Chirurgie


Kauter (6) Elektrokauter / Griff

 

Zum Schneiden und Koagulieren sind Elektrokauter im modernen OP unverzeichtbar.

Vorgestellt wird ein Handschalter der Fa. BOWO, der 2007 ausrangiert wurde. Im Medaillon ein Öse (Firmenbild) zum Abtragen von kleinen Wucherungen.
1977 von den Herren Günter Bosner (Chemie-Ingenieur) aus Gomaringen und Prof. Kurt WALTER (Astronom, 1972 aus der Uni ausgeschieden) aus Tübingen gegründet, hat sich die BOWA-electronic GmbH aufgrund ihrer Innovationskraft und ihres Know-hows ab 1987 zu einem erfolgreichen Anbieter im boomenden Bereich der HF-Medizin entwickelt.
Heute beschäftigt BOWA 400 Mitarbeiter, die einen Umsatz von über 30 Mio. Euro generieren. Die exklusiv in Deutschland hergestellten hochwertigen Produkte genießen weltweit einen ausgezeichneten Ruf.
Als Anbieter der kompletten Palette von HF-Chirurgie-Geräten und -Zubehör ist BOWA ein international erfolgreicher Player im anspruchsvollen Bereich der Elektromedizin: Rund um den Globus stehen BOWA Produkte im Einsatz.

Sitz der Firma:
BOWA-electronic GmbH & Co. KG
Heinrich-Hertz-Strasse 4–10
D-72810 Gomaringen (10 km südlich von Tübingen)
Tochterfirmen in Polen und den USA.

Chirurgie


Kauter (7), Transformator

 

 

   Der hier vorgestellte Transformator besteht aus zwei Stromwandlern:

- dem linken, von dem der Kauter gespeist wurde.

- dem rechten, der Strom zur Beleuchtung von medizinischen Endoskopen (Stirnlampe, Zystoskop etc.) lieferte.

 

Félix Maloine stellte um 1912 chirurgische Instrumente her (Catalogue d'Instruments de chirurgie 1912)
Nicht zu verwechseln mit A. Maloine, der um 1880/1905 in Paris medizinische Bücher herausgab ...

 

Das vorgestellte Gerät stammt aus dem Nachlass des ab 1913 in Clerf niedergelassenen Arztes Guillaume KOENER. Da ihm ob seiner antiklerikalen Einstellung der Zugang zum Hospital der Franziskanerinnen in Clerf versagt war, musste sich KOENER in seiner Privatpraxis mit diesem und ähnlichen Geräten behelfen ...

 

Ein ähnlicher Kasten findet sich im Katalog "Guillot, Fernand. - Catalogue illustré d'instruments de chirurgie, d'appareils de médecine et d'orthopédie, Paris : s.n. [Ivry : Impr. des Ets Hyperparaf, 1934" aus dem Jahr 1934

zit.web2.bium.univ-paris5.fr/livanc/?cote=extaphpin010&p=53&do=page )

Chirurgie


Kauter (8), Transformator 110 V

Transformator

Transformator 1934

 

 

1845 tötete der Wiener Zahnarzt Moriz HEIDER (1816-1866) einen Zahnnerv mittels elektrisch erhitztem Platindraht ab - in einem Gespräch mit dem in München lebenden (aus dem Elsass stammenden) Physiker Carl August von Steinheil (1801-1870) war er auf die Idee gekommen, das bis dahin übliche Glüheisen durch einen durch elektrischen Strom glühenden Platindraht zu ersetzen.

 

1846 beschrieb der Finne Gustav Samuel CRUSELL (1810-1858) in St. Petersburg das gleiche Verfahren und gab ihm den Namen "Galvanocaustie". Im April 1847 entfernte er mittels einer glühenden Platinöse einen Blutschwamm an der Stirn eines seiner Patienten. Vereinzelt wurde die Methode in Frankreich angewandt (Nelaton, Etiolles). Wirklichen Eingang in die Medizin aber fand das Verfahren erst, als Albrecht Theodor MIDDELDORFF (1824-1883) in Breslau 1854 in seinem Buch "Die Galvanokaustik" Erfolge mit der elektrischen Öse publizierte. Als einer der Ersten arbeitete damit der deutsche Chirurg Viktor v. BRUNS (1812-1883), da sie ein Operieren an schwer zugänglichen Stellen gestattete. Bruns arbeitete mit Gleichstrom (10-20 Ampère, 3-6 Volt).

