Anästhesie


Aether, Transportflasche (1)

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Synomyma: aether ad narcosin, aether anaestheticus Aether pro narcosi.

Abk. Ae. pro narcosi, Narkose-Äther; engl.: anaesthetic ether. Gemäß Arzneibuch ein gereinigter Diäthyläther (Ae. aethylicus), d.h. frei von Aceton, Aldehyden, Peroxiden, schwefliger Säure u. anderen freien Säuren, mit Stabilisator-Zusatz. Muss trocken, lichtgeschützt, kühl u. dicht verschlossen (mit Metallfolie überzogener Korken) aufbewahrt werden.

Wegen Explosionsgefahr trotz großer therapeutischer Breite (Letalität ca. 0,3‰) u. schwach muskelrelaxierender Wirkung in Industriestaaten nur noch historisch interessant.

 

 

Geschichte
Innerhalb Deutschland kommt die erste Äthernarkose am 24. Januar 1847 durch Heinrich E. Weikert und Carl F.E. Obenaus in Leipzig zur Anwendung. Am gleichen Tag bediente sich auch Johann Ferdinand Heyfelder in Erlangen dieser neuartigen medizinischen Technik.

 

 

Exponat

Alle Flaschen wurden aus braunem (selten grün/blauem) Glas hergestellt, da man erkannte, dass es unter Lichteinfluss zu toxischen Veränderungen des Äthers [ebensowie des Chloroforms] kommen konnte. Die Beschriftung der Flaschen erfolgte entweder in der "embossing" (Hochrelief) - oder der "etching" (Aetzung) -Technik. Der Text unserer Flasche wurde eingeätzt. Höhe 11,8 cm, Durchmesser an der Basis 5,4 cm.

Herkunft: Saint-Hélène-Bondeville / Haute-Normandie, 2013.

Anaesthesie


Aether, Transport (2)

Aetherflasche
 

 

Explosionsgefahr
   Ether-Luft-Gemische sind an sich leichtbrennbar, explosiv und daher von Zündquellen fern zu halten. Bei langer Lagerung können Diethylether und ähnliche Substanzen jedoch von selbst gefährlich werden. Diese Gefährdung durch organische Peroxide und damit verursachte Unfälle sind schon sehr lange bekannt, werden jedoch immer wieder vergessen. In der Liste der Substanzen die zu Störfällen geführt haben standen die Peroxide noch 1985 an 11. Stelle mit 1.5% aller Ereignisse. Im Organikum von 1963 steht: besonders gefürchtet sind Ätherperoxide, die z.B. aus Äthyläther, Diisopropyläther, Tetrahydrofuran und Dioxan beim Stehen lassen an der Luft und am Licht leicht gebildet werden. Die erste Ätherexplosion in der Charité erlebte Ferdinand Sauerbruch 1937 bei der Verschorfung einer Lunge mit einem Glüheisen.

 

  Cave: Organische Peroxide gehören zu den sehr gefährlichen Substanzen! Bei ungewöhnlicher Viskosität oder Kristallbildung in der Flasche oder am Verschluss nicht bewegen und nicht öffnen! Auf Peroxide kann durch Zugabe von 2 ml Eisessig und Kaliumiodid zu 1 ml Ether/Isopropanol/Butanol getestet werden. Sich bildendes Iod zeigt Peroxide an …

 

Transportflasche (15x7x7 cm) des von 1935-1978 unter dem Namen "Farmitalia" firmierenden pharmazeutischen Unternehmens.

 

Herkunft: erstanden "am alten Hafen" in Innsbruck 8/2016.

Anästhesie


Aether, Tropfflasche (1)

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    Das erste Inhalationsanaesthetikum der Geschichte war Haschisch. In der Tat verbrannten die alten Skythen Hanfsamen in ihren Zelten, um in einen Rauschzustand zu gelangen - leider versäumten die Skythen, die Hanfdämpfe in die chirurgische Praxis einzuführen. Erst die Römer entdeckten den schmerzstillenden Effet: Plinius der Ältere schreibt, dass Hanf Schmerzen lindere, und Pedanios Dioscurides berichtet von der Wirksamkeit des Saftes der Hanfsamen gegen Ohrenschmerzen. Vom Mittelalter bis in die Neuzeit wurden aus Hanf Mittel zur Linderung von Wehenkrämpfen und nachgeburtlichen Schmerzsymptomen gewonnen.

