Pharmazie


Apotheke Clervaux (a)

links im Bild die alte Apotheke 

Die 1867 von Alphons HECK (1844-1922) eröffnete Clerf'er Apotheke ging 1881 in den Besitz von Félix-Léon SAUER (1856-1922), der ihr den Namen "Sternapotheke" gab:

"Sternapotheke, Leo Felix Saur, Clerf. — Apotheke. — Inhaber: Leo Felix Saur, Clerf. — Du 29 juin 1910" (Memorial n°36/1910).

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Apotheke Clervaux (b)

 

Kurz vor dem Tod von Félix-Léon SAUER (1856-1922) wurde die Apotheke von dem 1916 zugelassenen Jean-Pierre-Philippe MOLITOR (1895-1986) erworben.
"Sternapotheke Léon-Félix Saur, Clervaux. — La firme a été rayée ensuite de vente et cession de la pharmacie à M.Jean-Pierre Molitor, pharmacien à Clervaux. — Du 23 décembre 1921" (Memorial 5/1922).

Seit 1982 wird die "Pharmacie de Clervaux" - (den Namen "Stern" hat sie inzwischen eingebüsst) - von dem 1977 zugelassenen Léon BRACONNIER (*1952) geführt. Zur Person des Letzteren die folgende Anekdote, die 2004 im "Cliärrwer Kanton" veröffentlicht wurde, deren Präsident er im Übrigen ist:
"Als Léon Braconnier seinen früheren Arbeitgeber in der Hauptstadt Ende Oktober 1981 über den geplanten Umzug nach Clerf informierte, bat dieser ihn die Bürotür zu schliessen. Und dann meinte er mit ernster Miene, der junge Apotheker solle nicht glauben, die Öslinger lebten noch auf den Bäumen. Und ein Nachbar fragte, ob Freund Léon noch in vollem Gebrauch seiner geistigen Kräfte sei "Hues du se nach all, zu Clierf, do reent et sechs Méint am Joer, an déi aner sechs Méint ass et Wanter, do fällt sou vill Schnéi, dass de d'Hausdir mol nêt méi op kriss". Léon Braconnier konnte sich im Laufe der Jahre selbst überzeugen, dass es "sou schlëmm" nicht an der Nordspitze ist. Doch konnte er feststellen, dass es damals wie übrigens auch heute und in Zukunft noch Vorurteile über Leben und Menschen im Ösling gibt. Freilich gibt es auch vorgefasste Urteile im Norden über die Hauptstädter und "déi aus dem Minett". Hier ist nicht zu vergessen, dass die Öslinger während 365 Tagen im Jahr auf das übrige Land "herabblicken" und das hinterlässt nun einmal Spuren".

Während der Rundstedtoffensive im Dezember 1944 war die Apotheke ein wichtiger Aussichtsposten: zwei mit einem Radioapparat ausgestattete deutsche Kundschafter hatten sich in das Haus geschlichen und leiteten von hier aus die Bombardierung der Stadt durch ihre Genossen von der 2. Panzerdivision, die den im alten Schloss einquartierten Amerikanern nun einen schweren Stand bereiteten ...

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Apotheke Differdingen

 

Der Elefant als Sinnbild von Stärke, Weisheit und gutem Gedächtnis (und Jungfräulichkeit) ist ein häufig benutztes Reklametier in der Pharmazie. Allein in Luxemburg kennen wir 3 Elefanten-Apotheken:
- in Düdelingen (1885 gegründet),
- in Differdingen/Oberkorn (1955 gegründet),
- in Hesperingen/Howald (1995 gegründet).

Vorgestellt wird ein Briefumschlag, 11.9.1958 ab Differdingen, 12.9.1958 an Diekirch.

Fred Nosbusch

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Apotheke Düdelingen 1-1

 

Die "Erste Apotheke" an der Ecke r. de Zouftgen und r. du Commerce" (Haus links im Bild).

Besitzer:
- Henri REINERS (1849-1914) erhielt 1885 die Erlaubnis, eine Apotheke in Düdelingen zu eröffnen
- Louis THONNARD (1866-1954))
- Joseph THONNARD (1895-1952)
- Joseph-Robert HOFFMANN (1903-1988)
- Edmond GILLAIN (*1943)
- Isabelle GILLAIN (*1970)
- Marco CARDONI (*1970)

Auffällig (bei näherem Hinsehen) ist die dreisprachige Anzeige: "Pharmacie" über dem Fenster zur Seite der r. du Commerce (auf dem Bild nicht zu sehen)- Frankreich ist nur wenige Kilometer entfernt, "Apotheke" über der Eingangstür - für die luxemburger Kundschaft gemünzt (luxemburgische Schilder schrieb zu dieser Zeit niemand) und "Farmacia" über dem Seitenfenster in der r. de Souftgen: eine kleine "hommage" an die vielen italienischen Zuwanderer, von denen die Industrie der Region zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebte...