 

- In einer ersten Phase stellten Ärzte ihren Strom selber her – ein teures und wartungsintensives Verfahren – der Umgang mit den Zink-Platin-Batterien erwies sich als äusserst diffizil. Aus diesem Grunde bevorzugten viele Chirurgen den Thermokauter von PAQUELIN, zumindest an den Orten, die leicht zu erreichen waren. Lit.: Rüdiger Kramme, Medizintechnik: Verfahren - Systeme – Informations-verarbeitung, Springer Verlag, 3. Aufl. 2007.

 

- In einer zweiten Phase nutzten die Chirurgen den Ende des 19. Jahrhunderts von dem in Paris lebenden Serben Nikola TESLA (1856-1943) und seinem Freund Jacques-Arsène d'ARSONVAL (1851-1940) in die Medizin eingeführten Wechselstrom, indem sie nachwiesen, dass dieser im Frequenzbereich von 2 kHz bis 2 MHz zu einer Gewebeerhitzung führt, OHNE dabei Muskel- oder Nervenreizungen hervorzurufen. 1900 berichtete Joseph-Alexandre RIVIÈRE (1859-1946) in Paris über Erfolge bei der Verkleinerung von Geschwülsten durch Funkenbehandlung. Der Aufbau eines öffentlichen Stromnetzes um 1895 gestattete schliesslich den Zugriff auf diese komfortable Neuerung. Exponat: "Transformateur portatif pour cautère et lumière fonctionnant sur courant alternatif de 110 volts" (J. De la Croix, bureaux et usine au 131 de la rue de Vaugirard,) mit zwei Rheostaten, die in einer runden, wegen der Hitzeentwicklung durchlöcherten, Dose zusammengefasst sind: einem für Licht, einem andern für den Kauter. So konnte der Arzt gleichzeitig sein OP-Feld (z.B. über eine Stirnlampe) beleuchten und brennen. Der Vorteil eines Elektrokauters besteht darin, dass man mit ihm schneiden kann und verletzte Gefäße durch die Hitze direkt verschlossen werden, so dass es nicht zu starken Blutungen kommt. Die Gewebezerstörung durch den Glühhitzeträger ist in ihrer Ausdehnung nur sehr grob zu bestimmen. Aus diesem Grunde muss man sich stets weit von grossen Gefässen und Nerven halten, um bedrohliche Komplikationen zu vermeiden. Als weiterer Nachteil der Methode ist zu erwähnen, dass die histopathologische Befundung von Tumoren durch die Kauterisation erschwert wird (ist der Tumor im Gesunden entfernt?), wenn das zu untersuchende Gewebe an den Schnittflächen durch Hitze zerstört wurde.

 

Grösse 23 x 14 x 10 cm, ovale Form, seitlicher Tragegriff. Gewicht 3.3 kg.

 

Abbildung in: Guillot, Fernand. - Catalogue illustré d'instruments de chirurgie, d'appareils de médecine et d'orthopédie Paris : s.n. Ivry : Impr. des Ets Hyperparaf, 1934" S. 51 "Boîte ovale pour cautère et lumière sur alternatif, réglage par 2 manettes à plots. Usage simultané du caut`ère et de la lumière ... 260 Francs" .

 

Herkunft: Carrère i.d. Aquitaine. 

 

Chirurgie


Kippflasche (1)

Kippflasche 1
 

 

   Fäden von der Bobine abzurollen und sie dabei nicht unsteril zu machen, war eine hohe Kunst,die erst mit den sog. Kippflaschen der Fa. Braun / Melsungen gelang.