 

Links im Bild eine Flasche mit Verriegelung, rechts im Bild ein Tropf-Stöpsel ohne Verschlusshahn - dieser Typ von Flaschen wurde verschlossen, indem auf jede Öffnung ein Käppchen aufgesetzt wurde, wobei die beiden Käppchen mittels Kettchen miteinander verbunden waren.

 

Aether für Sterbende
Aether ist seit dem 13. Jahrhundert bekannt, fand aber keine Verwendung in der Heilkunde. "Sur la commode, autel improvisé , j'aperçus un crucifix, un rameau de buis, enfin, tous les apprêts d'un sacrement redoutable; en même temps , je sentis une odeur d'ether, ce parfum des mourans , et mon coeur se glaça , car je crus respirer une exhalaison de la tombe" (Charles de Bernard, La peine du talion, in: Courrier du Grand-Duché de Luxembourg vom 7.10.1846). Warum wird in diesem Text der Tod mit Aether in Verbindung gebracht. Man kann lesen, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts Aether injiziert wurde um Sterbende zum Leben zurückzuholen:

"Au début du xxe siècle, et surtout dans l’entre deux guerres, avec les progrès technique, certains clercs n’hésitent pas à recommander l’emploi de cordiaux (injections intraveineuses ou même intracardiaques d’éther, de caféine, d’huile camphrée, d’adrénaline) ou la mise en œuvre du massage cardiaque pour ranimer le cœur défaillant des moribonds" (Maurice D’HALLUIN, Résurrection du cœur, la vie du cœur isolé, le massage du cœur, Paris, Vigot, 1904).

Das aber war 1904 und nicht 1846. Wir glauben, dass sich Bernard eine dichterische Freiheit erlaubt hat und sich einbildete, den "aetherischen Leib", der mit dem Tod den Körper verlässt, "gerochen" zu haben. In der Tat regt Aether in niedriger Konzentration das Rückenmark an mit Auftreten von gesteigerten Reflexen. Nie aber gelingt es damit, lebendwichtige Reflexe wieder in Gang zu bringen.

 

Noch 1936 wurde in der Fachpresse die Aethertropfnarkose als für den Hausarzt ungefährlichste Methode empfohlen (Prof. G. Lotheissen, Anaesthesierungsmethoden in der Hand des praktischen Arztes, in: WMW N°16 vom 18. April 1936).

 

Tropfflasche 2/1
Tropfflasche 2/2

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Aether, Tropfflasche (2)

Prosper Kayser 1
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aether "pro narcosi"

- 1842 führte der Amerikaner Crawford Williamson LONG (1815-1878) einen ersten chirurgischen Eingriff unter Aethernarkose durch - publizierte seine Tat allerdings erst 1848.
- 1846 führte der Amerikanische Zahnarzt William Thomas Green MORTON (1819-1868) in Boston die weltweit erste publizierte Vollnarkose durch - beim Ziehen eines Zahnes. Auf Anraten des Arztes und Chemikers Charles Thomas JACKSON (1805-1880) benutzte er dazu Äther, und setzte einen neuentwickelten Inhalationsapparat, das "Letheon" ein...

Da es immer wieder zu Narkosezwischenfällen kam, die man auf ungenaue Dosierung zurückführte, kam es zur Entwicklung zahlreicher spezieller Tropfvorrichtungen, die eine konstante Tropfengrösse ermöglichten.

 

Auch im nichtmedizinischen Umfeld wurde Aether in grossem Umfang benutzt, so bei ... den Frisören. Als es zu Unfällen kam, reagierte die Gemeindetverwaltung Luxemburg:

"Hr. Hamilius weist auf einen bestehenden Missstand hin, der seiner Ansicht nach wichtig ist, besprochen zu werden. Er erinnert an zwei Explosionen, die in einem Jahre in zwei Friseurläden durch entzündbaren Aether hervorgerufen wurden. Das stelle unbedingt eine grosse Gefahr dar, denn nur durch Zufall ist bis jetzt kein Opfer zu beklagen gewesen. Die Friseure sind selbst einverstanden, dass ein Verbot des Gebrauches von entzündbarem Aether erlassen wird, umso mehr als es möglich ist, im Handel auch NICHT entzündbaren Aether zu erhalten, der allerdings 5 - 6 Franken pro Liter teurer ist" (Escher Tageblatt vom 26.2.1938).