Die Apotheke wurde seither verlegt und ist z.Zt. in Haus 2 r. du Commerce untergebracht. Das auf der Karte als Apotheke ausgewiesene Haus aber ist nun Pizzeria... (auch gesund !).

Zwei weitere Apotheken stehen der Bevölkerung nun zu Diensten: - die "Pharmacie de l'Eléphant"
- die "Pharmacie FOEHR".

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Apotheke Düdelingen 1-2

Ansichtskarte Verlag F. Müller, nicht gelaufen. 

"APOTHEKE" auf Deutsch über dem Haupteingang,

"FARMACIA" auf Italienisch über dem Seitenfenster!

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Apotheke Düdelingen 2-1

 

DEMUTH eröffnete 1906 eine zweite "Neue Apotheke" in Düdelingen. Am 27.1.1913 schrieb er an seinen Freund Alex ROUSSEAU, Apotheker in Grosbous:
"Lieber Lexi
Als Antwort auf deine Karte vom 25. theile ich dir mit dass ich für sämmtliche Betriebs- und Bezirkskassen - auch Unfallgenossenschaft mit der einzigen Ausnahme der Armenkrankenkasse, die Pharm. oeconomica anwende. Fr(eun)dl(iche) Grüsse an deine Familie Demuth".

In Berlin praktizierende und gesundheitspolitisch agierende Ärzte wie Salomon Neumann (1819–1908), Rudolf Virchow (1821–1902) und Rudolf Leubuscher (1821–1861) hatten sich in der Medicinal-Reformbewegung unmißverständlich für eine staatliche Verantwortung und das Recht von Handwerkern und Arbeitern ausgesprochen, unabhängig von der entwürdigenden Armenfürsorge medizinisch versorgt zu werden. Der Arzt Julius Meyer (1820–1896) war, ebenso wie die Vorgenannten, Mitglied des (1849 gegründeten) »Gesundheitspflegeverein der Berliner Arbeiterverbrüderung« (GVBA). Die Erfüllung der im Statut festgelegten Ziele erforderte das Mitwirken von Ärzten, denen die Einheit von Therapie und Prophylaxe ebenso wichtig war wie die sozialen Anliegen der Arbeiterverbrüderung. Die affiliierten Ärzte betrachteten ihre Mitarbeit als Beginn der praktischen Verwirklichung ihrer Ideale vom Arztsein und eines entkommerzialisierten Verhältnisses zu ihren Patienten, den Arbeiterbrüdern. Zwar waren die Ärzte im Verein angestellt, aber ihre Tätigkeit war mit einem formalen Dienstverhältnis nicht vergleichbar. Dies zum politischen Hintergrund der in der Ansichtskarte erwähnten Tarife: Julius MEYER verfasste eine »Pharmacopoea oeconomica« - aus heutiger Sicht eine "Positivliste", in welcher Basistarife festgehalten waren, die der Anstand gebot, nicht zu überschreiten.

Ähnliche Tarife wurden 1877 in Erlangen angeregt:
Ziemssen, Hugo Wilhelm von, Pharmacopoea clinico-Oeconomica: eine Anleitung zur Ordination der wichtigsten Arzneimittel : mit besonderer Rücksicht auf die Armen- und Hospital-Praxis. Erlangen 1877.

Im Mai/Juni 1917 schlug der Arzt PRAUM auch für Luxemburg eine derartige "Pharmacopée économique" vor (Memorial n°73 vom 17.11.1918), 1919 diskutierte das "Collège médical" über deren Einführung (Memorial n°93 vom 11.12.1920). Diese "oeconomischen" Tarife wurden natürlich von den luxemburger Krankenversicherungsanstalten begrüsst(Archives de l'Etat luxembourgeois):
Assurance-maladie Agri-A-086 1904-1919
Caisses régionales: Projets de budgets
Circulaires aux caisses concernant Pharmacopoea oeconomica"
.

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Apotheke Düdelingen 3-1

 

Die heutige Apotheke Georges FOEHR in den 30er Jahren: Ansichtskarte E.A. Schaack, Luxembourg

Georges Foehr *1.8.1947 in Luxemburg, wohnt privat in Düdelingen, 35, r. Jean Jaurès. Er ist seit 2004 Mitglied des "Collège médical"; Präsident des CAD (Cercle athlétique Dudelange) und aktives Mitglied der CSV.