 

Am 23. Juni 1839 erwarb Julius Wilhelm BRAUN (1808-1850) die Rosenapotheke in Melsungen. Ende September 1908, auf einer Zugfahrt von einem Treffen der Ärzte und Naturforscher in Köln (Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte zu Köln vom 20.–26. September 1908) zurück nach Melsungen, traf sein Enkel Carl BRAUN (1869-1929), der die Apotheke 1900 geerbt hatte, im Speisewagen ganz zufällig auf den Chirurgen Dr. Franz KUHN (1866-1929), der Chefarzt des Elisabeth-Krankenhauses in Kassel war und ihm sein Leid klagte: Kuhn hatte ein Verfahren zur sterilen Produktion von Katgut entwickelt und erprobt, doch fehlte ihm ein Partner für die Fertigung im größeren Stil. Schnell konnte Kuhn sein Gegenüber zum Einstieg in die Forschung und industrielle Fabrikation des so wichtigen Nahtmaterials bewegen: in enger Zusammenarbeit – Melsungen liegt nur 34 km südlich von Kassel - entwickelten beide noch vor Ablauf des Jahres 1908 das erste Verfahren zur industriellen Fertigung von sterilem Catgut aus Hammeldärmen, dem "Kuhn'schen Katgut", wie das Produkt in der Fachwelt genannt wurde.

Verwendet wird Catgut in der Chirurgie in drei Formen: dem sterilen Catgut (Chorda resorbilis sterilis), sterilem Catgut im Fadenspender (Chorda resorbilis sterilis in receptaculo) sowie sterilen, resorbierbaren Kollagenfäden (Fila collagenis resorbilia sterilia).

 

Exponat

Wiederbefüllbarer chirurgischer Fadenspender (H: 16 cm, D: 6,5 cm) der Fa. Braun Melsungen (um 1951). Der 100 Meter lange Faden lag in einer desinfizierenen Flüssigkeit. Jeweils vor Gebrauch wurde die Flasche gekippt (daher der Name "Kippflasche") und damit das Fadenende desinfizert. Danach wurde der Deckel geöffnet und Nahtmaterial entnommen, danach verschlossen und durch erneutes Kippen wieder desinfiziert.

Pressglas

Fadenspender mit "dickem Kopf"

Chirurgie


Kippflasche (2)

Kippflasche 2
 

 

    Im Laufe der Zeit änderten sich die Form der Flaschen, dem Zeitgeist gehorchend und den Zwängen der Produktion.

 

Exponat

Fadenspender mit "schmalem Kopf". Identisch mit der n°3, die zusätzlich über ihre Plastikschutzhülle verfügt sowie einen gläsernen Fadenführer.

Chirurgie


Kippflasche (3)

Kippflasche 3 1
 

In Ostdeutschland konzentrierte sich die Fa. Catgut auf die Herstellung von medizinischem Nahtmaterial.

1906 rief Walter DÖLLING die Firma ins Leben als Import und Großhandel mit Schafdärmen. Dölling war also Darmgroßhändler und importierte die für Musiksaiten am besten geeigneten Schafdärme aus Spanien, Neuseeland und Australien.

1923 begann der Firmengründer damit, steriles chirurgisches Nahtmaterial herzustellen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Unternehmen in Walter Dölling & Co umgewandelt, sodass es weiterhin im Familienbesitz bleiben konnte.

1965 wurde die Firma von Dipl.-Ingenieur Norman Brückner, Enkel des Firmengründers übernommen. Sieben Jahre später wurde die Firma von der Deutschen Demokratischen Republik enteignet. Norman Brückner führte den volkseigenen Betrieb so lange weiter, bis es im Jahre 1981 mit dem VEB Catgut zwangsweise fusionierte. Von diesem Zeitpunkt an fertigte der Betrieb unter dem Markennamen Traumafil Nahtmaterial. Damit war man in der damaligen DDR alleiniger Catgut-Fabrikant.

Erst war der Betrieb halbstaatlich, später folgten die Enteignung und die Überführung in einen VEB, nach der Wende kam die Treuhand und schließlich der   Rückkauf:

1992 kaufte Norman Brückner den Betrieb von der Treuhand zurück. Wenige Jahre später entschloss man sich, eine neue Produktionsstätte zu errichten.

1997 kam es zur Gründung des Tochterunternehmens TNI Chirurgisches Nadelwerk. So wurden fortan neben chirurgischen Nadeln auch atraumatische Nadeln in Eigenleistung produziert. Der Vertrieb der chirurgischen Nadeln findet in Deutschland ausschließlich über die Firma Catgut statt.

Auf Grund seiner glatten, hervorragend bearbeiteten Oberflächenbeschaffenheit, wie auf Mikroaufnahmen erkennbar, seiner garantierten Durchmesserkonstanz und seiner Homogenität stellte das vogtländische Catgut über Jahrzehnte einen schnell bis mittelschnell resorbierbaren, monofilen Faden hoher Qualität dar.