 

Die Aether-Tropfnarkose ist inzwischen obsolet. An den Universitätskliniken Leipzig wurde 1971 letztmalig Äther bei einer Tropfnarkose verwendet (zit. kai.uniklinikum-leipzig.de/_patienteninfo/allg_geschichte.html

 

Die vorgestellte, 9.8 cm hohe, 6.8 cm breite und 3.5 cm dicke Flasche ist ein Geschenk des Anaesthesisten Prosper KAYSER, der von 1965 bis 1998 in der Zithaklinik in Luxemburg wirkte. 

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AMBU-Beutel
Ambu 1
Ambu 1 Detail
Ambu 2
Ambu 2 Detail

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Bei der manuellen Beatmung von Patienten mit Atemstillstand oder insuffizienter Atmung. kommt seit den 50er Jahren ein "Beatmungsbeutel" zum Einsatz.

 

Geschichte

"Der bekannteste Hersteller für die Beutel ist das dänische Unternehmen Ambu A/S, gegründet 1937 vom deutschen Ingenieur Holger Hesse. Mit diesem zusammen entwickelte der dänische Anästhesist Henning RUBEN (daher die Bezeichnung "Rubenbeutel") 1956 den ersten Beatmungsbeutel, den "self-inflating resuscitator". In den 1951 Jahren arbeitete er nach verschiedenen Auslands-aufenthalten in Schweden und England ein halbes Jahr lang zusammen mit James Elam in Iowa, USA. Dort begann sein Interesse an der Beatmung und sein Ideenreichtum an Erfindungen. In Kopenhaben wurden die zentralen Gastanks der Krankenhäuser regelmässig mittels Lkw's beliefert. Der Streik dieser Lastwagenfahrer, der Krankenhäuser von der Versorgung mit notwendigem Material abschnitt, war 1954 für RUBEN der Auslöser zum Bau des ersten selbstexpandierenden Beatmungsbeutels. Das zunächst unter Zuhilfenahme von Fahrradspeichen zusammengebaute Gerät wurde zum Prototyp dessen, was die American Medical Association 1964 als einen der wichtigsten Fortschritte in der Anästhesie der letzten 25 Jahre bezeichnete" (Wikipedia).

 

Der Erfinder

Henning Moritz RUBEN wurde am 20.7.1914 in Kopenhagen als Sohn eines orthodoxen Juden geboren. Ursprünglich als Zahnarzt ausgebildete (Studienabschluss 1933) erstaunte er mit einer Reihe von absonderlichen Fähigkeiten: Tangotanz, Fechten und Zauberei. Ab 1943 studierte er Medizin in Kopenhagen, wo er 1946 sein Abschlussexamen schaffte. Sein Interesse galt der Anaesthesie … In den 1951 Jahren arbeitete er nach verschiedenen Auslandsaufenthalten in Schweden und England ein halbes Jahr lang zusammen mit James Elam in Iowa, USA. Dort begann sein Interesse an der Beatmung und sein Ideenreichtum an Erfindungen. Von 1955-1984 war er schliesslich Professor für Anaesthesie an der Uni Kopenhagen. Er starb am 4.12.2004.

 

Exponate

Zwei Beutel, die meine Frau 1980 aus der Kinderklinik mitgehen liess.

1) Beatmungsbeutel Mark III 3 (schwarz) mit Maske 5 mit Filteradapter

2) Silikon-Beutel Professional (blau). Die integrierte Handschlaufe lässt den Beutel noch besser greifen.

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Bluttransfusionsgerät (1) n. HENRY und JOUVELET

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Am 6.10.1914 gelang Professor Emile JEANBRAU (1873-1950) von der Medizinischen Fakultät der Universität Montpellier am Hospital der Stadt Biarritz die erste direkte Bluttransfusion: zwischen einem Soldaten (Isidore Colas) und seinem ausgebluteten Kaporal (Henri Legrain). Im Mai 1917, mit der Erfindung der Beimischung von Natriumzitrat, gelang es, Blut zu konservieren. Dennoch blieb jahrzehntelang die direkte Blutübertragung im "Arm-zu-Arm"-Verfahren tägliche Praxis in unsern Spitälern.