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Apotheke Echternach 1-1

 

1790 wurde in Echternach ein private Apotheke eröffnet als Nachfolgerin der Klosterapotheke. Hier eine Liste der Besitzer der Hirschapotheke:
- Jean-Mathias MERJAY (1756-1807)
- Louis MAYER (1783-1820 )
- Jean Pierre Henri NAMUR (1796-1875)
- François Pierre Joseph NAMUR (1823-1892)
- Pierre Joseph Charles NAMUR (1847-1903)
- Léon NAMUR (1854-1893)
- Léon Joseph NAMUR (1879-1937)
Nach dessen Tod wurde die Apotheke von Provisoren weitergeführt, bis wieder ein Angehöriger der Familie NAMUR den Betrieb übernehmen konnte
- Paul KUFFER (1933-1975)

Die ehemalige "Pharmacie Namur" 12 place du Marché wird augenblicklich vom Apotheker Théo-François THIRY (*1961) geführt und heisst schlicht "Pharmacie Thiry" - geblieben ist nur der Hirsch über dem Eingang.

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Apotheke Echternach 1-2

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um 1942 

Hirschapotheke. Ansichtskarte von 1942, Bild von der Aussentreppe der Apotheke in Richtung Dingstuhl aufgenommen.

Es gibt sie in Villefranche-sur Saône, in Brumath, in Plobsheim... Die älteste Apotheke Frankreichs war jahrelang die "Pharmacie du Cerf" auf dem Kathedralenplatz in Strassburg (1268) - sie ist seit Jahren Billetterie der kulturellen Einrichtungen der Stadt. In deutschen Städten ist die Bezeichnung noch häufiger. Allein in Luxemburg gibt es eine zweite Hirschapotheke in Mersch.

Warum der Name HIRSCH-Apotheke ? Unsern Vorfahren galt der Hirsch - als Begleiter des hl. Hubertus, Eustachius, Thelau und Edern - mystisch verklärt, und Christus als dem Spender ewigen Lebens verbunden. Das Hirschgeweih wurde zur Darstellung eines Liebeszaubers benötigt:
"Ein Hirschgeweih und eine Wegwarte benötigt man für einen Liebeszauber. Dazu soll man am Tag des Heiligen Petrus (29. Juni) um „zwei Uhr zur Vesper” mit einem Hirschgeweih ausgehen und mit diesem eine Wegwarte ausgraben. Wen man dann mit diesem Kraut berührt, der sei einem in Liebe zugetan" (Sieg S. 97) - der Apotheker als Nachfolger der mittelalterlichen Zauberer ?
Schriftsteller und Maler haben aus dem Hirschen das Sinnbild der "Vorsicht" gemacht, da er in der Richtung des Windes flüchtet und instinktiv die für ihn zutreffenden Heilkräuter ausmachen kann. Symbol der Vorsicht, die der Apotheker walten lassen muss ? Vor allem aber ist der Hirsch eine klassische Figur der ALCHEMIE - Symbol des "philosophalen" Quecksilbers und des Geistes (männliches Prinzip), während das Einhorn für Schwefel steht (weibliches Prinzip) (zit. Jean Chevalier, Dictionnaire des symboles, 1982 S. 198). Man weiss um die Vorliebe der früheren Apotheker für Al- und Chemie...
Als Bild der Schnelligkeit werden die horntragenden Tiere Hirsch und Gazelle im Alten Testament erwähnt (Hld 2 9-17) - sicherlich kein Grund für einen Apotheker, seine Offizin nach diesem "schnellen" Tier zu benennten. Der Name hat schon gar nichts mit dem blauen röhrenden Hirsch der Kulturstadt Luxemburg 2007 zu tun. Er erinnert vielmehr (neben der oben angeführten alchemistischen Bedeutung) an die vielen pharmazeutischen Produkte, die unsere Vorfahren dem Hirschgeweih entnahmen:
*Die "Herzsteine (Knorpel) von Hirsch und Steinbock gehörten zur Gruppe tierischer Konkremente, in denen man die volle Kraft der Tiere sah, die man medizinisch nutzen wollte.
* Hirschbezoare - vielfach zu benutzen ... * um Mund und Zähne gesund zu halten und den Atem wohlriechend zu machen, kaute man wohlriechende Blätter, machte Spülungen mit Wein, in dem Wurzeln aufgekocht wurden und behandelte die Zähne mit verschiedenen Zahnpulvern, deren Hauptbestandteile gebranntes Hirschhorn, gestoßener Marmor und verschiedene Wurzeln waren.
* "Les bois du cerf étaient utilisés au XVIe siècle pour débarrasser l’homme des vers qui le parasitent. «Pline dit que le cerf est capable de manger des serpents, explique le jeune historien lausannois. L’usage particulier décrit ici constitue vraisemblablement une évolution de cette légende» - ein eher magisches Wurmmittel demnach, entstanden gemäss der Signaturenlehre...
* Hirschhornsalz (sal volatile cornu cervi) wird durch "trockene Distillation" des Hirschgeweihes gewonnen - ein heute eher obsoletes "Backpulver", bestehend aus einer Mischung von Ammoniumkarbonat, Ammoniumhydrogenkarbonat und Ammoniumkarbamat, die in der Backhitze zu Kohlendioxyd, Ammoniak und Wasser zerfallen.
* Hirschhorngeist - Ammoniak - wird durch die gleiche Distillation gewonnen und wurde medizinisch benutzt.
* Hirschhorntalg (sebum cervinum) ist der ausgeschmoltene Talg des Hirsches. Die Salbe wird seit Jahrhunderten benutzt, früher rieb sich jeder Reiter den Pöter vorsorglich damit ein, um keine Blasen zu bekommen. Haemorrhoiden wurden damit bestrichen ebenso wie wunde Brustwarzen ...