2000. Infolge der Ausbreitung der Rinderseuche BSE (bovine spongiöse Enzephalopathie), des sog. Rinderwahnsinns, im Jahre 2000 und ihrer offensichtlichen Übertragbarkeit auf den Menschen, bei dem die molekularen Krankheitserreger (Prionen) zur Creutzfeldt-Jakobschen Krankheit führen sollen, ist die Verwendung von Produkten aus Rinderblut- und Rinderdarm in der operativen Medizin nicht mehr zulässig. Das betrifft namentlich die Inkorporation von Material aus Catgut. So ist ein durchaus nützliches Naturprodukt durch unbiologische Fütterungs- und Tierhaltungsmethoden vernichtet worden. Allerdings haben Naturprodukte außerdem immer den Nachteil einer gewissen Ungleichmäßigkeit und lassen sich nicht so gut standardisieren wie synthetische Materialien.

2015 wurde das Unternehmen an neue Inhaber übergeben. Heute wird die Firma durch Ines und Heiko Riedel als Geschäftsführung erfolgreich geleitet. Die Catgut GmbH produziert heute neben verschiedenen synthetischen, resorbierbaren Fäden auch zahlreiche nicht resorbierbare Nahtmaterialien und bietet in ihrer umfangreichen Palette auch Spezialprodukte an.

 

 

Exponat

Wiederbefüllbarer chirurgischer Fadenspender (1981).

VEB Catgut Traumafil, Markneukirchen.

Herkunft: Arendsee, Ortsteil Molitz i.d. Altmark (Sachsen-Anhalt)

Chirurgie


Kippflasche (4)

Kippflasche 3
 

 

    Mit dem Plastik nahte das Ende der Kippflaschen. Der Inhalt allerdings war revolutionär: PERLON! Die Entwicklung moderner medizinischer Nähfäden und Ligaturen hatte kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges mit der Entdeckung des Polyamid 6 (Perlon) begonnen – eines Stoffes, der im Rahmen der Strumpfhosenherstellung Berühmtheit erlangte. Mit der Entwicklung der ursprünglichen Textilfasern PERLON und Nylon vor dem Zweiten Weltkrieg begann die Ära vollsynthetischer Fäden mit hoher Reißkraft, Geschmeidigkeit und überdies erstklassigen Knüpfeigenschaften.

 

Die immer dünner werdenden Fäden und die stufenlose – „atraumatische“ – Verbindung von Nadel und Faden erlauben es heute dem Chirurgen, seine meisterhafte „Visitenkarte“ – als solche gilt bei vielen Patienten noch immer die sichtbare Narbe – am Patienten zu hinterlassen.

 

 

Exponat

Kippflasche aus Plastik, Perlonfaden geflochten O

Chirurgie


Kornzange

Kornzange
 

 

 

Exponat

Kleine Kornzange, an der Innenseite einer Branche die Zahl 23. Die Zange stammt aus dem Konvolut, das ich 2017 in Saint-Aubin in Burgund ersteigert habe (Schröpfköpfe, Schröpflampe in Kännchenform).

 

Kornzangen sind in allen Katalogen vertreten und werden in sehr unterschiedlichen Längen angeboten, die von 11 bis 33 cm reichen. Unsere Zange mißt 14.5 cm.

 

Lit.:

Nichael Sachs, Historische Entwicklung des chirurgischen Instrumentariums, 2001 Kap. 6 S.69-77.

https://www.kaden-verlag.de/uploads/tx_sybooks/Sachs_Geschichte2_Leseprobe.pdf

 

Chirurgie


Krankentransport, 1914/18

Fischer Militär-Kutsche, Vorkriegszeit, 30er Jahre 

 

"Besonders bezeichnet man mit Ambulanz die leicht bewegliche Einrichtung des Kriegssanitätswesens für die erste Hilfe, zuerst im 15. Jahrhundert von Isabella der Katholischen eingerichtet, von Richelieu im italienischen Kriege 1630 organisiert, später auch bei anderen Heeren eingeführt. In der deutschen Armee wird der Ausdruck Ambulanz nicht mehr benutzt.
In Frankreich versteht man unter "ambulances" alle im Bereich des kämpfenden Heeres vorhandenen Einrichtungen zur Pflege und zum Transport der Verwundeten und Kranken, speziell die zuerst 1792 i, Rheinfeldzug von LARREY eingeführten Krankentransportwagen"
(Meyers Konversationslexikon 1909, 1. Band).