Michael E. DeBakey wies 1934 auf die bisher entwickelte Vielzahl von Methoden der Bluttransfusion nach dem Prinzip des "milking-tube" hin, deren Instrumente jedoch von ihm als zu groß und unpraktisch empfunden wurden. Er modifizierte die Rollerpumpe dahingehend, dass eine bis dahin problematische Weiterbewegung des Pumpenschlauches während des Pumpvorgangs innerhalb der Pumpe durch eine Fixierung des Schlauches am Pumpengehäuse verhindert wurde. In der gemeinsam mit Charles Ernest Schmidt 1935 verfassten Patentschrift dieser "Surgical pump" (Pat.-Nr. 2018998) wurden weitere Vorteile beschrieben. So war die Förderung des Blutes in nur eine Richtung möglich, um zu verhindern, dass die Flüssigkeit vom Empfänger zum Spender gepumpt werden konnte. Außerdem war zur genauen Quantifizierung der Fördermenge ein automatischer Zähler der Pumpenumdrehungen installiert worden. Eine halbe Umdrehung dieser Pumpe entsprach dem Fördervolumen von einem Kubikzentimeter. Im gleichen Jahr präsentierten auch Henry und Jouvelet in Frankreich eine kleine Rollerpumpe zur Bluttransfusion, die ebenfalls einen Rotationszähler aufwies.

"Le sang est encore complet, on l'appelle le "sang total", il n'est pas séparé en ses différents composants et sa durée de conservation n'est pas illimitée. De plus, les organismes de collectes et de redistribution du sang ne sont pas encore vraiment organisés pour transporter les flacons. Donc, chaque unité de santé au sein des armées est équipée de ce dispositif de transfusion directe et d'urgence qui permettait, même dans des conditions précaires, de soutirer le sang d'un donneur compatible et de l'envoyer directement dans les veines du receveur" (http://www.france5.fr/sante/histoires/W00476/11/).

Pierre JOUVELET (1890 -?) war Militärarzt und lebte lange Jahre in China. "En 1916-1917 Jouveau Dubreuilh et P. Jouvelet donnent une nouvelle impulsion à l’établissement médical. Le second développe l’Institut de vaccination de Pei Men. Jouvelet œuvre à T ch e n - To u pendant dix ans, puis revient en Chine avec la mission Lytton (1932) et une mission Specia (1936)" (http://www.revuemedecinetropicale.com/135-135_-_history_trop_jmm.pdf).
Wegen seiner China-Erfahrung bestimmte man ihn 1932, um als Dolmetscher und Arzt die Mandschureikommission des Völkerbundes zu begleiten.

Ein Verbindungsschlauch zum vorgestellten Apparat wurde hergestellt in den Ets GAZEL, 5. route de Gournay in Noisy-le-Grand. Dabei fällt auf, dass auf der Verpackung die Rede geht von "Henry H. und Dr.P. Jouvelet" - Henry also offenbar kein Arzt war.

