Theologie immer noch nicht korrekt vollzogen...

 

Der personifizierte Schröpfkopf?
"Bei den Griechen war der Schröpfkopf ein heiliges Symbol des Asklepioskultes (Gott der Heilkunst), wobei das glockenförmige Instrument selber zur Gottheit Telesphoros erhoben wurde und auf zahlreichen Münzen aufgeprägt wurde"
www.medicina-naturista.ch/geschichte_schroepfen.htm

 

Vorgestellt wird eine vorzüglich erhaltene Münze, die unter Kaiser Caracalla [*188; Kaiser von 211-217 n.Chr.] in der Provinz Thrakien in Trajanopolis [dem heutigen Rekna Devia/ Bulgarien] geprägt wurde (sog. Provinzial-Prägung):
obvers: Büste mit Lorbeerkranz AUgustaTrajana K Marcus AURelius CaEsar - [ANTONEINO C].
revers: Telesphoros stehend, [TRAIANO-POLEITON] (Prägungsort).

 

Zum Schluss noch ein Kuriosum: Caracalla (richtiger Caracallus) war ein Spitzname, den der Kaiser ab 213 nach einem langen keltischen Kapuzenmantel erhielt. Folglich sehen wir obvers einen Kaiser mit keltischem Mantel, revers eine Gottheit mit dem typischen keltischen Kaputzenmantel.

 

Zur Frage, warum dieser Gott auf derart vielen Münzen erscheint, habe ich nichts vernünftiges finden können. Wollte der jeweilige Herrscher etwa andeuten, dass er, wie Telesphoros, der Vollender war, der grosse Mann, der von der Geschichte gesandt war, um endlich alle Sehnsüchte des Volkes zu erfüllen?

 

Antike


Badebesteck (1)

 

Besteck aus Bronze, bestehend aus einem Schaber (Länge 184 mm) (2), einem Ohrlöffel (Länge 156 mm) (3) und einem kleinen Nagelnecessaire (4) . (*)

1. Bei dem Schaber könnte es sich um ein zweischneidiges Rasiermesser handeln zum Abschaben der Körperhaare an den Armen und Beinen.

2. Sehr verbreitet waren die Löffelsonden, deren Ende zu einem meist langovalen "Löffel" ausgebildet war. Viele derartige "Löffel" hatten einen auffallend scharfen Rand und konnten zum Ausschaben von Fisteln oder von Uteri dienen. Als "unendlich häufig unter dem antiken Fundgut" bezeichnet A. Krug eine Unterform dieser Löffelsonden, die sog. Ohrlöffel: dünne Stäbchen mit leicht abgewinkelten rundem Löffelchen an einem Ende, die zunächst zum Reinigen des äusseren Ohrganges dienten, aber durchaus vom Arzt benutzt werden konnten zum Reinigen von Wunden, zum Ausloten von Geschosswunden, sondieren der Harnwege oder, um bei Aderlässen den austretenden Blutstrom zu steuern. War der Löffelrand scharf, so konnten auch diese Sonden durchaus zum Auskratzen von Fisteln oder Hämorrhoiden benutzt werden. Die hier gezeigte Löffelsonde gehört vermutlich diesem Ohrlöffeltypus an.

3. Das Nagelnecessaire ist sehr viel einfacher gearbeitet als das oben gezeigte Modell. Es besteht lediglich aus einer zwischen zwei Schutzblättern versenkbaren Spitze.

Die hier vorgestellten Geräte stammen aus Mittelengland, einem südlichen Vorort der Stadt Birmingham, wo sie in der Nähe eines ehemaligen römischen Militärlagers ausgegraben wurden (andere Lager erstreckten sich im Nordwesten Luguvallium/Carlisle, Mancunium/Manchester etc.)

(*) E. Riha, Röm. Toilettgerät u. medizin. Instrumente a. Augst u. Kaieraugst Forsch.i.Augst Bd.6, 1987

Antike


Badebesteck (2)

4-teiliges Nagelnecessaire, um 300 n.Chr.

 

 

Im Jahr 16 v.Chr. gründeten die Römer die Stadt Augusta Treverorum, das heutige Trier. In der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts wurde Trier Bischofssitz. Von 271 bis 274 war die Stadt Residenz des gallo-römischen Gegenkaisers Tetricus I. Im Jahre 286 n.Chr. zerfiel das römische Reich in zwei Teile, Trier wurde unter Kaiser Maximilianus Kaiserresidenz für das westliche Imperium. Infolge dieser Aufwertung setzte in Trier eine rege Bautätigkeit ein, die unter Kaiser Constantius Chlorus fortgesetzt wurde und unter Kaiser Konstantin ihren Höhepunkt erreichte. U.a. wurden mehrere Thermen errichtet:
- Barbarathermen,
- Kaiserthermen,
- Thermen "am Viehmarkt",

in denen das Volk seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen konnte: dem Faulenzen im öffentlichen Bad.