... Gründe genug für einen angehenden Apotheker, seinen Betrieb "Hirschapotheke" zu nennen !

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Apotheke Echternach 2-1

 

Die Echternacher Löwen-Apotheke wurde 1783 von dem in dieser Stadt geborenen und 1783 als Apotheker zugelassenen Franz Höldenstein gegründet. Die Beziehungen zur Abteiapotheke waren alles andere als gut ... Da der Sohn des Apothekeninhabers in eine Apotheke der Hauptstadt einheiratete, ging die Echternacher Apotheke an einen Schwiegersohn ...

Besitzer:
- François HELDENSTEIN (1749-1824)
- Jean-Pierre Jérôme BRIMMEYR (1799-1876)
- Jean-Pierre Sylvain FISCHER (1854-1912)
- Pierre-Prosper CLEMEN (1857-1914)
- Emile PEUSCH (1891-1957).

"1091. — Löwenapotheke Emil Peusch, Echternach.— Apotheke und Droguerie, homöopathische Zentrale.— Inhaber: Emil Peusch, Echternach. — Du 26 octobre 1918" (Firmenregister; Memorial n°21 vom 3.4.1919). Die Witwe Peusch liess die Apotheke durch Provisoren weiterführen, bis die Tochter...
- Josette PEUSCH (*1928) den Betrieb weiterführen konnte.
- Françoise ZIRVES (*1955), Tochter der Vorgenannten, führt zur Zeit die Apotheke "Zirves-Peusch", 32 place du Marché.


Während des 2. Weltkrieges wurde die Löwenapotheke schwer beschädigt - nach der v. Rundstedt-Offensive von 1945 war so ziemlich alles kaputt, nur nicht das Schild "Apotheke" auf der zum Marktplatz gerichtetenen Hauptfassade ...(siehe Bild).

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Apotheke Esch 1-1

 

"Esch den 21.3.84
Bitte Sie so freundlich zu sein mir umgehend zur Einsicht zu schicken mit Preisangabe: Schaeffers Flora von Trier.
Ebenfalls Titriermethoden von Medicus
Achtungsvoll Ferd. Liesch"
.

[Michael Schäfer (1790-1846), Priester sowie Lehrer der Mathematik und Naturwissenschaften in Trier, schrieb eine Flora der wildwachsenden Pflanzen des Regierungsbezirkes Trier, die er 1826 bei Linz herausgab.]

[Ludwig Medicus (1847-1915), Kurze Anleitung zur qualitativen Analyse. Zum Gebrauche beim Unterricht in chemischen Laboratorien, bearbeitet von Dr. Ludwig Medicus, a. o. Professor an der Universität Würzburg. Zweite Auflage. Tübingen 1882. Verlag der H. Laupp'schen Buchhandlung]


Fernand LIESCH (1848-1915) bekam 1882 die Erlaubnis, eine zweite Apotheke in Esch/Alzette zu eröffnen, die "Adlerapotheke". Er verkaufte die Offizin schon 1900 an
- Johann-Joseph HANFF (1876-1963). Die Apotheke lag 7 pl. Emile Metz.
- Paul TRIERWEILER (1926-1998)
- Heutzutage wird die "Pharmacie de l'Aigle", 50 bd. J.F. Kennedy von Michel TRIERWEILER (*1960) geführt.