Ambulanzen gehörten also im Wesentlichen ins Ressort der Armeen. Doch auch im zivilen Alltag betrieben Organisationen wie die Freiwilligen Rettungsgesellschaften und das Rote Kreuz Krankentransporte.

Die Verwundeten wurden durch mehr oder weniger ausgebildetes Personal auf Krankentragen vom Schlachtfeld zu nahegelegenen Verbandsplätzen und Verwundetensammelstellen gebracht (Anmerkung: Kranke und Verwundete werden auf ‚Tragen’ transportiert, nur Tote liegen auf ‚Bahren’). Hier fand eine Erstversorgung durch die Regimentsärzte statt, bis sie in Ambulanzwagen auf einer bestimmten Route mit Halteplätzen zur Aufnahme weiterer Verwundeter zum Feldlazarett gebracht wurden.
Sanitäter begleiteten diese Krankentransporte nicht - bis zur Ankunft in einem Lazarett waren die Patienten sich selber überlassen.

Die zunächst verwendeten 2-rädrigen Krankenwagen erwiesen sich als ungeeignet, da die schaukelnden Bewegungen zusätzlich Schmerzen verursachten, so daß bald 4-rädrige Wagen eingeführt wurden. Sobald die Verwundeten in den Feldlazaretten transportfähig waren, brachte man sie zur weiteren Behandlung in die Reservelazarette in den Städten ...

In Deutschland produzierten drei große Zentren Blechspielzeug:
- der Raum Nürnberg/Fürth/Zirndorf mit über hundert Betrieben.
- der Raum Berlin/Brandenburg mit den Firmen Lehman, Greppert und Kelch.
- der Raum Württemberg mit der Firma Märklin .
Während des 1. Weltkrieges brach die Spielzeugindustrie zusammen und erreichte nach Kriegsende in vielen Fällen nicht mehr die Vorkriegsqualität. Ein Beispiel dafür ist die Abwendung vom Verlöten der Spielzeuge und die Verbreitung der Blechzungen (Verzapfung). Nach dem wirtschaftlichen Aufschwung in den 20er Jahren führte die Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren zu einem Exodus vieler Hersteller: namhafte Firmen wie Issmayer, Bing und Hess schlossen ihre Fabrikationsanlagen.

Die Kinder spielten die Szenen nach, die ihnen der Vater bei seiner Rückkehr aus dem Krieg erzählte. Heute ist das "Penny"-Blechspielzeug von einst ein gesuchtes Sammelobjekt. Man beachte die detailgetreue Ausarbeitung der Pferde und der Kutscher und die sorgfältige Verzapfung - entstanden in der Nürnberger Spielzeugfabrik Georg Fischer (von 1908 bis 1959), Aufdruck "Germany" auf der rechten Flanke beider Pferde. Das gleiche Gespann (selten?) gab es übrigens auch ohne die Roten Kreuze auf der Plane ...

Chirurgie


Krankentransport, 1921

HADIR Differdingen 

 


Die Berner Kliniken verfügten schon 1830 über einen Reisewagen für den Transport von Inselpatienten in die aargauischen Bäder. Ab 1870 wurden in Bonn bei Christian MIESEN Reisewagen in GrossSerie hergestellt, bald darauf serienmässig die ersten Sanitätswagen für Pferdebespannung. 1899 ersetzte die "Frankfurter Freiwillige RettungsGesellschaft" ihre fahrbaren Tragen durch Pferde- kutschen. Andere Städte zögerten: eine Stadt wie Bielefeld schaffte erst 1907 einen ersten pferdebespannten Krankenwagen an.

 

1903 scheint sich die Stadt Luxemburg erstmals um eine öffentliche Regelung des Transportes von Kranken und Verletzten bemüht zu haben und Kostenvoranschläge eingeholt zu haben. Im Stadtrat wurde zu Beginn des Jahres 1903 (Samstag 17.1.1903) über das Thema beraten. Im Sommer 1903 wurde ein Kredit bewilligt:

„Luxemburg, den 30. Juni. Gemeinderatssitzung vom Samstag. Vor Eintritt in die Tagesordnung votiert der Gemeinderat auf Antrag des Hrn. Probst einen Kredit von 1250 Franken für Anschaffung eines Ambulanzwagens“ (Obermoselzeitung vom 30.6.1903).