 

Das reinigende Körperbad gehörte zum römischen Alltag. Damals wie heute galten schwarze Fingernägeln als ein Beweis mangelnder Körperpflege. Trauerränder unter den Nägeln zeugen von Handarbeit. Da eine solche für Leute von Rang allzeit als Unehre galt, waren "saubere" Fingernägel seit alters ein Insignum der höheren Gesellschaftsschichten, galten "saubere" Nägel als Standes-zeichen derjenigen, die es zu etwas gebracht hatten: den Intellektuellen, Geistlichen etc.. So finden wir entsprechendes Putzinstrumentarium zu den Utensilien der feinen Römer, die ihre edlen Körper im öffentlichen Bade pflegten oder im privaten Bade pflegen liessen.

 

Sowohl Ägypter als auch Römer trugen den Trauring am 4. Finger der linken Hand. Der Grund hierfür war der Glaube, dass eine Ader von diesem Finger direkt zum Herzen und damit zur Liebe führt. Allerdings trugen im antiken Rom nur die Frauen einen Ehe- oder Verlobungsring. Er galt als Zeichen der Bindung, vor allem aber auch als "Empfangsbestätigung" für die Mitgift ! Man schaute den Damen entsprechend "auf die Finger" um zu wissen, wo man [Mann] mit ihnen dran war - ein Grund mehr, die Finger stets zu pflegen...

 

Exponat

Vorgestellt wird ein Nagelnecessaire aus einer Trierer Grabung.

Antike


Badebesteck (3): Strigilis

Panonien (Ungarn) Bronze, 2.-4. Jh. n.Chr. 

Engster Zusammenhang zwischen Bädern und Salben leuchtet immer wieder aus den Schriften der alten Mediziner hervor. Sie betreffen die Gesunden wie die Kranken. Das Ölen und Salben macht aber nicht nur die Haut geschmeidig und gibt ihr Substanz. Vielmehr nimmt der Körper auch über die Haut die Aromastoffe und anderes auf. Es scheint, die Antike wusste darum. ..

Die Römer liebten es nicht, behaart wie die Affen ins Bad zu steigen. Sie rasierten sich daher von Kopf bis Fuss. Sie wuschen den Körper anschliessend mit Pottasche (Kaliumcarbonat, K2CO3), Borit genannt, die eine reinigende Wirkung hatte, derjenigen unserer Seifen vergleichbar.

Die feste Seife lernten die Römer erst im Kontakt mit den Galliern kennen, die sie als Haarpflege- und Färbemittel benutzten. Auch die Römer benutzten diese Seifen zunächst nur als Kosmetikartikel. Erst ab dem 2. Jh. n.Chr. benutzten sie Seife zur Säuberung – besonders beliebt war die festere germanische Seife, der sie Duftstoffe aus dem Mittelmeerraum zufügten…(GALENUS ist der erste, der bezeugt, dass die Römer Seife zum Waschen benutzten). Bimsstein, tonige Erden und Badeöle vervollständigten das Arsenal an Pflegemitteln…

Das überschüssige Kali der „Seife“ griff die Haut an (entfärbte u.a. die Haare!). So war es nur logisch, wenn sich die Römer nach der Waschung einölten und sich in diesem Zustand massieren liessen. Athleten trugen zur Körperreinigung zusätzlich Sand auf, der sich mit dem Öl zu einer pappigen Schicht verband. Diese streifte man sich (oder liess sich von einem Bediensteten abstreifen) mit einem „strigilis“ resp. „strigilles“ (frz. le racloir, dtsch. das Schabeisen) von Arm und Bein ab. Einölen und Abschaben konnten im gleichen Raume erfolgen, aber auch in zwei getrennten Räumen

  • dem „unctorium“ zum Einölen,
  • dem „destrictarium“, zum Abschaben des Öls. In den griechischen Palästren lag der Raum gewöhnlich um den Peristylhof angeordnet.

In beiden Räumen konnte der Badegast auf die Hilfe von medizinisch gebildetem Personal zurückgreifen:

  • dem "aliptes", dem Masseur,
  • dem "iatraliptes", einem Badearzt, der über echte medizinische Kenntnisse verfügte.