Über lange Jahre blieb die Transfusion ein eher experimentelles Unterfangen. 1935 wurden den Luxemburger Kollegen endlich praktikable Transfusionsgeräte vorgestellt:
"Im zweiten Teil der Sitzung stand die Frage der B l u t t r a n s f u s i o n auf der Tagesordnung, wobei die Herren Dr. L. Molitor, Dr. H. Loutsch, Dr. J. Faber und Dr. Fr. Demuth eingehend zu Worte kamen. Die Frage der Bluttransfusion beschäftigt schon seit längerer Zeit unser Rotes Kreuz, das in der Frage der Blutspender sowie in Bezug auf Aufklärung des Publikums hinsichtlich des grossen Wertes dieser neuesten Behandlungsmethode sich grosse Verdienste erworben hat. Herr Dr. Leon Molitor besprach die beim Menschen vorkommenden vier Blutgruppen sowie die mittels Testserums vorzunehmende Untersuchung des Blutes vom Spender und vom Empfänger. Das vom Roten Kreuz unentgeltlich verabfolgte Testserum gestattet, innerhalb einer halben bis anderthalb Minuten festzustellen, zu welcher Gruppe das Blut eines Empfängers gehört, wonach der entsprechende Blutspender zur sofortigen Blutabgabe herangeholt wird. Die in dieser Hinsicht von Dr. Molitor an Ort und Stelle vorgenommene Blut untersuchung eines der sympatischsten Aerzte aus dem Süden des Landes ergab innerhalb einer halben Minute, dass dessen Blut zu Gruppe B gehört. Herr Dr. Henri Loutsch besprach die ärztlichen Indikationen bei denen die Bluttransfusion vorgenommen wird. Hierzu gehören in erster Linie akute, starke Blutverluste, bei denen die Bluttransfusion lebensrettend wirkt, ferner Magengeschwüre, verschiedene chronische Bluterkrankungen, Kohlenoxyd, Gasvergiftung, ausgebreitete Verbrennungen sowie verschiedene akute Infektionskrankheiten. Die Bluttransfusion ist heute so weit gediehen, dass bei akuten Infektionskrankheiten Immunblut von an der betreffenden Krankheit geheilten Spendern übertragen wird, wobei nicht nur gesunde Blutkörperchen sondern im Serum des Spenders vorhandene Antikörper auf den zu behandelnden Kranken übertragen werden. Herr Dr. Jean Faber besprach die Technik der Bluttransfusion an Hand der verschiedenen Transfusionsapparate sowie die Vorsichtsmassregeln die bei diesem Eingriffe zu treffen sind. Herr Dr. Demuth erklärte die Organisation der vom Roten Kreuz geschaffenen Blutspenderdienstes. Dank seiner Propaganda verfügt das Rote Kreuz über Blutspender in Luxemburg, Esch an der Alzette sowie in zahlreichen Ortschaften des Landes. In nächster Zeit werden die Namen der Blutspender sämtlichen Aerzten des Landes zur Kenntnis gebracht, so dass dieser neue medizinische Dienst, dank dem Entgegenkommen des gesamten Aerztekorps sowie sämtlicher Krankenanstalten, sich im ganzen Lande zum Wohle der Kranken auswirken kann. Behufs weiterer Auskunft sowie zur Annahme und zur Untersuchung von Blutspendern steht das Rote Kreuz sämtlichen Interessenten zur Verfügung. Herr Präsident Dr. Jean Faber dankte den anwesenden Kollegen für ihr überaus zahlreiches Erscheinen, brachte den Dank der Gesellschaft an die anwesenden Aerzte aus Lothringen und aus Arlon sowie an Prof. Ed. J. Klein, Präsident der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Sektion des Grossherzoglichen Institutes zum Ausdruck und nahm alsdann in einem Saale des Bakteriologischen Institutes eine flott vonstatten gehende Blutübertragung von einer Spenderin auf einen Empfänger vor" (Escher Tageblatt vom 20.2.1935). Die Ärzte konnten also spâtestens ab 1935 ihre Spender aus einer Liste des LRK aussuchen ...

Vorgestellt wird eine Henry&Jouvenet-Pumpe, wie sie im Februar 1934 in der Académie de Médecine vorgestellt wurde und in den staatlichen Kliniken (Kriegsministerium, Marine, Kolonien und Assistance Pulique) zum Einsatz kam. "Fabriqué par les Ets Gazel à Noisy le Grand, distribué par les Ets D.Simal et At.Lebros, rue des Ecoles à Paris Vème".

1949 (!) verkauften die "Etablissements D. SIMAL et Auguste LEGROS Réunis, 26 r. des Ecoles à Paris" die hier vorgestellte Pumpe an die Klinik St. Elisabeth in Luxemburg.

Lit.:
Henry L, Jouvelet P: Appareil à transfusion du sang. Bulletin de l'Académie de Médecine 1934; 111: 312-319 .
Bernabé MT, The Jouvelet transfusion-accelerator pump, in: Soins Chir. 1987 Jun-Jul;(76-77)



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Bluttransfusionsgerät (2)

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um 1950 

"Blut ist ein ganz besond´rer Saft" - wusste schon Mephisto...

Die Geschichte der Blutpumpen begann mit der Entwicklung einer Rollerpumpe für Bluttransfusionen durch ALLEN. Sie wurde von Truax zur ersten Doppelrollerpumpe weiterentwickelt. Nach einer weiteren Modifikation durch DeBAKEY ist dessen Name heute noch immer mit der Rollerpumpe verbunden. In den ersten experimentellen Perfusionssystemen kamen die unterschiedlichsten Pumpsysteme wie Membran-, Schlauch-, Finger- und Rollerpumpen zum Einsatz. Gegenüber den pulsatil arbeitenden Pumpsystemen konnten sich schließlich nonpulsatile Roller- und Zentrifugalpumpen in den heutigen Herz-Lungen-Maschinen durchsetzen.