 

1905 stand der Wagen zur Verfügung:

"Tod durch Schlagfluss. Der ca. 65 Jahre alte Nik. Steffen, Arbeiter in der Handschuhfabrik Alb. Reinhard / Stadtgrund, wurde gestern Nachmittag gegen 2 Uhr in der Fabrik während der Arbeit vom Schlage gerührt und blieb zur Stelle todt. Die Leiche wurde sofort im Krankenwagen nach seiner Wohnung gebracht" (Ardenner Bauer vom 15.7.1905).

 

Aus einer Kostenabrechnung aus dem Jahre 1914 darf man schliessen, dass diese Ambulanz schon vor dem 1. Weltkrieg mit Gummireifen ausgestattet war:

13.6.1914: "voté d'un crédit de frs 1050.- pour le remplacement des bandages usés en caoutchouc des roues de derrière de la voiture d'ambulance" (Conseil fol 30 r).

Zu Beginn des 1. Weltkrieges steckte die Motorisierung auch bei der Armee noch in den Kinderschuhen - die Sanitätsdienste sowohl des deutschen als auch des französischen Heeres zogen zunächst mit Pferd und Wagen ins Feld.

 

Die Hüttenwerke im Süden des Landes verfügten früh über Krankenwagen - Pferdedroschken, um ihre verletzten Arbeiter zu den Werksspitälern zu karren. Von Differdingen ging die Reise prinzipiell nach Niedercorn zum HADIR-Werksspital. Laut einer mündlichen Überlieferung litt der erste in diesem Wagen transportierte Patient an einem perforierten Blinddarm:

« Differdingen, 21. Juli. Mit dem Ambulanzwagen wurde er gleich ins Hospital geschafft. Die Hirnschale ist zertrümmert und das Gehirn blossgelegt. Sein Zustand ist lebensgefährlich. Eine Stunde vorher erst hatte der Ambulanzwagen einen anderen, aber nur leicht verletzten Arbeiter ins Hospital befördert » (Escher Tageblatt vom 21.7.1913).

 

 

Vorgestellt wird ein um 1921 entstandenes Foto. Von rechts nach links:

- der Krankenpfleger resp. "Sanitäter" Walter KLEIN Ehemann von Frieda Kunz aus Obercorn, deren Tochter den deutschen Handelsattaché Dr. Heinrich Diehl heiratete, der seinem Leben 1949 in Dietz resp. Wetzlar ein Ende setzte durch einen Sprung in die Nahe,

- der „gardien" Nicolas BIREN, der seit 1911 bei der Schmelz angestellt war. Er war später Oberwächter resp. Vorarbeiter bei der ARBED,

- der in Eschette wohnende Kutscher Michel Meyer, der während des 2. WK Bürgermeister von Folschette wurde und bei Kriegsende "heim ins Reich" flüchtete, wo er bis zu seinem Tode in St. Vith lebte.

 

Die Männer posieren vor dem Ambulanzwagen der HADIR-Werke / Differdingen (Hauts-Fourneaux et Aciéries de Differdange, - St. Ingbert - Rumelange). Das Foto aus dem Fundus von Niki Goedert ist ein Geschenk von Erny Hilgert aus Differdingen.

Ab 1918 stellte der luxemburger Staat eine Autoambulanz in Dienst. Die Erlaubnis zum Benutzen des Autos musste in jedem einzelnen Fall beim Ministerium eingeholt werden. In einer "Circulaire" vom 29.6.1918 bat der Minister um Zurückhaltung bei der Anforderung des Autos "eu égard à la rareté et à la cherté des pneus" (zit.: A. Praum, Edm. Knaff, Code médical 1919 S. 251). Die Stadt Luxemburg folgte dem Beispiel 1928. 1937 schaffte auch die Escher Gemeindeverwaltung endlich einen motorisierten Krankenwagen an.