 

Die Römer rieben sich mit Olivenöl ein und entfernten anschliessend überschüssiges Öl mit einem Schaber. Damit wurde öllöslicher Schmutz entfernt und gleichzeitig die Haut gepflegt. Ob sich der Badegast vor oder oder nach dem Bade, oder aber sowohl vor als auch nach dem Bad einölen sollte, darüber stritten die Ärzte (CELSUS, GALENUS).

Badegäste trugen einen Ring bei sich, an dem zwei oder drei Strigellen und ein Ölbehälter befestigt waren – schönes Exemplar im Museum von Neapel. Genutzt wurden sie – durch historische Quellen belegt (Kotera-Feyer 1993, 3 ff.) – zunächst nur von Athleten in der Palästra und fanden sich dementsprechend anfangs auch nur in Gräbern männlicher Individuen. Relativ bald jedoch wurden Strigiles auch von Frauen zur Körperreinigung und -pflege verwendet, wie man auf Vasenmalereien sehen kann. Allerdings spielten die Strigiles im Leben und bei der Beerdigung von Frauen immer nur eine untergeordnete Rolle (Prohászka 1998, 801).



Vorgestellt wird ein einzelnes (leider gebrochenes) 22x17 cm grosses Strigilis mit Hohlgriff aus dem 2.-4. Jahrhundert n.Chr., das aus dem alten Teil von Buda(pest) in Ungarn stammt – zur Zeit der Römer hiess die Stadt Aquincum – die Stadt des Wassers: von einer sinnträchtigeren Stelle könnte das Badeutensil kaum stammen…

Auf einer der Donauinseln bei Aquincum, der sog. „Schiffswerftinsel“ von Obuda, fand man umfangreiche Mauerreste einer Statthaltervilla. Diese besass ein grosses, luxuriöses Privatbad.

(Fa. Le Caducée, 26 r. du Chevreuil, Brüssel).

Lit. :
- M. Weber, Antike Badekultur, C.H. Beck Verlag, München 1996.
- Kotera-Feyer, Ellen: Die Strigilis. Frankfurt/M., Berlin, Bern, New York, Paris, Wien, 1993. XV, 241 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Europäische Hochschulschriften, Reihe 38: Archäologie Band 43.
- E. Künzl, Strigilis. In: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike 11 (Stuttgart/Weimar 2001) Sp. 1055.

Antike


Bohrer (?)

Bronzebohrer, um 300 n.Chr. 

 

 

Denkbar wäre der Einsatz eines so feinen Bohrers bei Holzarbeiten, oder beim Verzieren von Töpferware. Aber auch in der Zahnheilkunde könnte man das Instrument ansiedeln - weit verwegenere Instrumente werden in medizinischen Sammlungen als zahnärztliches Besteck angeboten...

 

Als wahrer Fortschritt galt der Drillbohrer des Arztes ARCHIGENES (2. Hälfte 1./Anfang 2. Jh.), mit welchem er schmerzende Zähne trepanierte. Wie (fast) alle damaligen Mediziner war auch ARCHIGENES ein Grieche - er stammte aus Apameia, im heutigen Syrien. Sein Vater Phillipos war Schüler von Agathinos. ARCHIGENES berichtet, dass er einen dunklen, schmerzenden Zahn mit einem kleinen Trepanbohrer anbohrte und so einem Patienten Linderung der Zahnschmerzen verschafft haben soll (zit. Walter von Hoffmann-Axthelm, Die Geschichte der Zahnheilkunde. Buch- und Zeitschriftenverlag „Die Quintessenz“, 1973). Seine Technik machte Schule: im zweiten Jahrhundert nach Christus empfahl GALEN, wie schon ARCHIGENES im ersten Jahrhundert, den erkrankten Zahn mit einem kleinen Bohrer aufzubohren (De Compositione medicamentorum secundum locus lib. 5, c. 5).

 

Gesamtlänge des Bohrers: 156 mm, Durchmesser des Bohrkopfes: 3 mm

 

 

Antike


Haken und Bohrer

Bronze, um 300 n.Chr.