Vorgestellt wird ein Gerät der Schweizer Firma "Transfusex", eine simple Rotationspumpe mit Uhrwerk zum Ablesen der transfundierten Blutmenge (Clinique Ste Elisabeth/Luxemburg).

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Bluttransfusionsgerät (3)

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Gerät n. BRAUN-TZANCK

 

 

   Wurde die Bluttransfusion zunächst mittels gewöhnlicher Spritzen vorgenommen, kam es später zur Entwicklung zahlreicher Transfusionsapparate. Sie beruhten meist auf dem Mehrwegehahn-Prinzip, so der Apparat n. OEHLICKER.
Vor Beginn der Transfusion musste das ganze System mit physiologischer Kochsalzlösung aufgefüllt werden, und zwischen zwei Blutfüllungen jeweils mit Kochsalz durchgespült werden. Andernfalls kam es unweigerlich zur Bildung von Koageln im System. Aus diesem Grunde wurde dieses Verfahren später durch die Möglichkeit zum Durchspülen des Systems ohne das Absetzen der Spritze unter der Verwendung eines Dreiwegehahnes erweitert (Rotanda-Spritze, Assa-Spritze,  BRAUN-TZANCK und ROTH).

 

Lit.:
E. Eberhardt, M. Eberhardt, Die Bluttransfusion im Wandel der Zeit, in: Sandorama 4/1996 S. 32-40

 

Die Technik von TZANCK bewährte sich beim Attentat auf den französischen Staatspräsidenten am 6. Mai 1932. Dabei kam einer Luxemburgerin eine edle Aufgabe zu:

„Die Personen, die ihr Blut für den Präsidenten hergaben, sind: Melle KRIEDEL, Krankenschwester im Dienste des Dr. TZANCK und der Oberkellner Robatel, rue de Lisbonne, der als Blutüberträger auf den Listen für dringende Bluttransfusion eingeschrieben ist“ (Echternacher Anzeiger vom 11.5.1932).

"Zum Tode Paul Doumer. Fräulein Jeanny Kridel, geboren am 28. Januar 1908 in Düdelingen, Tochter des Herrn Johann Peter Kridel, Hüttenmaschinist, Schifflingen, hat zusammen mit Hr. Robatel, Maitre d'Hôtel, Paris, ihr Blut zur Rettung des Präsidenten der französischen Republik, Herrn Paul Doumer hergegeben. Fräulein Jeanny Kridel ist eine geborene Luxemburgerin dieselbe ist Infirmiere bei Hrn. Dr. Tzanck in Paris. Dieser führte die erste Operation aus. Nach der Blutübertragung durch Fräulein Kridel, konnte Hr. Doumer wieder einige Worte sprechen" (Escher Tageblatt vom 12.5.1932).

Doumer überlebte die Schüsse des russischen Arztes (!) Paul Gorguloff (1895-1932) nicht, trotz der edlen Blutspende ...

 

Exponat

Das hier vorgestellte Besteck stammt aus einem aufgelösten Bundeswehrdepot (Raum Stuttgart), dessen Altbestände ausgemustert wurden.

 

 

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Bluttransfusionsgerät (4)

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Apparatur nach BRAUN-TZANCK "in situ": FDC der österreichischen Bundespost vom 14.6.1968.

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Bluttransfusionsgerät (5)

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ASSA-Pumpe 

Nach einem ähnlichen Prinzip, wie die ROTANDA-spritze arbeitete die Glaspumpe "ASSA" der Fa. VEB Glaswerke Schmiedefeld am Rennsteig.

Das Begleitprospekt präzisiert:
"Verwendung für

  • Bluttransfusionen von Vene zu Vene
  • Infusion und Punktion von Flüssigkeiten in Körperhöhlen (pleuritis exsudativa)
  • Spülungen seröser - blutiger - eitriger Gelenkergüsse".

    Import aus Östrich-Winkel in Hessen.

    Der Herstellungsort Schmiedefeld ist ein schöner Urlaubsort im Thüringerwald. Die Glasfabrik, ein Volkseigener Betrieb der ehemaligen Deutschen Demo- kratischen Republik, wurde mit der "Wende" abgewickelt, d.h. privatisiert und von einer Fa. mit Sitz in Bad Homburg geschluckt.