 

Chirurgie


Kryokauter

Kryokauter, um 1930 

 

 

"Kryotherapie und kühlende Mittel kannte man schon im Altertum, Schmerzleitungs-blockade durch Kälte wurde wahrscheinlich erstmals 1812 von Larrey bei Amputationen angewendet. Kryochirurgie im heutigen Sinne beginnt jedoch erst mit Sir James Arnott. Dieser erreichte Mitte des 19. Jahrhundert mit einem Eis-Salzgemisch, wie es früher zur Sorbetbereitung benutzt wurde, Temperaturen unter -20 °C und Nekrosen bei Geschwülsten. Weitere Fortschritte wurden möglich, als Verflüssigung und Trennung von Gasen mit dem Linde-Verfahren in industriellem Maßstab gelang und Dewar sowie Weinhold geeignete Isolierbehälter entwickelten. 1899 propagierte White die Anwendung flüssiger Luft als Spray und mit Watteträgern, 1910 Gold diejenige flüssigen Sauerstoffs. Beides wurde trotz Warnungen vor Explosionsgefahr bis in die 1930er-Jahre benutzt" (M. Hundeiker, Geschichte und Zukunft der Kryochirurgie in der Dermatologie, in: Akt. Dermatol. 2009; 35(7): 279-282).

 

Der Arzt füllte den kälteisolierten Handgriff mit Eisschnee, wählte eine der zu behandelnden Laesion angepasste Hohlsonde, stellte den Druck ein, mit dem er die Sonde auf die Laesion aufdrücken wollte, informierte sich in der Literatur über die adäquate Behandlungsdauer – und warnte den Patienten vor dem zu erwartenden leichten Schmerz.

 

Es gab den Kauter in unterschiedlichen Packungen: mit 2, 5, 8 oder 10 Hohlsonden, immer zusammen mit einem Adapter, mit dem der Handgriff aus einer, von der Fa. Drapier gelieferten, Original-Eisbombe nachgefüllt werden konnte. Eine Klinikpackung enthielt zusätzlich zu 10 Hautsonden noch 3 gynäkologische Sonden nach Bizard und Rabut, mit denen Gebärmutterinnenhaut- und Zervixentzündungen behandelt werden konnten.

 

 

Wir stellen ein Vereisungsgerät nach Léon LORTAT-JACOB (1873-1931) vor aus dem Besitz des in Diekirch etablierten Arztes Paul HETTO (1895-1979).

 

 

Lit.:

Lortat-Jacob L, Solente G. La cryothérapie, Masson, Paris, 1930.

Jean-Pierre Martin, Le cryocautère du Dr. Lortat-Jacob, in: Clystère n°8, mars 2018

 

Chirurgie


Lenticular

 

 

Aus einem Innsbrucker Antikladen stammt dieses obstruse Instrument, das sonder Zweifel ein Lentikular darstellt (anfangs hielt ich es für einen Zahnsteinentferner).

Hier die Beschreibung des Instrumentes im « Dictionnaire des sciences médicales, Paris 1818 »:
„lenticulaire : petit couteau fixe, immobile sur son manche, et dont la lame, tranchante seulement d’un côté, est garnie à son extrémité d’un petit bouton de forme triangulaire. On se sert de ce couteau pour détruire les inégalités qui se rencontrent quelquefois aux bords osseux formés par l’application d’une couronne de trépan. Le bouton lenticulaire, dans ce cas, sert à protéger les membranes qui recouvrent le cerveau pendant qu’on fait usage du couteau ; il sert aussi à en faciliter l’usage, en se plaçant entre le cerveau et la boîte osseuse qui le recouvre ».

 

… eine Raspel demnach, die in der antiken Neurochirurgie benutzt wurde. Daher finden man ähnliche Geräte unter der Bezeichnung „raspartoire“ oder „râpe“. In Frankreich hiessen sie später „rugine“. Die „lenticular’s“, wie sie die Engländer nennen, gab es mit rundem Kopf, aber auch, wie im vorliegenden Fall, mit einem pentagonalen Kopf, dessen Spitze dem Operateur zugewandt war, dessen angerundete Unterkante aber gegen die Hirnhäute gedrück wurde, um eine Verletzung derselbigen zu verhindern, während die 4 Seitenkanten die Knochenränder der Trepanationsstelle glattraspelten.

 

Die Lentikulare finden sich in Trepanationsbestecken bis um 1920, dann verschwanden sie allmählich aus dem Angebot der Firmen. Das „Berliner Waarenhaus“ bot um 1910 keines mehr an, wohl aber die Fa. Esculape, verteten um 1910 durch P.J. Berg, Grossstrasse 17.