 

 

Viele Artefakte aus römischer Zeit sind schwer einzuordnen, so auch die beiden hier vorgestellten Geräte:


- eine Art Haken (lat. hamulus) (Länge 113 mm, Weite der Oese 9 mm), der alle erdenklichen Funktionen haben konnte (warum nicht auch kleinere Wunden aufzuhalten, damit sie der Chirurg reinigen konnte),


- ein kleines handliches Gerät mit kronförmigem Ende, das möglicherweise als Bohrer gedient hat. Aus dem römischen Reich ist bekannt, dass der griechische Arzt Archigenes um 100 n. Chr. mit einem feinem Bohrer schmerzhafte Zähne aufbohrte. Galen hat uns überliefert, wie man zu seiner Zeit Zahnschmerzen behandelte: „Wenn es (das Übel) bei keinem der vorher erwähnten Mittel weicht, der Schmerz aber heftig ist, so benutze ich nach Durchbohrung des Zahns mit einem zarten Bohrer die erwähnten Arzneien". Das bedeutete nicht, dass mit Hilfe des Bohrers die kariösen Stellen beseitigt und eine Füllung angelegt wurde. Nein, der Bohrer diente lediglich zur Beseitigung des Schmerzes. Ganz ähnlich empfahl Avicenna später bei Zahnschmerzen einen dünnen Bohrer zu verwenden, damit die geschädigte Materie entfernt werden und das Heilmittel auf den Grund der Schmerzen vordringen konnte. Dasselbe empfahl der Arzt Giovanni d’Arcoli aus Verona noch um 1450.

 

Transportbehältnisse für Verbandzeug nannten die Römer "capsae". In einer "capsa" wurde Verbandsmaterial transportiert, aber auch blutstillende Medikamente. Ursprünglich waren sie zum Transport von Schriftrollen gedacht und entsprechend groß. Den Träger solcher Behälter nannte man "Capsarius".

Antike


Herz-Skarabäus

Kopie eines aegyptischen Skarabäus 



14x1=14 Teile des Käfers
14x2=28 Tage des weiblichen Zyklus.

So wurde der Käfer zum idealen Bestandteil von Medikamenten ... für Frauen. Er wurde im Mörser zerkleinert und Salben und Pillen beigegeben - ein gutes Beispiel altaegyptischer Magie!

Nur keine Überheblichkeit! Noch im 17. und 18. Jahrhundert wurden in Europa Käfer zur Behandlung von Tollwut zerrieben und eingenommen (Math. Martini armer Kranken Rath, Frankf. 1676, 8, S. 23). Friedrich der Grosse schluckte die Biester ganz eifrig - ab 1777 galt in Preussen der Schwarze Ölkäfer (Meloe proscarabaeus) gar als Specificum gegen Lyssa ...

Antike


Kauter, römischer

Kauter, um 300 n.Chr 


     Mit der rotglühenden nadelförmigen Spitze konnte man Wunden ausbrennen und Blutungen stillen. Die Abwinklung der Nadel verhinderte ein allzutiefes Vordringen der Sonde in die Wunde mit der Gefahr einer Ansengung von tiefliegenden Venen und Arterien...

 

Möglicherweise stellt das Gerät jenen "hamulus acutus" dar, wie ihn CELSUS (VI, 7,9) erwähnt als " hamulus retusus paulum recurvatus, bzw. als " hamulus acutus paulum mucrone intus recurvatus " (VI, 7,4).

 

Eindringtiefe 6 mm. Länge des Instrumentes 189 mm.

Antike


Krontrepan

Trepan, um 300 n.Chr.
Fundort: Trier, Ortsteil Feyen.

 

 

Der chirurgische Trepan stellt eine Sonderform des Trepans dar - auch andere Berufe wie die Bildhauer, bedienten sich der Trepane um rundliche Strukturen, wie Augen, Lockenfrisuren usw. darzustellen.

 

Der chirurgische Trepan

Die in praehistorischen Zeiten so verbreitete Trepanation wurde bei den alten Ägyptern und Römern eher selten - vermutlich hatte sich die Indikation zu diesem wagemutigen Eingriff drastisch verändert. Laut der hippokratischen Schrift "Verletzungen am Kopf" war das Aufsägen des Schädels ausdrücklich auf diejenigen Fälle beschränkt, bei denen der Knochen gesplittert war (Kap. 9). Um diese Diagnose abzusichern, musste der Chirurg den Schädelknochen zunächst grossflächig freilegen und sauberschaben. Blieben Zweifel, so konnte eine schwarze Paste aufgetragen und anschliessend weggewischt werden, um feine Haarrisse im Knochen sichtbar werden zu lassen (Kap. 14).

 

HIPPOKRATES beschrieb 2 Sorten von Trepan:
- den Trepan "à tarière" (mit Bohrer)
- den Trepan "à couronne avec pyramide" (Krontrepan)
Zur Zeit GALEN's war letztere Sorte in Vergessenheit geraten. Um zu verhindern, dass der "trépan à tarière" zu tief durchsackte, fügte man einen zirkulären Wulst an und nannte den Trepan nun "abaptison" = der nicht eintaucht (vgl. Taufe durch Eintauchen in ein Baptisterium).