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Bluttransfusionsgerät (6) n. JUBÉ

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1924 gab Louis JUBÉ (*14.08.1899 in Saint Pol de Léon in der Bretagne) seine Pumpe für nicht-zitriertes Blut an (US-Patent 1.499.662 vom 1. Juli 1924) – sie war im Prinzip von Anbeginn an unmodern, da sie von der 1914 von Albert HUSTIN erfundenen Natriumzitrat-Beimengung keine Notiz nahm. Somit wurde sie in den 30er Jahren umgehend von den 3-Wege-Pumpen für zitriertes Blut abgelöst.

Hergestellt wurde die Pumpe von der 1889 gegründeten Fa. Duffaud & Cie aus Paris, 11 rue Dupuytren. Man beachte, dass die Duffaud-Nadeln (IS 15/10 und IS 17/10) unterschiedlich sind! Die Gummischläuche sind altersbedingt hart und brüchig. Trotz des Fehlens einer Zitratbeimischung war sie in den 20er Jahren europaweit das am häufigsten benutzte Transfusionssystem; durch die mit Paraffinöl benetzten Schläuche konnten alle 3-4 Sekunden 5 ml Blut übertragen werden. 500 ml liessen sich so problemlos übertragen, dann koagulierte das Blut zumeist, und die Prozedur musste von neuem beginnen.

1938 pumpte Jubé aus Leibeskräften, um das Leben des deutschen Diplomaten Baron Ernst vom Rath zu retten, der in Paris von dem Juden Herschel Feivel Grynszpan angeschossen worden war. Am OP-Tisch stand der berüchtigte, extra aus Berlin angereiste Chirurg Karl BRANDT!

Lit.:

- Jubé, Louis, La transfusion du sang pur en pratique chirurgicale, 1929

- Willi, Heinrich, Die Bluttransfusion beim Kinde mit der Jubé-Spritze, in: Deutsche Medizinische Wochenschrift – DMW 56(1930), Heft 44, S. 1872-1872.

- Douglas Robb, Transfusion of Whole Blood by the Jubé Syringe, in: Australian and New Zealand Journal of Surgery, Volume 2, Issue 2, pages 198–199, October 1932.

- Notice sur l'emploi de la seringue de Louis Jubé pour la transfusion du sang pur: et les notions indispensables à connaître avant de pratiquer une transfusion quelle que soit la technique employée, Duffaud 1938.

 

Exponat

"Unsere" Jubé-Pumpe stammt aus Caraman/ Midi-Pyrénées. August 2013, Ebay.

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Chloraethyl (1), Glasflasche

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Kelen, um 1940

 

 

"Le chlorure d’éthyle permit aussi bien l’anesthésie rapide par inhalation que l’anesthésie locale par le froid. Son évaporation sur la peau consommant une grande quantité de calories, le froid ainsi provoqué permet l’apparition d’un givre provenant de la vapeur d’eau de l’air ambiant ; ce phénomène permet de juger le moment opportun pour une incision d’abcès par exemple!"

 

Diese örtliche Anwendung des Chloräthyls zur Kälteanästhesie der Haut geht auf den Genfer Arzt und Zahnarzt Camille REDARD (1841-1910) zurück, der 1888 über den Nutzen des Chloraethylsprays in seiner Praxis berichtete.

 

Das "Manuale der neuen Arzneimittel" von J. MINDES aus dem Jahr 1901 schreibt:
"Aethylen chloratum, Lokales Anaesthetikum, das gut vertragen werden soll, wird von REDARD in Genf bei Zahnoperationen und Ischias empfohlen"

 

- noch hatte sich das Präparat nicht durchgesetzt. Das gleiche Werk kannte allerdings schon das KELEN-Methyl, "eine Mischung aus Chloräthyl und Chlormethyl" - Chlormethyl war ein Substitut für Chloroform.

 

Auch die deutschsprachigen Kliniker benutzten das französische Produkt KELEN. Dieses blieb lange Jahre ein beliebtes Mittel zur Einleitung auch längerer Narkosen (die man dann mit Äther oder Chloroform weiterführte). Schon zu Beginn des 20. Jh. mehrten sich allerdings die Zwischenfälle bei diesem Vorgehen: ganz unerwartet starb 1 Patient auf 2.000 Narkosen unter dem Bilde der Asphyxie oder Synkope.
Trotz der inhaerenten Risiken wurde KELEN bis nach dem 2. Weltkrieg benutzt, bevor es den modernen Anaesthetika weichen musste.