Nota
Drei weitere Apotheken führen hierzulande den etwas pompösen Namen "Pharmacie de l'Aigle":
- die 2. Apotheke von Wiltz von Marc Weber...
- in der Hauptstadt die Apotheke Richard und Namur
- in Niederkerschen die Apotheke Ferdinand Fischbach...

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Apotheke Welschbillig  Esch/Alzette 

Baby-Puder 

Pflanzliche Produkte beherrschten lange Zeit den Markt. So wurden Club-Moos Sporen als Streupulver in der Chirurgie, als Babypuder und verschiedene Hautkrankheiten benutzt.

Seit der Antike ist Ameisensäure bekannt. Meyers Konversationslexikon von 1903 meinte zu Formalin, es sei ein "sehr wirksames desinfizierendes und antiseptisches Mittel, das auch zerstäubt werden kann und auf Möbel etc. nicht zerstörend wirkt" – Streupulver, das auf Möbel gestreut wurde … In chemisch komplexer Verbindung taucht das Formalin immer wieder auf: A. Reuter, Ameisensäure als Heilmittel, Kurzer Leitfaden für ihre Anwendung, 1930.

  • Georg August Richter (1829) schrieb über Salpeter "Er wirkt auch bedeutend antiseptisch, wird daher wohl als Streupulver bei fauligen Geschwüren , kaltem Brande empfohlen".

Ab 1900 wurde ihnen der Rang von komplexeren Chemikalien abgelaufen:

  • H Büchner, Ueber die Theorie der antiseptischen Wundbehandlung, in: Langenbeck's Archiv der Chirurgie, Volume 10, Nr. 1-2 (1878), 91-109.
  • Max Silber, Salubrol, ein neues antiseptisches Streupulver, in: Deutsche Medizinische Wochenschrift, 22(1896), Heft 52, S. 843-845.
  • Walther Schmidt, Die Desinfektionskraft antiseptischer Streupulver und Bemerkungen über die Fernwirkung des Jodoforms, Jena, Gustav Fischer 1897.
  • Adolf Schuftan, Über Phenyform ein neues antiseptisches Streupulver, in: Therapeutische Monatshefte, Band 20 Seite 249, Verlag J. Springer., 1906.
  • R. Schnitzer, Untersuchungen zur Desinfektion staphylokokken-infizierter Wunden mit Rivanol-Carbamid-Streupulver, in: Langenbeck's Archive der Chirurgie Volume 184, Nr. 3-4 (1924), 166-180.
  • Ernst J. Feilchenfeld, Alfa Antar, ein neues antiseptisches Wundpulver, in: Deutsche Medizinische Wochenschrift, 52(1926), Heft 41, S. 1733-1734.

    Ob Formalin, Jod, Salpeter oder Zink – leider verrät uns die Dose nicht, welches Prinzip Welschbillig in Esch einsetzte!

    Stephan Welschbillig aus Echternach hatte 1870 die Apotheke von François Rothermel in Esch a.d. Alzette übernommen. Er starb 1895 sodass sein 1873 geborener Sohn Guillaume den Betrieb (nach einer kurzen Zeitspanne, die mittels eines Apothekerstudenten Eugène Weiss als Provisor überbrückt wurde), übernehmen konnte, als er 1897 zugelassen wurde. Guillaume leitete die vom Vater ererbte Apotheke bis 1937, als er sie seinerseits an seinen Sohn Georges weiterreichte. Er starb 1948 im Alter von 74 Jahren.

    Typisch für frühere Apotheker ist ihre Tätigkeit als Erfinder und Fabrikanten von Medikamenten. Vorgestellt wird ein Baby-Pulver aus der Offizin dieses Guillaume Welschbillig.

    Genauso typisch ist ihre Treue zu ihrer Apotheke. Kaum vorstellbar, dass kein Sohn den Betrieb hätte übernehmen können! Zu dieser Sippenmentalität passt auch das Bestreben, eine Ehefrau aus Apothekerkreisen zu heirateten. So tat auch unser Guillaume Welschbillig, als er 1901 eine Tochter des Hosinger Apothekers Paul Prüssen heiratete - so hatte es schon sein Vater gehandhabt, als er 1870 eine Tochter des Remicher Apothekers Michel Schmit heiratete ...

    Von dieser Stelle aus ein besonderer Dank an Herrn Apotheker Marc Hary (Pharmacie de Belvaux), dem ich dieses schöne Sammlerstück verdanke - ein Dank auch an Herrn Erny Schockmel aus Beles für die Vermittlung.