 

Bei CELSUS wird die Trepanation beschrieben für kleine Infektionsstellen (für ihn galt die "Infektion" des Knochens als Indikation zur Trepanation) wurde der sog. Kron-trepan genommen, den CELSUS modiolus nennt, was soviel bedeutete wie "Zylinderchen". Der eigentliche Trepan war in der Tat ein Metallzylinder, dessen unterer Rand sägeartig gezahnt war. Die Mitte wurde durch einen herausnehmbaren Dorn markiert, der den Trepan fixierte, bis die Zähne im Knochen gefasst hatten. Der Trepan wurde durch einen kleinen Fidelbogen in Bewegung gehalten. Er rotierte unter leichtem Druck, sodass er sich allmählich in den Knochen einfräste. Während des Vorganges sollte das Operationsfeld häufig mit Wasser gekühlt werden. Die durch den Trepan umzirkelte "entzündete" Stelle wurde schliesslich mit einem Knochenmeissel abgetragen. Vor und während des Vorganges musste immer wieder mit einer feinen Sonde der Zustand des Knochens geprüft werden.

 

Exponat
Der hier vorgestellte Trepan hat einen Durchmesser (am Zahnkranz gemessen) von 29 mm. Die Länge der Zähne beträgt im Mittel 4 mm. Ein kleiner Wulst von 0,5 mm verhinderte ein unkontrolliertes Einbrechen des Bohrers in den Schädelraum. Unser "abaptison" unterscheidet sich damit wesentlich von den berühmten Krontrepanen aus Bingen, die über keine derartige Schutzvorrichtungen verfügten und plötzlich mitsamt Rondelle in die Hirnmasse einbrechen konnten.

 

Lit.:
Antony Chipault, Chirurgie opératoire 1894 S. 20.

Antike


Löffelsonde

 

"Bei der Löffelsonde handelt es sich um ein Mehrzweckinstrument, das nicht nur in der Heilkunde Anwendung gefunden hat. Der eigentliche Löffel ist schlank und schmal, die Form entweder halbrund oder V-förmig. Die andere Seite kann zum Beispiel eine Nadel sein, die zum Ertasten von Fremdkörpern genutzt werden kann, aber auch olivenartige Verdickungen, die beispielsweise zum Ausbrennen von Wunden verwendet werden konnten. Zwischen den beiden Enden befindet sich ein mehr oder weniger langer schmaler Griff, dessen Übergänge verziert gewesen sein konnten.
Im einfachsten Fall konnte die Löffelsonde verwendet werden um Heilmittel zu dosieren, zu mischen und zu verabreichen. Sie fand auch ihren Einsatz in der Kosmetik, wo Kosmetika gemischt und aufgetragen wurden. In der Heilkunde wurde die Löffelsonde auch viel zum Reinigen und Säubern von Wunden und zum Auskratzen von Fisteln eingesetzt. Noch heute ist die Löffelsonde bei den Ärzten im Einsatz, wird dann aber als Scharfer Löffel oder Kürette angesprochen"
(zit. http://www.antike-heilkunde.de/).

Gelegentlich waren Instrumenten-etui und Medikamentenschachtel zu einem polyvalenten Kästchen aus Blei oder Bronze kombiniert (lat.: pecillotheca). In seinem Reiseköfferchen nahm der römische Arzt ein Vielzahl ebenfalls polyvalenter Instrumente mit sich, aber auch Heilmittel - oft war er zugleich Apotheker.

Die Behältnisse von Arzneimitteln waren vielfach aus Blei hergestellt, da man dessen Toxizität nicht erkannt hatte. Andere waren aus Holz. Viele Medikamente waren in Form von Kollyren konditioniert, Stangen, von denen man Scheiben abschneiden konnte (die Vorläufer unserer Tabletten). Andere Arzneien wurden in Körner- oder Pillenform dargeboten.

Zur römischen Pharmakologie sind sog. Salbenreib- kästchen zu zählen, eine Kombination von Medikamentenkästchen und Reibplatte (Porphyr, Schiefer, Marmor), manchmal mit Hülse für pharmazeutische Geräte.

Die auf der Platte angerührten Salben brachte der Arzt mit kunstvoll verzierten Spateln auf die Wunde auf, deren Ausdehnung er zuvor mit dem knopfartig aufgetriebenen andern Ende exploriert hatte...

Fundort der vorgestellten Löffelsonde (lat.: cyathiscomela) unbekannt.
Länge ü.a. 114 mm
Länge des Blattes 43 mm
Max. Breite 14 mm.